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Juli 28, 2020 9:00 am

Aber Jungen tragen keine Röcke!

Wie wir mit unseren Kindern über Geschlechterrollen sprechen können

„Kinder können grausam sein“ heißt es so oft. Was damit eigentlich gemeint ist, ist dass Kinder untereinander die Vorurteile ihrer Elterngeneration reproduzieren. Wenn wir dazu beitragen wollen, dass unsere Gesellschaft und nicht zuletzt die Lern- und Spielorte unserer Kinder freundlicher und toleranter werden, sollten wir anfangen, mit unseren Kindern über Toleranz und Andersartigkeit zu sprechen. 

Eigene Glaubenssätze hinterfragen

Unsere Kinder schauen vertrauensvoll zu uns auf. Wir sind ihre Eltern, ihr sicherer Hafen und dabei schier allwissend. Was unsere Kinder nicht sehen, ist, dass wir selbst voller alter Muster und Glaubenssätze sind. Wenn wir diese nicht hinterfragen, formen ein paar achtlos dahingesagte Halbsätze das Weltbild unserer Kinder– und dieses Weltbild tragen sie in die Kita. Also müssen wir als erstes unsere eigene Haltung überprüfen. Finde ich es ok, wenn Kinder sich kleiden, wie sie wollen? Wenn nein, warum ist das so? Erst, wenn wir selbst eine eigene klare Haltung gefunden haben, können wir mit unseren Kindern darüber sprechen.

Erzählen lassen

Genau wie wir auf uns selbst schauen, können wir nun unsere Kinder erzählen lassen. Was haben sie gehört? Was denken sie? Welche Bilder haben sich in ihren Köpfen festgesetzt? Sobald wir wissen, was unsere Kinder wirklich denken, können wir mit ihnen sprechen. Wir können ihre festen Vorstellungen hinterfragen, einordnen, Alternativen aufzeigen.

Fragen stellen

Eine der wichtigsten Fragen, nicht nur für kleine Dreijährige, ist die Frage „warum“. Oft merken wir selbst, dass wir auf diese Frage keine richtige Antwort parat haben, ganz besonders, wenn es um über Traditionen heruntergereichte Geschlechterbilder geht. Also fragen wir unsere Kinder: Warum darf der Junge kein Glitzer-Shirt tragen? Warum, denkst du, sind mehr Mamas als Papas auf dem Spielplatz? Denkst du, dass Jungen stärker sind als Mädchen? Hast du das mal beobachtet?

Vorbilder zeigen

Unser Weltbild prägt sich über Sehgewohnheiten. Also zeigen wir unseren Kinder Familien, Kinder, Eltern, die anders leben. Wir lesen Kinderbücher mit weiblichen Rittern und männlichen Schönheitskönigen. Wir tauschen beim Vorlesen einfach mal die Geschlechter der Protagonist*innen und schauen Filme mit diversen Charakteren oder suchen auf YouTube Videos, die zeigen, dass die Welt eigentlich viel bunter ist, als vielleicht vermutet. Buchtipp: „und sein pinkes Tutu“ von Riccardo Simonetti

Warum ist Gleichberechtigung so wichtig?

Wieso der ganze Aufwand? Wenn wir unseren Kindern zeigen und erklären, dass junge und alte Menschen sich kleiden dürfen, wie sie wollen, macht es auch Sinn, gleich zu zeigen, wieso das so wichtig ist. Hier folgen zwei kleine Formulierungshilfen für das Gespräch mit Kindern.

Für die Gesellschaft

Gleichberechtigung ist wichtig, weil es einfach unfair ist, wenn die Hälfte der Bevölkerung schlechter bezahlt wird. Es ist nicht gerecht, dass viele Papas viel weniger Zeit mit ihren Kindern verbringen können und viele Mamas nicht so viel arbeiten, wie sie eigentlich wollen. So tut nicht jede*r das, was er oder sie am besten kann, sondern das was von einem Mann oder einer Frau erwartet wird. Wenn alle gleichberechtigt leben würden, würden wir besser arbeiten (weil wir tun, was zu uns passt) und glücklicher sein.

Für jeden persönlich

Es ist auch für jeden persönlich wichtig, dass man einfach man selbst sein kann. Wenn ein Junge nun mal gerne Röcke trägt, sollte er das doch dürfen, ohne dafür ausgelacht zu werden. Und ein Mädchen darf auch wild und laut und stark sein. Jeder Mensch ist anders, jeder hat andere Vorlieben. Und die lassen sich sehr oft überhaupt nicht am Geschlecht festmachen. Es wäre doch traurig, wenn viele Menschen auf ihre Lieblingsdinge verzichten müssten, nur weil völlig Fremde das unpassend finden, oder?

Andere Vokabeln mit an die Hand geben

Hat das Kind bestimmte Beleidigungen oder blöde Witze aus der Schule oder dem Kindergarten mitgebracht, hilft es, einfach alternative Vokabeln mitzugeben. „Er kleidet sich gern feminin“ klingt viel freundlicher als „Er trägt nur Mädchensachen“. Generell lässt sich für jeden Ausdruck ein positives Bild finden. Bunt statt schrill, ausdrucksstark statt schräg, besonders statt komisch. So sorgen wir als Eltern dafür, dass unsere Kinder in einer toleranteren und offneren Welt groß werden dürfen.

Josephine Bernstein

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