Wir freuen uns heute mit Christoph Schulz und Julian Hölzer, den Autoren des gestern erschienenen Kochbuchs “Kochen fürs Klima”, für euch im Talk zu sein.

Es gibt viele Zero Waste Kochbücher, Sie beide gehen in ihrem Kochbuch noch einen Schritt weiter. 

Warum kann man beim Kochen zum Klimaschutz beitragen?

Neben Zero Waste kann man vor allem durch die richtige Lebensmittelauswahl einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Konkret geht es darum, sich die Auswirkungen einzelner Lebensmittel auf die Umwelt bewusst zu machen und das Einkaufs- und Kochverhalten auf diesem Wissen aufzubauen. Eine Studie der Oxford University in London kam zu dem Ergebnis, dass man durch die richtige Lebensmittelauswahl bis zu 73 Prozent des ernährungsbedingten CO2-Ausstoßes reduzieren kann (Poore; T. Nemecek (2018): Reducing food’s environmental impacts through producers and consumers, https://science.sciencemag.org/content/360/6392/987.long). Gleichzeitig ist mittlerweile bekannt, dass der Ernährungssektor für ungefähr 40 Prozent der europäischen Treibhausgasemissionen verantwortlich ist (Klima-Kollekte – Kirchlicher Kompensationsfonds gemeinnützige GmbH: Ernährung als wesentlicher Treiber des Klimawandels, abrufbar unter https://klima-kollekte.de/vermeiden-reduzieren/ernaehrung). Das Potential beim Kochen etwas zum Klimaschutz beizutragen ist also riesig. Mit unserem Buch wollen wir allen Lesern zeigen, wie jeder einzelne von uns zu Hause in der Küche den Unterschied machen kann.

Wie funktioniert klimafreundliche Ernährung im Alltag?

Die Klimaküche basiert vor allem auf einer bewussten Lebensmittelauswahl. Vor allem sollte man zu Lebensmitteln greifen, die regional und saisonal, sowie biologisch angebaut werden und weitestgehend unverarbeitet sind. Außerdem sollten pflanzliche Lebensmittel gegenüber tierischen Lebensmitteln bevorzugt werden. Im Optimalfall baut man dann noch einen Teil seiner Lebensmittel selbst an. Das kann im Kleinen mit ein paar Kräutertöpfen auf dem Fensterbrett anfangen, über einen Wintergarten mit Tomatenpflanzen und Salatköpfen bis hin zu einer Gartenparzelle, mit der man sich mit Obst, Gemüse und Kräutern versorgt. Für den Anfang kann man sich im Alltag fragen, woher ein Lebensmittel kommt und wie der Weg von der Produktion bis auf den Teller ausgesehen hat. Durch das Bewusstsein über die Herkunft der Lebensmittel lernen wir automatisch, wieder nachhaltigere Alternativen zu benutzen.

Wie kann man als Einsteiger einen leichten Einstieg in Ernährung finden, die dem Klima dienlich ist?

Vielen Menschen fällt es leicht, wenn sie Umstellungen in kleine Etappen aufteilen. Ich vergleiche das gerne mit einem Marathon: Wer am Anfang Vollgas gibt, dem wird auf halber Strecke die Puste ausgehen. Deshalb hilft es, wenn man die Umstellung lieber Schritt für Schritt durchführt, dafür aber bis zur Ziellinie. Man könnte damit beginnen, erstmal das eigene Frühstück möglichst nachhaltig zu gestalten. Das klappt beispielsweise durch den Verzicht auf Milchprodukte, tropische Früchte und Superfoods aus fernen Ländern. Stattdessen kann man regionales Obst, pflanzliche Milchalternativen aus Hafer oder Soja und regionale Superfoods wie Leinsamen oder Blaubeeren verwenden. Sobald man sich dann an die neue Art zu frühstücken gewöhnt hat, kann man die nächste Mahlzeit revolutionieren.

Habt ihr für unsere Leser ein tolles Rezept, was sie gleich zu den Feiertagen umsetzen könnten?

Da fällt mir sofort der Grünkernbraten aus unserem Buch ein. Der eignet sich mit seinem nussig-rauchigen Aroma toll als Weihnachtsbraten. Grünkern ist halbreif geernteter Dinkel, wird regional angebaut und kommt nahezu ohne Pflanzenschutzmittel aus. Neben Grünkern kommen vor allem regionales Wintergemüse und Kräuter in den Braten um das Geschmackserlebnis abzurunden. Pro Portion stößt der Grünkernbraten lediglich 142 g CO2-Äquivalente (Anm.: Maßeinheit zur Vereinheitlichung der Klimawirkung der unterschiedlichen Treibhausgase wie CO2 oder Methan) aus. Verglichen mit einem durchschnittlichen Gericht ist das gerade mal ein Zehntel.

Gibt es Tipps von den Profis, wie man beim Start ins Jahr 2021 gleich einige Dinge fürs Klima tun kann und diese dann in den Alltag integrieren?

Zu Jahresbeginn lohnt sich definitiv die Investition in einen Saisonkalender. Damit der sich so richtig lohnt, sollte man von Anfang an die Gewohnheit etablieren, dass man sich beim Schreiben des Einkaufszettels davon inspirieren lässt. Außerdem kann man vegane oder vegetarische Tage einführen oder einzelne, nicht nachhaltige Produkte bewusst durch eine nachhaltigere Alternative ersetzen. Konkret könnte das heißen, dass man statt Butter fortan Margarine verwendet. Wer sich mal einen ganzen Monat an veganer Ernährung versuchen möchte, kann die 31-Tage-Challenge auf veganuar.de ausprobieren.

Mehr über die Projekte der Autoren erfahrt ihr hier

Hier geht es zu unserem BARRIO Video mit Christoph Schulz

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