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Juli 9, 2019 9:00 am

Familienbett auf Weltreise

Wer kennt es nicht? Nachts quietscht die Schlafzimmertür, tapsende Schritte bewegen sich auf unser Bett zu. Plötzlich liegt das Kind neben einem. „Ich hatte einen Albtraum“, flüstert es leise.

Ich habe es als kleiner Junge nur geschafft, die schwarzen Abgründe des Treppenhauses, die in perfider Weise zwischen meinem Kinderzimmer und dem Schlafzimmer meiner Eltern lagen, mit einem lauten Schrei zu überwinden. Ich wusste, dass dort in den Tiefen etwas Formloses lauerte, etwas so Böses, wie es sich nur Kinder trauen vorzustellen. Leise, leise, leise schlich ich um die knarrenden Dielen herum… öffnete die Tür zum Treppenhaus… und dann brüllte ich so lange, bis die Zehntelsekunden der Angst vor dem, was sich dort unten in der Dunkelheit staute und regte, überwunden hatte. Mit all meiner Energie raste ich ins Schlafzimmer, in die Sicherheit. Zur rettenden Insel in einem Ozean aus Angst, bestehend aus meinen aus dem Schlaf hochgeschreckten Eltern.

Der Ort, an dem alles zur Ruhe kommt

Meine Tochter schläft bis heute im Familienbett. Jetzt bin es ich, der nachts mal auszieht, um etwas ruhiger zu schlafen. Albträume oder das wabernde, formlose Dunkel meiner Kindheit machen mir keine Angst mehr. Ich bin froh, dass meine Familie sich gemeinsam sicher fühlen und schlafen kann. Das Familienbett ist der Ort, an dem das Leben zur Ruhe kommen darf und wo wir aufeinander aufpassen. Wer wie ich längere Zeit im Internet unterwegs war, stößt irgendwann auf das verwackelte Video eines Familienabends vor dem Fernseher. In der Mitte schläft ein Mann, vielleicht der Vater, auf dem Sofa. Neben ihm krabbelt ein Baby auf der Armlehne herum. Plötzlich macht das Kleine einen Überschlag nach hinten. Noch bevor die anderen Familienmitglieder überhaupt aufspringen können, hat der Vater seine Hand schon ausgestreckt und das Baby gefangen. Das ist das Gefühl, dass ich meine. Als Familie sind wir auf vielen Ebenen unbewusst miteinander verknüpft.

Warum wir im Familienbett schlafen

Unsere Vertrautheit erinnert mich jeden Abend daran, wie wichtig für uns als Menschen Körperkontakt ist. Dieses innige Gefühl hat sich bei uns durch die Zeit im Familienbett verstärkt.

Anfangs hatten wir für unsere Tochter noch eine kleine Kinderkrippe bei unserem Bett. Doch bald stellte sich heraus, dass es extrem kompliziert war, sie jede Nacht fünf Mal aus dem Bettchen zu heben, damit meine Frau sie stillen konnte. Obwohl unsere Tochter bei uns im Zimmer schlief, war sie unglücklich und wachte leicht auf. Unsere Nächte zerfaserten, bis wir sie schließlich zu uns ins Bett holten. Mein Rücken erinnert sich heute noch daran, wie tief meine Tochter auf meinem Brustkorb schlafen konnte.

Co-Sleeping

Die ersten zwei Jahre hatten wir trotzdem eher einen Brummkreisel bei uns im Bett. Dennoch würde ich es wieder so machen. Für uns als Familie, die seit mehreren Jahren um die Welt reist, hat diese Form des Co-Sleepings einen entscheidenden Vorteil: Der Ort, an dem wir schlafen, behält seine grundsätzliche Struktur. Wo auch immer es uns hin verschlägt, unsere Tochter hat die Sicherheit, dass wir am Abend immer neben ihr liegen werden und sie auffangen. Wo sich äußerlich viel verändert, haben wir als Familie eine innere Ruhe, die uns immer begleitet. Schatten und nächtliche Schrecken kommen so nicht mehr an uns heran.

Olaf Bernstein

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