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November 6, 2019 9:00 am

2 Teil des Interviews mit Tasja

 Bist Du derzeitig berufstätig?

Ich bin berufstätig und mache derzeit sogar eine Ausbildung, von daher habe ich auch da meine Schwierigkeiten. Es war nicht einfach, den richtigen Arbeitgeber zu finden, der damit zurecht kommt, dass ich relativ oft ausfalle, weil es mir einfach nicht gut geht. An meinem Arbeitsplatz wissen alle über meine Krankheit Bescheid und sie wissen, dass wenn ich mich krankschreiben lassen muß, weil es mir nicht gut geht, ich das nicht einfach mache, weil ich keine Lust habe und einen Tag zu Hause bleiben will, um mir einen schönen Tag zu machen.

Viele Leute verstehen leider nicht, was es bedeutet Depressionen zu haben und wie schwer es ist sich aus dem Loch wieder zu befreien. Oft hört man Leute sagen, jetzt bin ich aber depressiv, wenn sie ein Tief habe. Ich sage dann, nein das bist Du nicht, Du weißt gar nicht was das heißt.  Dir geht es vielleicht nicht gut, aber Du hast diese Krankheit nicht. Sie verstehen nicht, wie schwer es ist, sich aus dem Loch zu befreien, man kann nicht nach 2 oder 3 Tagen sagen, so jetzt ist die Depression vorbei und ich funktioniere wieder.

Hast Du Hilfe und Unterstützung in besonders schlimmen Phasen?

Ja, mein Lebensgefährte unterstützt mich so viel es geht und es ihm möglich ist. Er nimmt mir verdammt viel ab. Therapie möchte ich gerade nicht machen, das habe ich gemacht und war auch in einer Klinik, aber im Moment ist das nicht, der Weg, den ich gehen möchte. Ich bin soweit stabil, habe hin und wieder schlechte Tage oder Wochen, aber es ist nicht so, dass ich sage, ich möchte wieder Medikamente nehmen oder eine Therapie machen.

Ich versuche es lieber mit Sport, spielen, spazieren gehen. Besonders gut hilft mir persönlich dann ein Ausflug in eine andere Stadt, um etwas Neues zu sehen, aus meinem Alltag und meinem Umfeld rauszukommen und mal etwas bummeln zu gehen oder einen Kaffee zu trinken und mich auf etwas anderes zu konzentrieren.

Wie geht es Dir mit den Depressionen?

Manchmal dauern die Phasen eine oder zwei Wochen, es gab es aber auch schon, da war es ein ganzer Monat. Ich sage mir dann, Du kannst Dir nicht einfach die Decke über den Kopf ziehen, Du hast ein Kind, einen Haushalt, eine Arbeit.

Wenn nicht gerade mein Kopf sagt, Du bist eine schlechte Mutter und kriegst eh nichts auf die Kette, dann ist es so, dass ich versuche zu schauen, dass ich wieder fit bin, oder zumindest scheine, als sei ich voll wieder da. Damit ich für ihn da bin, ihn zum Fussball bringen kann, meinen Haushalt machen, kochen und so weiter.

Es ist mir wichtig, dass trotz allem der Alltag so normal wie möglich weiter geht.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich meinem Kind nicht gerecht werden kann. Bei Depressionen hat man häufig Stimmen im Kopf, die einem sagen, „Du bist keine gute Mutter“ oder „Du läßt Dein Kind schon wieder alleine“ oder „Du kannst ihm nicht gerecht werden“. Während der depressiven Phasen sind diese Stimmen da und es ist sehr schwer sie umzuwandeln und für sich sicher zu sein, dass man eine gute Mutter ist und alles so gut macht, wie man kann.

Was würdest Du anderen Müttern mit Depressionen oder anderen Krankheitsbildern mit auf den Weg geben?

Was ich immer sage ist, versucht trotz allem positiv zu denken. Laßt Euch nichts von anderen einreden und sagt die Dinge so wie sie sind. Sagt, dass Ihr einen Scheißtag habt, das ist weder schlimm, noch muss man sich dafür schämen. Ihr müßt Euch nicht rechtfertigen und ihr müsst auch nicht immer funktionieren. Ich bin an dem Punkt, wo ich für mich sage, ich muß mich vor niemanden rechtfertigen, vor niemandem. Wem das nicht paßt, was ich schreibe oder was ich sage, der kann dann gehen. Den brauche ich dann auch nicht mit seinen Energien in meinem Umfeld. Wenn jemandem mein Leben nicht paßt, dann braucht er nicht darin zu bleiben, das tut mir nicht gut und wenn mir das nicht gut tut, tut das auch meinem Kind nicht gut.

Man sollte sich für nichts im Leben schämen, egal ob es eine Krankheit ist oder was auch immer. Man soll sein Leben leben, man hat doch nur dieses eine Leben und das soll man in vollen Zügen genießen.

Liebe Tasja, wir danken Dir von Herzen für Deine Ehrlichkeit, Deine Bereitschaft unsere Leser Anteil haben zu lassen und wünschen Dir allzeit viel Kraft, Power und Positivität.

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Foto: by Vladimir Sazonovshutterstock.com

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