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November 5, 2019 9:00 am

Eine Mama mit Depressionen erzählt

Wie es ist, wenn man als Mutter eines kleinen Sohnes von Depressionen betroffen ist und mit welchen zusätzlichen Herausforderungen man zu kämpfen hat, erzählt uns Tasja.

Tasja lebt mit ihrem 6-jährigen Sohn und ihrem Lebensgefährten zusammen und macht derzeit trotz den Depressionen eine Ausbildung.

Wie hast Du festgestellt, dass Du unter Depressionen leidest?

Das war ungefähr 2008, ich hatte immer wieder Magenschmerzen und Magenprobleme. Bin dann mit Verdacht auf Blinddarm ins Krankenhaus gekommen, dort haben die Ärzte mich einmal komplett auf den Kopf gestellt und durchgecheckt. Sie haben allerdings nichts gefunden und es trat auch keine Besserung ein. Irgendwann haben sie dann eine Psychologin zu mir geschickt, die meinte dann sofort, dass es ja nicht besser werden könne, da meine Beschwerden von der Psyche kämen und ich Depressionen habe, die schubweise kommen würden. Als zugrunde liegende Krankheit wurde Borderline diagnostiziert.

Wie stellen sich bei Dir die Depressionen dar?

Es gibt immer wieder Tage oder auch Wochen, wo ich merke, dass mir alles zu viel ist und nichts wirklich vorwärts geht. Ich kapsle mich dann von allem ab und möchte mich am liebsten vergraben. Ich bin dann oft schlecht gelaunt und könnte bei jedem Windhauch, der um die Ecke kommt, sofort anfangen zu heulen.

Wie geht Deine Familie damit um?

 Am Anfang hatten wir alle Schwierigkeiten damit umzugehen. Mein damaliger Partner ist gar nicht damit klar gekommen und wir haben uns getrennt. Mein jetziger Partner ist eine große Unterstützung für mich. Ich habe von Anfang an mit offenen Karten gespielt und meine Krankheit vor ihm thematisiert. Er hat sich umfassen informiert und so ziemlich alles gelesen, was es zum Thema Depressionen oder Borderline gibt, und das ist wirklich nicht gerade wenig. Es ist trotzdem schwierig, weil er die Person ist, die immer alles als erstes abbekommt. Unser Sohn versteht es noch nicht ganz so, da versuche ich auch alles, dass er es nicht so mitbekommt. Er merkt zwar Mama ist traurig, oder Mama geht es nicht gut, aber er weiß nicht genau wieso, weshalb, warum.

Es stellt sich immer wieder als schwierig heraus, während der Depressionsphasen einen normalen Alltag aufrecht zu erhalten.

Was bedeutet Deine Krankheit für Deine Kinder?

Unser Sohn merkt, Mama kann nicht so viel wie andere Mütter und ist sehr schnell am Ende ihrer Kräfte und ich versuche ihm das auch zu erklären, soweit ein 6- jähriger das verstehen kann. Wenn er fragt, erkläre ich ihm alles offen und ehrlich, es ist ja keine ansteckende Krankheit oder hochgefährlich, für die man sich schämen muss, sondern mein Leben und ich muß damit zurecht kommen.

Wie geht die Gesellschaft Deiner Meinung nach mit der Erkrankung um?

In der Gesellschaft ist es nicht leicht ein normales Leben mit Depressionen zu führen, das erwartet wird, dass man nicht darüber spricht und alles mit sich selbst ausmacht. Das habe ich jahrelang auch gemacht, bis ich festgestellt habe, dass es nicht gut ist und mir nicht gut tut. Es gibt so viele, die die selbe Krankheit haben, oder eine andere psychische Krankheit haben, keiner sagt es aber. Deshalb habe ich dieses Jahr damit angefangen meinen Instagram Account einzurichten und Publik zu machen, weil ich dachte, es muß doch einen Weg geben, wie ich anderen Menschen helfen kann. Und wenn es nur damit ist, dass ich sage „Hallo, ich bin Mama und habe es.“ Viele sind erfreut, und sagen mir es ist toll, dass es da noch jemanden gibt, der die Krankheit hat und offen dazu steht.

Morgen geht es für Euch weiter mit dem 2. Teil des offenen und ehrlichen Interviews von Tasja.

Zu Tasja’s Account geht es hier

Beitragsfoto: by Vladimir Sazonov shutterstock.com

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