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August 8, 2019 9:00 am

Eltern auf Reisen: Wo bleibt Zeit für die Beziehung?

Die sieben größten Fallen

Bill Murray hat einmal sinngemäß gesagt, seinen Partner solle man erst heiraten, wenn man zusammen eine große Reise überstanden habe. Da grundsätzlich alles, was Bill Murray sagt, Hand und Fuß hat, bräuchte es diesen Artikel hier vielleicht gar nicht. Aber da eine Open-End-Weltreise mit Kind auch für erfahrene Eltern eine Herausforderung darstellt, ist es an der Zeit, hier einmal die sieben größten Fallen für eine Beziehung unterwegs aufzuzählen – und die passenden Lösungen dazu.

1. Keine Zeit zu zweit

Unbestritten der Liebes-Killer Nr. 1. Das Hotelzimmer ist zu klein, das Kind schläft auch noch im Familienbett und im Souk von Marrakesch kann niemand den Kleinen einfach abnehmen, damit sich die Erwachsenen einmal kurz ins Teehaus setzen und ausruhen können. Romantische Dates oder auch nur der einfache Kinobesuch werden auf einmal so unerreichbar wie der Mars. Die Lösung: Babysitter finden oder bei älteren Sprösslingen schon während der Reiseplanung Ausschau nach Kindertagesstätten halten, die auch flexible Betreuung anbieten. Zeit zum Arbeiten ist wichtig; Zeit, um an der Beziehung zu arbeiten, ist wichtiger.

2. Zu viel Zeit zu zweit

Es mag absurd klingen, aber der Verlust von Alltagsstrukturen unterwegs bedeutet auch den Verlust von Sicherheit und Kompetenzen. Auf einer Weltreise verbringt man als Eltern viel mehr Zeit miteinander als im Alltag zu Hause. Plötzlich werden aus charmanten Marotten erst Ticks und dann nervenzerfetzende Messer, die den Wandteppich der gemeinsamen Zukunftspläne zerschneiden. Die Lösung: Auszeiten und Abstand. Was wollte mein Partner immer schon einmal machen? Ein Yoga-Retreat? Bitte sehr! Schweigemeditation in einer einsamen Hütte am Strand? Kein Problem! Hauptsache, am Ende steht neue Wertschätzung und ein erholter Gefährte.

3. Warum sagst Du denn nichts?

Nicht über die Dinge zu sprechen, die einen während einer Reise stören, belasten über kurz oder lang die gesamte Beziehung. Um achtsam miteinander umzugehen, bedarf es zuerst der Achtsamkeit sich selbst gegenüber. Die Lösung: Gemeinsam über die Dinge reden, die einen beschäftigen, und durch Meditation oder Sport die dafür nötige Gelassenheit suchen. Ein Kind auf einer Weltreise hat unendlich viel mehr Zeit, von seinen Eltern Dinge zu lernen. Eine bessere Gelegenheit, um offene und wertschätzende Kommunikation miteinander zu üben, gibt es wahrscheinlich nicht.

4. Die Krux mit der Mental Load

Die oben genannten Marotten, die plötzlich ans Tageslicht kommen, sind nicht nur mit zu viel Nähe anstrengend. Sie weisen auch darauf hin, dass innerhalb der Beziehung nicht alles gleichberechtigt sortiert ist. Wer damit glücklich ist, dass der eine immer die Bestellungen im Restaurant macht und der andere dafür die Preise mit den Taxifahren aushandelt, nutzt die jeweiligen Stärken des anderen und kann damit auch glücklich werden. Wer insgesamt aber unzufrieden ist mit der Verteilung der Mental Load, braucht mehr. Die Lösung: Visionsarbeit und offene Kommunikation. Sich schon darüber im Klaren zu sein, dass der Partner einen großen Teil der Kinderbetreuung übernimmt oder die Finanzen im Blick hat, hilft, dass die Mental Load nicht nur gesehen, sondern auch gemeinsam besser geschultert wird. Eine solide Planung sorgt zusätzlich dafür, dass das Familienleben nicht zu sehr in Schieflage gerät.

5. Ihm gefällt’s nicht

Uns ist das zum Glück erspart geblieben, aber immer wieder hören wir von Familien, bei denen der Partner oder das Kind ausgesprochen allergisch auf das Abenteuer Reisen reagiert. Anstelle von neuer Energie schluckt so eine Konstellation alles Aufregende und Neue und macht das Reisen zur Qual. Die Lösung: Vorher klar besprechen, was ihr euch von der Reise erwartet und einen Exit-Plan parat haben. Das kann ein anderes Land sein oder ein Neuanfang zuhause. Hauptsache, die emotionale Balance kehrt zurück.

6. Freunde zu Besuch – Toxische Beziehungen

Wer lange unterwegs ist, kommt hin und wieder in den Genuss von Gästen, die sich für einen Zeitraum auf der Reise anschließen. Während die meisten Freunde und Familienmitglieder eine fröhliche Bereicherung darstellen und liebevolle Babysitter sind, kann es mit manchen von ihnen auch zu einer abstrusen Mehrbelastung kommen. Das passiert meist dann, wenn das Helfersyndrom von uns Eltern getriggert wird und wir uns in die persönlichen Belange von Erwachsenen einmischen, die ansonsten auch sehr gut alleine zurechtkommen – wenn wir sie denn lassen. Ansonsten fühlt es sich plötzlich nach einem Extra-Kind an, das mitreist. Die Lösung: Abstand schaffen – und die eigenen Reisepläne nicht aus Gefälligkeit dem Besuch gegenüber anpassen. Die eigene Gesundheit und das Glück als Paar und Familie sollte auch auf Reisen immer im Vordergrund stehen. Das ständige Beeltern tut auch dem unselbstständigen Freund nicht gut. Klären wir diese Situation für uns selbst, fühlen sich alle Seiten besser.

7. Ich bin jemand anderes geworden

Um wieder zu Bill Murray zurückzukehren: Uns ist es oft genug passiert, dass sich Paare mit und ohne Kinder kurz nach dem Ende ihrer Reise getrennt haben. Die Gründe sind häufig ähnlich: Meist hat der eine Partner sich unterwegs neu gefunden und möchte nun eine andere Richtung im Leben einschlagen, die sich nicht mit der des Gegenübers verträgt. Oder aber: die Frau will sofort wieder aufbrechen, der Mann eher ein festes Zuhause suchen. Die Lösung: Nach einem gemeinsamen Weg suchen, der alle glücklich macht, und sich ansonsten eingestehen, dass es allen mit einem Neuanfang besser geht. Reisen ist Verwandlung, und das Ergebnis können wir meist nicht beeinflussen.

Olaf Bernstein

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