Resilienz und die Rolle von elterlichem Wohlbefinden in Krisen

Wochenlang im engsten Kreis der Familie, ohne Urlaubsgefühl: das kann zu einer neuen Wertschätzung fürs Familiensein führen und gleichzeitig eine außergewöhnliche Belastungsprobe sein. Jede Familie entwickelt ganz eigene Strategien, um mit den Ängsten und Unsicherheiten umzugehen, die die Covid-Krise uns bietet. Das kostet jedem von uns viel Kraft, ob wir es bewusst wahrnehmen oder nicht. Unter der aktuellen Belastung hat Resilienz – unser „seelisches Immunsystem“ – eine Schlüsselrolle. Resilienz wird oft als individuelle Widerstandsfähigkeit einer starken Persönlichkeit verstanden, die aus herausfordernden Situationen gestärkt hervorgeht. Etwas, das man aus eigener Kraft erlangen kann, oder eine Frage der persönlichen Einstellung. Was dabei häufig aus dem Blick gerät, ist wie Resilienz eigentlich entsteht, nämlich in Beziehungen. Das gilt im besonderen Maße für unsere ersten zehn Lebensjahre, ist aber auch im Erwachsenenalter immer noch von großer Bedeutung.

Resilienz – wie funktioniert das?

Man kann sich Resilienz wie eine Wippe vorstellen; sie ist keine starre Eigenschaft, sondern ein dynamischer Prozess, der sich im Verlauf des Lebens entwickeln kann. Auf der einen Seite wiegen die Herausforderungen des Lebens, die bei jedem (großen und kleinen) Menschen unterschiedlich ausfallen. Auf der anderen Seite wiegen die Schutzfaktoren, beispielsweise stärkende Beziehungen und andere positive Erfahrungen, die sich ebenfalls ändern können. Resilienz zeigt sich dann, wenn die Wippe auch unter einer hohen Belastung auf der „Herausforderungsseite“ trotzdem die Balance hält. Oder sogar immer noch in Richtung „Schutz“ neigt.

In Krisenzeiten ist es für uns Eltern eine natürliche Reaktion, uns intensive Sorgen um das Wohlergehen unserer Kinder zu machen und zu versuchen, sie vor allen möglichen Bedrohungen zu schützen. Bei dieser instinktiven Reaktion können wir aber eines der wichtigsten Schutzfaktoren für Kinder versehentlich außer Acht lassen: Unser eigenes Wohlbefinden. In Untersuchungen zur seelischen Gesundheit von Kindern, die Naturkatastrophen oder andere schwerwiegende Massen-Ereignisse durchgestanden haben, konnte festgestellt werden, dass elterliches Wohlbefinden und Bewältigungsstrategien einen signifikanten Einfluss darauf haben, zu welcher Seite die Wippe neigt. Das liegt vielleicht bereits auf der Hand, denn jeder von uns hat schon einmal die Erfahrung gemacht, wie Kinder sich an unsere Reaktionen orientieren, wenn sie verängstigt sind – beispielsweise der Moment, nachdem ein Kleinkind hinfällt und sich zuerst blitzschnell nach der Reaktion eines ihm vertrauten Gesichts umschaut. Je ruhiger Trost angeboten wird, desto leichter fällt der Umgang mit dem Stress, der durch Schreck und Schmerz ausgelöst wurde. Unsere Reaktionen helfen Kinder, dabei, aus einer außergewöhnlichen, potenziell bedrohlichen Situation Sinn zu machen. Oft sind es hierbei eher die nonverbalen Signale (Muskelspannung, Gesichtsausdruck, Stimmlage) als wortreiche Erklärungen, die wirklich hilfreich sind. Deshalb kann es hilfreich sein, zurzeit besonders darauf zu achten, wie es euch selbst geht und wie ihr – ob als Paar oder Einzel-Eltern – eure eigene Resilienz stärken können.

Stressbewältigung in Zeiten von Corona

Sicherlich habt ihr bereits eigenen Strategien, gut für euch und für einander zu sorgen. Unter den aktuellen Bedingungen kann es nicht schaden, die vorhandene „Krisenausrüstung“ besonders aufmerksam zu pflegen. Gerade, weil die Bewältigung des Alltags mit Mehrfachbelastung durch Home Schooling, Home-Office und rund-um-die-Uhr Kinderbetreuung und Konflikten, die unter diesen Bedingungen sehr wahrscheinlich sind, auf Kosten der eigenen Belastbarkeit geht. Wenn ihr keine Zeit habt, euch zurückzuziehen und kurz zu erholen, können kurze Stressbewältigungsübungen dabei helfen, die Kräfte beisammen zu halten.

Weiterhin Kontakt halten

Auch bei uns Erwachsenen spielt die Orientierung an andere, vertraute Menschen eine wichtige Rolle für Stressbewältigung. Die räumliche Trennung von unseren Lieben außerhalb der Familie stellt uns diesbezüglich vor besonderen Herausforderungen. Zum Glück gibt es aber viele Ersatzlösungen dafür, auch wenn zoomen, skypen, etc. anstrengender sind, als ein Treffen auf dem Spielplatz. Dennoch lohnt sich die Extra-Mühe: Mit anderen darüber reden, wie man mit der Situation zurechtkommt, kann helfen, daraus Sinn zu machen. Und wenn man sich auch noch gegenseitig daran erinnert, welche Stärken einem dabei helfen, wird man sich auch über die eigene Resilienz bewusster! Natürlich wird die Herausforderung, die wir momentan durchstehen müssen, ein besonderes Kapitel in jeder Familiengeschichte sein. Wir alle, auch unsere Kinder, werden sie nicht spurlos überstehen. Aber vielleicht kann eine erneute Wertschätzung für die Unterstützung, die wir in unserem sozialen Umfeld geben und nehmen daraus wachsen. Bei der Resilienz ist es nämlich so, dass es nicht immer um den „Widerstand“ geht, sondern häufig um den „Ausgleich“. Deshalb ist in dieser Zeit der „räumlichen Distanz“ für uns alle eine wichtige Frage: Was ist unter den aktuellen Bedingungen auch möglich?

Hier findet ihr weitere Fragen um eure Stärken zu stärken. #WIRSINDZUSAMMENALLEIN 

Danke an Monica von Coreszon für diesen Beitrag!

Den Videocast mit ihr und weiteren hilfreichen Tipps findet ihr auf unserem YouTube Channel: 

 

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