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Juni 23, 2020 9:00 am

Eine Checkliste mit Tipps zum Umgang mit hochsensiblen Kindern

Hochsensible Kinder nehmen nicht nur ihre Umwelt extrem ausgeprägt wahr, es fällt ihnen auch besonders schwer, die einströmenden Sinnesreize zu verarbeiten. Wir haben dir deshalb eine Checkliste erstellt, die dir und deinem Kind in schwierigen Momenten helfen soll. Den ersten Teil findest du hier.

Mein Kind hat einen extrem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn

Wenn ständig Gefühle und Sinneswahrnehmungen auf einen kleinen Menschen einströmen, sorgt das mitunter auch dafür, dass ein Kind viel grübelt. Hochsensible Kinder haben oft ein tiefes Verständnis für die Gefühlslagen anderer – meist bevor sie selbst die emotionale Reife haben, diese voll und ganz zu verstehen. Trotzdem haben sie früh einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.

Was hilft?

Prinzipiell ist gegen einen Gerechtigkeitssinn nicht viel zu sagen. Nur soviel: Es macht Sinn, das eigene Kind darauf vorzubereiten, dass es Ungerechtigkeiten in der Welt gibt. Vor allem jüngere Kinder sind ganz erstaunt, wenn sie lernen, dass andere Menschen nicht genau so denken wie sie selbst. Ein kleines hochsensibles Kind kann diese Erkenntnis völlig aus der Bahn werfen. Wieso um Himmels willen sollten Menschen sich gegenseitig Böses tun?

Hier hilft es, als Elternteil vorbereitet zu sein. Wir können unseren Kindern Strategien an die Hand geben, wie sie mit menschlicher Enttäuschung umgehen können und dabei trotzdem nicht ihr positives Menschenbild verlieren. Vielen Kindern hilft es, wenn sie etwas über berühmte Menschen erfahren die sich zum Teil mit großem Erfolg für andere eingesetzt haben. So lernen sie: sie sind nicht allein.

Meinem Kind ist schnell zu heiß/zu kalt

Temperaturempfindlichkeit ist ein weiterer Marker für Hochsensibilität.

Was hilft?

Das Zaubermittel, das temperaturempfindlichen Menschen hilft, ist der Zwiebellook. So können fix einzelne Lagen an- oder wieder ausgezogen werden, ganz so, wie es sich gerade gut anfühlt. Außerdem sollten zu Hause immer eine Wärmflasche und ein paar Eiswürfel parat liegen.

Mein Kind beschwert sich oft über kratzende oder zu enge Kleidung

Nicht nur die Empfindlichkeit gegen Temperaturen haben viele hochsensible Menschen gemeinsam – oft sind sie insgesamt empfindsam für enge oder kratzende Kleidung.

Was hilft?

Ganz simpel: weiche Kleidung kaufen. Jeans für Kleinkinder sind genauso zum Scheitern verurteilt wie kratzige Wollsocken oder ein Hemd mit vielen Knöpfen. Insgesamt ist es hilfreich, das Kind die eigene Kleidung wirklich anprobieren zu lassen, bevor sie gekauft wird. Wenn ein Lieblingsteil gefunden ist, hilft es dem Haussegen sehr, einfach das gleiche Teil mehrfach zu kaufen. Hauptsache, es sitzt und ist bequem.

Mein Kind ist ein sehr wählerischer Esser

Viele hochsensible Kids sind picky eater. Das sind sie nicht etwa, weil sie uns Eltern um den Verstand bringen wollen, wie man manchmal meinen würde, sondern weil jede noch so feine Nuance von den Geschmacksknospen unseres Kindes sehr deutlich geschmeckt wird. Außerdem sind auch unterschiedliche Konsistenzen im Essen für Hochsensible eine größere Herausforderung als für andere, weil sie diese schlichtweg deutlicher im Mund spüren.

Was hilft?

Wer jetzt nicht verzweifeln und die nächsten zehn Jahre ausschließlich Nudeln mit Butter und Salz servieren will, muss ein wenig kreativ werden. Die verschiedenen Bestandteile des Essens einzeln zu servieren, wird von vielen Kindern gut angenommen. Außerdem sollten wir Eltern uns nicht entmutigen lassen – alle Kinder haben eine natürliche Abneigung gegen ungewohntes Essen. Der Trick ist, beharrlich immer wieder ungeliebte Speisen neben den Dauerbrennern zu platzieren – irgendwann werden sie zumindest einmal vorsichtig probiert. Außerdem kann es helfen, verschiedene Dinge in unterschiedlichen Konsistenzen anzubieten. Vielleicht mag euer Kind Kartoffelspalten, aber verabscheut Kartoffelbrei?

Mein Kind ist berührungsempfindlich oder besonders verschmust

Wie alle Kinder brauchen hochsensible Kinder viel Liebe und Nähe – aber gerade wenn die Welt oft unverständlich, überfordernd, zu schrill, zu bunt, zu viel ist, sind die vertrauten Arme von uns Mamas und Papas ein besonders sicherer Hafen. Trotzdem sind hochsensible Kinder oft sehr berührungsempfindlich. Eine lieb gemeinte sanfte Berührung an der Wange kann sich regelrecht anfühlen wie ein kleiner Stromschlag und ein ganzes Feuerwerk an Emotionen auslösen.

Was hilft?

Hier hilft es, sich auf die Signale des Kindes einzulassen. Es ist wichtig, dass unsere Kinder lernen, dass ihnen ihr Körper selbst gehört – auch und besonders, wenn sie sehr empfindlich sind. Wir müssen also unseren Kindern beibringen, dass es in Ordnung ist, „stopp“ zu sagen – selbst, wenn sie sehen, dass andere Menschen Grenzen haben, die sich von ihren unterscheiden. Hier ist es besonders wichtig, dass wir unsere Kinder in ihren Wahrnehmungen bestärken. Nur sie selbst können wissen, was wann für sie zu viel wird. Diese Grenzen anzunehmen und zu wahren, ist unser Job als Eltern. So lernen unsere Kinder früh, für sich und ihre körperliche Unversehrtheit einzustehen. 

Auf der anderen Seite können wir signalisieren, dass wir Eltern als sichere Basis immer da sind. Wir können unsere Kinder präsent begleiten und ihnen Schutz geben, wenn sie ihn brauchen.

Josephine und Olaf Bernstein

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Beitragsfoto: von Olaf Bernstein

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