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Juli 25, 2020 9:00 am

Deutschland ist bunt

Wie sprechen wir mit unseren Kindern über körperliche Selbstbestimmung?

Wir Eltern sind dafür da, um unseren Kindern dabei zu helfen, die Welt zu verstehen. Manchmal fehlen uns aber selbst die Worte oder die Erfahrungen, um Dinge richtig einzuordnen. Diese Reihe im BARRIO-Magazin soll dabei helfen. Heute geht es um körperliche Selbstbestimmung.

Warum ist eine Einordnung wichtig?

Ein Verständnis für den eigenen Körper zu haben, ist eine grundlegende Voraussetzung, um unsere eigene Integrität als Person zu wahren. Das gilt für Erwachsene, umso mehr aber für Kinder, die bei der Einordnung von sozialen Situationen unsere Hilfe als Eltern brauchen. Wenn uns als wichtigste Bezugsperson unseres Kindes seine körperliche Selbstbestimmung nicht wichtig ist, haben unsere Kinder keine Möglichkeit, ein gesundes Verhältnis zu ihren Körpern und ihren persönlichen Grenzen zu entwickeln.

Was können wir als Eltern tun?

Als Eltern können wir den Raum wahren, den unsere Kinder bewusst abstecken. Dahinter verbergen sich einfache Schritte; wie um Erlaubnis zu fragen, bevor man beispielsweise das Kind anzieht oder ihm seine Zähne putzt, oder bei älteren Kindern an der Zimmertür anklopft und auch ein patziges „Nein!“ akzeptiert. Uns Erwachsenen fällt dies aus zwei Gründen schwer: Zum einen sind wir mit einem kleinen Wesen aufgewachsen, dass von Beginn an komplett von uns abhängig war. Wir mussten extrem körperlich sein, damit unser Kind überlebt. Zum anderen verfolgen uns die Glaubenssätze im Kopf, die wir unbewusst von unseren Eltern übernommen haben. Wem als Kind vermittelt wurde: „Dein persönlicher Raum ist nichts wert und wird von mir permanent missachtet“, der wird sich auch als Erwachsener schwer tun, Grenzen zu setzen und dieses Gefühl vielleicht an sein Kind weitergeben. Aus dieser Haltung resultiert auch das Vorurteil, wer die körperlichen Grenzen seines Kindes achte, verziehe seinen Nachwuchs. Sätze wie: „Der wird es später mal schwer haben, so wie der verwöhnt wird“ sind da noch leichte Kost. 

Warum sind persönliche Grenzen wichtig?

Dabei ist genau das Gegenteil wahr. Körperliche Grenzen sind die intimsten Grenzen, die wir wahren können. Bei ihnen beginnt das Verständnis, was Selbstbestimmung bedeutet. Wenn Kinder von klein auf an lernen, dass ihre persönlichen Grenzen wichtig sind, können sie auch die Grenzen anderer wahren. Kinder sind in der Lage, von sich selbst zu abstrahieren, wenn sie eine bestimmte Erfahrung gemacht haben, und diese Erfahrung auf andere Kinder übertragen. Haben sie negative Situationen erlebt und wurden ihre Grenzen missachtet – etwa durch körperlichen Missbrauch – werden sie dieses beschädigte Selbstverständnis auch auf andere übertragen und sich weit eher übergriffig verhalten. Kinder imitieren unser Verhalten als Erwachsene. Deshalb ist es für Kinder beiderlei Geschlechts gleichermaßen wichtig, früh zu verstehen, was körperliche Selbstbestimmung bedeutet.

Kinder stark machen

Wie können wir unseren Kindern also helfen, ein gutes Gefühl für ihre persönlichen Grenzen zu entwickeln? Indem wir unsere Kinder stark machen und ihnen einen selbstbestimmten Umgang vorleben, unsere körperlichen Grenzen verteidigen und ihnen das richtige Vokabular an die Hand geben, um ihre Körperteile zu beschreiben. Wenn ihnen hier die Worte fehlen, sind sie gar nicht erst in der Lage, über Übergriffe zu sprechen. Als Eltern können wir unseren Kindern bewusst Gesprächsräume öffnen und ihnen die Zeit geben, über Dinge zu sprechen, die für sie beunruhigend oder schambehaftet sind. Wir dürfen unseren Kindern beibringen, auf ihre Intuition zu hören, damit sie ihr Bauchgefühl in kritischen Momenten nicht übergehen.  Sobald unsere Kinder sehen, dass sie respektvoll behandelt werden, dann werden sie diesen Respekt für sich selbst einfordern und auch andere Menschen respektvoll behandeln. Wenn wir unseren Kindern das beibringen, wird sie diese Haltung durch ihr Leben tragen.

Olaf Bernstein

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Beitragsfoto: Olaf Bernstein

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