Anne vom Mamimiblog erzählt uns heute wie die Doppelbelastung vom Mamasein plus Karriere bei ihr aussieht.

3:12 Uhr. Ich schrecke hoch. Habe ich die Fenster in meinem Klassenraum geschlossen? Kennt ihr das Gefühl, wenn Adrenalin durch euren ganzen Körper schießt? Natürlich habe ich es geschlossen, ich weiß es. Meine Hand fühlt neben mich. Ich lege sie auf die Brust meines Kindes. Sie atmet, ganz ruhig. Alles ist gut. Ich lege mich zurück und schlafe weiter.


Es ist 5:10 Uhr. In meinem Kopf schwirrt es schon. Ich höre den Wind draußen. Outfits für heute gleich sofort ändern, Strumpfhose statt Socken rauslegen und die dicken Sweatshirts (Bitte keine Erkältungen, ich kann nicht wieder einen Kinderkrankenschein einreichen!). Was habe ich letzte Stunde nochmal in der 7c aufgegeben? Ich habe mir das aufgeschrieben, gleich muss ich nachgucken. Außerdem muss ich an die Acrylstifte für die 10a denken. Gleich sollte ich unbedingt nochmal nachhören, ob die Abholung vom Kindergarten durch die Mama von Lillys Freundin 100% sicher ist, denn dort endet der Kindergartentag aufgrund einer Erzieherfortbildung früher.


5:35 Uhr. Aaaahhh… Kein normaler Pulli, Bluse und Blazer. Ich wollte einen Blazer anziehen, Elterngespräch um 14 Uhr und die Eltern sind älter als ich, da muss ich seriös aussehen. Das Gespräch darf nicht zu lange dauern, hoffentlich kommen sie ein paar Minuten früher. Butterbrotdosencheeeck… Mittendrin höre ich schon ein „Mmmmmmmaaaaammmmaaaa“ aus dem Babyphone. Es ist zu früh, viel zu früh. Schnell, Blazer aus und vorsichtig ankuscheln. Puh, Kind schläft weiter. Blazer wieder an.


6:15 Uhr. Schnell einen Kaffee trinken, hat Noah sein Büchereibuch eingepackt? Apropos Buch, mein Buch für die 6. Klasse liegt noch oben. Einpacken und dann los.
Während ich mich katzenartig leise durchs Haus schleiche und gerade meinen Mantel anziehe, höre ich zwei Füße auf der Treppe tapsen. Verschlafen und verstrubbelt werde ich noch schnell verabschiedet.
Gerade auf dem Parkplatz angekommen klingelt mein Handy, FaceTime! Während ich meinen Mundschutz anziehe und die leeren Gänge des Schulflurs entlang laufe, rede ich über die Träume von der aufgewachten Nummer 2 und erkläre ihr, dass sie bitte unbedingt den Papa die Haare kämmen lassen soll und wo ihr Entwirrspray steht.


Pünktlich um 7:00 Uhr startet mein Arbeitsalltag in der Schule. Mal sind die Tage überschaubar, oft aber ein Abenteuer. Kleinere und auch größere Probleme gilt es zu beseitigen oder zumindest Hilfestellung bei der Lösung dieser zu geben. An manchen Tagen ist die Pubertät einiger Schüler mein persönlicher Endgegner und an anderen Tagen ist es das gesamte System. Das klingt so negativ, ist es nicht. Ich bin ein kleiner Teil im Erwachsenwerden meiner Schüler und das ist verdammt schön.


14:35 Uhr. Ich renne zum Auto. Ich renne wirklich, denn mein Zeitfenster ist eng. Verdammt eng. Um 15 Uhr muss ich an der Schule meines Sohnes sein. Auf dem kurzen Rückweg rufe ich meist meine eigene Mama an, frage wie es ihr geht, berichte wie mein Schultag war.
Abholung Schule, Abholung Freundin. Hunger, immer sofort Hunger. Manchmal bin ich da nicht vorbildlich, schmiere nur schnell Brote oder schnibbel etwas Obst, denn der Nachmittag geht weiter. Sport, Verabredungen, Elterngespräche, Hausaufgaben, Beantwortung von schulischen Emails, Termine… Manchmal aber auch einfach nur Spaziergänge, Kuscheleinheiten oder Spiele, denn an manchen Tagen sind unsere Akkus bereits am Vormittag ordentlich ausgeschöpft worden. Leider ist die Abnutzung an vielen Tagen allerdings recht unterschiedlich.


Gegen 20 Uhr kehrt bei uns eigentlich Ruhe ein. Die Kinder schlafen und ich beginne den nächsten Tag zu planen, korrigiere Arbeiten, schaue mir eingesammelte Aufgaben an. Wenn ich dann daran denke, dass mir so oft nahegelegt wird „mal etwas für mich zu tun, vielleicht Sport“, dann lächle ich nur müde, dazu habe ich ehrlich gesagt dann wirklich keine Lust und Motivation mehr.
Habe ich meine Pflichten erfüllt, so beantworte ich Anfragen von Firmen, klicke mich durch Instagram, fotografiere oder überlege mir DIYs. Das Bloggen ist mein Ausgleich, mein Hobby geworden.


Gegen 22:30 Uhr falle ich in der Woche oft einfach ins Bett. Eine Bekannte sprach vor einiger Zeit von Langeweile… Langeweile kenne ich nicht mehr. Seit ich Mama bin und dazu auch noch Vollzeit arbeite, würde ich mir manchmal ein wenig Langeweile wünschen. Aber auch wenn ich diese nicht habe, ich genieße das Leben wie wir es gerade führen. Es ist nicht immer einfach, an manchen Tagen stoße ich gewaltig an meine Grenzen und stelle mich selbst ordentlich in Frage. Ich vergesse Dinge, bin chaotisch und wirke unorganisiert, wenn man aber den Berg an erfolgreich angeschlossenen Dingen an einem Tag betrachtet, so sind die Misserfolge tatsächlich (zumindest hinterher) gut hinzunehmen. In meinen Anfangszeiten als Mama habe ich keine Hilfe annehmen können, war immer darauf bedacht Supermom zu sein, die alles alleine rockt. Das geht seitdem ich Vollzeit tätig bin einfach nicht mehr. Mein Mann hat mehr Aufgaben in Bezug auf die Kinder übernommen und ich gestehe mir ein, dass wir manchmal auch Hilfe von Freunden brauchen. Aber die bekommt man, wenn man denn dann fragt.


An manchen Tagen ist die Doppelbelastung des Mamaseins plus dem Beruf eine Katastrophe, da bin ich ehrlich. Sie kostet Nerven und Tränen, man weiß nicht mehr wo einem der Kopf steht. Allerdings sind das einzelne Tage, Momentaufnahmen und ich möchte generell weder das eine, noch das andere jemals missen müssen!

Anne ist zweifache Mama, tatsächlich schon 39 Jahre alt und Lehrerin für Deutsch, Sozialwissenschaften und Kunst an einer Realschule mitten im Ruhrgebiet.

Auf ihrem Blog findet ihr bunte Beschäftigungsideen, Gedanken zur Schule, Kindererziehung, Bindungsorientierung oder aber auch Inspirationen zu Ausflügen und Reisen, denn das lieben sie und ihre Familie.
Es ist Anne wichtig echt zu sein. Dazu gehört auch ein Strubbelkopf an manchen Tagen oder das Chaos im ganzen Haus.

Schaut mal auf ihrem Blog vorbei.

Im Magazin lest ihr mehr zu Anne.

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