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Juni 10, 2019 9:00 am

Familien unterm Regenbogen

Eine Familie, ist eine Familie, ist eine Familie. Ja, ist das so? Ist eine Familie, wer sich als solche fühlt und definiert? Gehören etwa nicht ein Vater, eine Mutter und ein bis drei Kinder notwendigerweise dazu um als solche zu gelten? Wohl nicht.
Dieses traditionelle Rollenklischee scheint heute weit hinter uns zu liegen und die Vielfalt von Menschen, die als Familie gemeinsam leben ist riesig geworden.

Ich bin Miriam und auch meine Familie entspricht nicht dem konservativ-traditionellen Bild. Ich lebe mit meinem Sohn und meiner Frau seit kurzem auf dem Land. Vom buntgemischten, großstadtgeprägten Köln sind wir nach Niedersachsen gezogen, aufs ziemlich platte Land. Und siehe da, auch hier sind wir ganz einfach Familie. Mit einem Selbstverständnis, dass irgendwie auf unsere Umwelt abzufärben scheint. Es läuft, könnte man sagen.

Vor einiger Zeit setzte sich ein Kind morgens, als mein Sohn gerade seine Hauspuschen in der Kita anzog, neben mich und fragte, ob ich mir mit dieser Sache mit den zwei Mamas wirklich ganz sicher sei. Sind es wirklich zwei? Eigentlich geht das so ja nicht. Und wenn, dann könnten zwei Mütter doch eigentlich auch noch ganz viele Kinder mehr haben. Nur eins sei da ja ziemlich wenig.
Zugegeben, ich musste schmunzeln. Aber ich bin mir sicher, war meine Antwort, zwei Mamas gehören zu unserer Familie, ein Kind und ein Hund, den haben wir auch noch. Und wenn man nicht nur die nimmt, die bei uns im Haus leben, dann gehören sogar eine Oma, ein Opa und eine Ur-Oma auch noch dazu. Und Tanten, Onkels und Paten und noch eine ganze Menge mehr. Ganz schön viele sind das und alle gehören zusammen. Weil sie sich so fühlen, es so möchten und als Familie zusammenleben.
Das fand dann auch mein kleiner Sitznachbar auf der Garderobenbank irgendwie ganz logisch. Vielleicht waren zwei Mamas eigentlich auch ganz ok.
Beim Sprint in Richtung Turnhalle drehte er sich dann nochmal um: »Ich glaube, ich komme euch mal besuchen. Dann kann ich mir auch euren Hund mal angucken.« Na klar, den natürlich auch.

Aber nein, ganz so rosarot und ohne einen seltsamen Blick oder Kommentar ist es natürlich nicht immer gewesen. Ob in Köln oder im neuen Zuhause, die Frage an unseren Sohn bleibt dann doch die gleiche: „Zwei Mamas hast du? Das geht nicht!“

Ich habe mir damals zum Kita-Eintritt etwas gewünscht, auf das ich hätte verweisen können, die Erzieher wünschten sich etwas zur Unterstützung, wenn das Thema in der Gruppe aufkommt. Was antwortet man auf die Frage: „Warum hat der denn zwei Mamas?“ Und was kann auch bei Streit und Unverständnis helfen?
Inzwischen gibt es zwar einige Bilderbücher zu dem Thema, für die pädagogische Arbeit dazu aber wenig. So ist die Idee zu dem Buch »Mika, Ida und der Eselschreck – Eine Geschichte über eine Regenbogenfamilie« und vor allem dem dazugehörenden pädagogischen Zusatzmaterial entstanden. Da ich keine Pädagogin bin habe ich mich hierfür mit unserer Leiterin der Kita zusammengetan. Sie war sofort dabei und von ihr sind die Arbeitsbögen und Spiele zu der Geschichte.

In dem Buch geht es um Mika und Ida, die auf einem Bauernhof beim Ponyreiten zum ersten Mal aufeinandertreffen. Schnell stellen sie fest, dass ihre Familien unterschiedlich sind. Mika hat zwei Mamas. Das geht nicht, das ist keine richtige Familie, findet Ida. Idas eigene Eltern haben sich getrennt und sie lebt nun mit ihrem Papa zusammen. Dann ist das auch keine richtige Familie, findet Mika. Da braucht es erst ein gemeinsames Abenteuer und helfende Eltern um zusammenzufinden.
Ein zentraler Satz für Mika lautet in der Geschichte: „Die einen so, und die anderen eben so.“. Die Vielfalt und Einzigartigkeit von Familien ist selbstverständlich.

Zur Buchbesprechung geht es hier


Wenn jemand ihnen kritisch begegnet, brauchen Kinder eine für sie logische und gute Erklärung. Hier spielen Erzieher*innen in der gesamten Kitazeit eine wichtige und zentrale Rolle. Im Idealfall können sie unterstützen oder erklären, Verständnis und Offenheit vermitteln. Zwischen den Kindern, aber auch in der Elternarbeit.

Inzwischen ist mein Sohn fünf Jahre alt, ich bin um viele Erfahrungen und viele beantwortete Fragen zum Thema reicher. Das Selbstverständnis von Familie ist geblieben.
Es gibt viele Rückmeldungen von Erzieher*innen und pädagogisch Arbeitenden aus allen möglichen Bereichen, aus Kitas und Grundschulen, genauso wie aus Erziehungsberatungsstellen und Familienhilfen.
Manche Kitas haben aus dem Thema ein Projekt zur Familienarbeit gemacht, haben in der Gruppe die Geschichte gelesen, dann über die verschiedenen dort vorhandenen Familienmodelle gesprochen, Bilder dazu gemalt. So geht es nicht nur im engen Rahmen um Regenbogenfamilien, sondern um Familienmodelle in allen Formen.

Ein kleines Stück zur Normalität der Vielfalt ist bestimmt schon geschafft, aber viel liegt auch noch vor uns. Damit Familien überall so verschieden sein können, wie die Menschen, die in ihnen leben.

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