Hätten Sie 1989 als Sie das erste Olchi-Büchlein, damals, soweit ich informiert bin, noch in schwarz-weiß, geschrieben haben, gedacht, dass wir 30 Jahre später ihren Geburtstag feiern würden und es in Deutschland kaum ein Kind gibt, das die Olchis nicht kennt?

Natürlich nicht! Die Olchis haben großes Glück gehabt, dass sie den Kindern so gut gefallen haben. Über die Jahre sind immer neue Bücher dazugekommen und später dann Theaterstücke, CDs und die olchigen Produkte. Alles hat sich langsam entwickelt, ich konnte mit den Olchis die unterschiedlichsten Themen behandeln und es kommen auch jetzt noch neue Schauplätze und Figuren dazu. Und dass die Olchis im Frühjahr in die Kinos kommen, ist natürlich eine große Freude.

Erhard Dietl, ©Sonja Och

Wie sind Sie damals auf die Idee gekommen diese revolutionären Charaktere zu erfinden? Was war die Inspiration dazu?

Das war intuitiv, ich hatte eine schräge Monsterfamilie aufs Papier gekritzelt, mir den Namen „Olchis“ ausgedacht und eine Geschichte dazu erfunden. Diese Olchis sollten ganz anders sein, als wir Menschen. Sie sehen ungewöhnlich aus, die leben in der Geborgenheit einer Großfamilie, sind sehr entspannt, aber gleichzeitig auch neugierig und abenteuerlustig.
Und sie haben ihre olchigen Eigenschaften, sie sind stark, sie futtern vergammelte und verrostete Sachen, sie waschen sich nie. Vieles andere kam erst nach und nach dazu, bis heute entwickelt sich die olchige Welt ja weiter.

Die Olchis feiern Geburtstag©Oetinger, Erhard Dietl

Wie haben vor 30 Jahren die kleinen Leser und wie haben ihre Eltern auf die Geschichte um die Olchis reagiert?

Den Kindern gefielen die Olchi-Geschichten immer gut, und bei vielen haben die Olchi-Erstlesebücher die Lust am Lesen geweckt.
Am Anfang hatten manche Eltern und Lehrer noch ihre Bedenken, denn die Olchis müffeln und futtern Müll. Auch olchige Wortspiele, wie „Rattiger Läusefurz“, „Wanzige Rostbeule“ oder „Schleimige Schlammsocke“,
waren für manche Eltern eher gewöhnungsbedürftig, aber das war in den 90er Jahren und inzwischen hat sich das längst erledigt und viele Schulen arbeiten sehr gern mit den Figuren der Olchis.
Da wird geschrieben und gebastelt, es werden Bilder gemalt, Theaterstücke gespielt und neue Lieder erfunden.

Sie haben eine völlig neue Sprache entwickelt, wie sind sie darauf gekommen diese oberolchige Sprache zu erfinden?

Schleimeschlamm und Käsefuß! Es ist ja keine neue Sprache, es sind olchige Ausdrücke, die ich nach und nach immer weiterentwickelt habe.
Inzwischen hängt eine lange Liste mit diesen Ausdrücken neben meinem Schreibtisch. Beim Hühnerich, die kann ich dann in meine Dialoge einbauen.

Die Olchis auf der Müllkippe ©Oetinger, Erhard Dietl


Wie entsteht ein neues Olchi-Buch, machen Sie zuerst Illustrationen,  kreieren daraus die Geschichte und dann folgt der Text oder wie können wir uns das vorstellen?

Es gibt ja unterschiedliche Buchformen, Bilderbücher, Bücher für erstes Lesen, dicke Kinderbücher und noch einiges mehr.
Immer überlege ich mir erstmal  ein Thema und eine passende Geschichte dazu, und dann schreibe eine ausführliche Zusammenfassung.
Die Zusammenfassung ist mein Gerüst, danach schreibe ich das ganze Buch. Erst am Ende, wenn der Text fertig ist und mir der Verlag  ein Layout zusammengebaut hat, zeichne ich noch die Bilder dazu.

Die Olchis liefern jede Menge Diskussionsstoff, den man mit den Kindern nach dem Lesen bzw. Vorlesen besprechen kann, ist das ihre Intention bereits beim Schreiben?

Diskussionsstoff entsteht durch jede Geschichte. Die Olchis sind ja nicht nur in Schmuddelfing, sondern in der ganzen Welt unterwegs, sie reisen sogar auch mal zum Mond oder in die Vergangenheit.
Bei diesen unterschiedlichen Themen entstehen automatisch Anregungen, Konfliktpotential und Diskussionsstoff.
Am Ende jeder Geschichte  kehren die Olchis immer wieder in ihre Olchi-Höhle zurück, sie sind im Grunde Lebenskünstler und haben es gern krötig und gemütlich.

Die Olchis auf der Müllkippe ©Oetinger, Erhard Dietl

Warum glauben Sie, sind die Olchis bis heute so erfolgreich? Und warum kommen die Figuren so gut an die Kinder und ihre Empfinden heran?

Olchis bleiben gelassen, wenn es schwierig wird. Sie leben als Großfamilie unter einem Dach, auch das ist nicht immer einfach, aber sie lösen ihre kleinen Probleme fantasievoll und tolerant.
Und sie sind harmoniebedürftig und gleichzeitig neugierig auf Unbekanntes.
In den Olchi-Büchern ist nichts Belehrendes, oder vordergründig Didaktisches, das findet sich zwischen den Zeilen.
Ich möchte spannend, witzig und hoffentlich niveauvoll unterhalten, und denke, das alles spüren die kleinen Leserinnen und Leser.

Wie empfinden Sie die heutige Gesellschaft für Kinder und wo sehen Sie die Probleme und Herausforderungen, denen sich die Kinder von heute beim Heranwachsen stellen müssen?

Ich bin in der 50er Jahren aufgewachsen, wir waren den ganzen Tag draußen, haben Flöße in großen Pfütze gebaut und uns an den Hügeln der Baustellen leidenschaftlich mit Erdklumpen beworfen.
Wir durften uns schmutzig machen und fühlten uns frei. Sicher waren unsere Eltern sehr vertrauensvoll und eher angstfrei, und so konnten wir uns lockerer entfalten, als das für viele Kinder heute möglich ist.
Viele Kinder in der heutigen Zeit werden mehr betreut, sie werden gezielt beschäftigt und beaufsichtigt, sie unterliegen einer ständigen Kontrolle und müssen mehr Leistung erbringen.
Dazu kommen die Verlockungen der neuen Medien, der IPads, Handys usw., und ich kenne viele Eltern, die dagegen ankämpfen, damit ihre Kinder nicht zu Stubenhockern werden.
Die ganz andere Leben der Olchi-Familie gefällt den Kindern. Technische Geräte essen die Olchis auf, sie düsen mit ihrem Drachen durch die Gegend,
legen sich entspannt in eine Schlammpfütze und freuen sich, wenn es regnet. Muffelwind und Hühnerbein, kann das Leben schöner sein?

Die Olchis fliegen auf Feuerstuhl©Oetinger, Erhard Dietl

Besten Dank an die Oetinger Verlagsgruppe für die Fotos.

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