Was passiert am Buß- und Bettag? Warum ist an diesem Tag in den meisten Bundesländern schulfrei – gleichzeitig müssen die Erwachsenen aber zur Arbeit? Ist er denn dann überhaupt ein Feiertag? Wir liefern euch und euren Kindern knapp und zappzarapp die Knallerfakten zum Glänzen. #fragBARRIO

„Mama, ich dachte wir spielen jetzt endlich was“, mault mich meine Tochter ungeduldig an. Was sie nicht weiß: Ich hab eigentlich gar keine Zeit für sie. Der Kindergarten hat geschlossen – ich muss aber trotzdem arbeiten …und den Tag irgendwie im Homeoffice wuppen. So sieht der Buß- und Bettag bei vielen Familien in Bayern aus. Ach was, denke ich mir plötzlich: Für die Arbeit schaff ich heut eh nicht viel. Ich hol die Spielesammlung raus – ein Tag Urlaub mit meiner Kleinen ist doch viel besser als Homeoffice mit Extra-Stress!

  • Der Buß- und Bettag gilt als evangelischer Feiertag. Er wird immer am Mittwoch vor dem letzten Sonntag des Kirchenjahres begangen, also elf Tage vor dem ersten Adventssonntag. Somit fällt er jedes Jahr auf einen anderen Tag. Dieses Jahr ist das der 21. November.
  • Alles in allem kann man sagen, dass der Buß- und Bettag bisher schon reichlich für Chaos gesorgt hat. Denn bis heute ist es ein ewiges Hin und Her mit diesem Tag: Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in 28 deutschen Ländern 47 verschiedene Buß- und Bettage an 24 Tagen. 1852 wurde ein einheitlicher Buß- und Bettag eingeführt – und zwar am Mittwoch vor dem letzten Sonntag des Kirchenjahres.
  • Und es geht noch weiter: Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Buß- und Bettag auf einen Sonntag gelegt – und dann 1950 durch die Evangelische Kirche wieder an seinem ursprünglichen Datum eingeführt, allerdings nicht als gesetzlicher Feiertag. Erst 1981 erlangte er diesen Status wieder in der BRD, und ab 1990 nach der Wiedervereinigung in ganz Deutschland.
  • Die letzte – und bis heute gültige – Regelung wurde 1995 vorgenommen: Die Bundesregierung hat den Buß- und Bettag einfach wieder abgeschafft. Das gilt jetzt für alle Bundesländer, außer für Sachsen. Puh! Doch was heißt das jetzt?
  • Also erst mal ist der Buß- und Bettag somit ein ganz normaler Arbeitstag. Ausnahmeregelungen gibt es neben Sachsen auch noch in Bayern und Berlin. An bayerischen Schulen haben alle Schüler am Buß- und Bettag schulfrei. In Berlin können Schüler evangelischer Konfession selbst entscheiden, ob sie an diesem Feiertag die Schule besuchen oder nicht.
  • Und es gibt noch eine Sonderregelung: In den meisten Bundesländern dürfen die Arbeitnehmer aus religiösen Gründen frei nehmen. Der Tag gilt dann nicht als Urlaubstag, wird aber vom Lohn abgezogen.
  • Tatsächlich bringt der Tag berufstätige Eltern in eine Zwickmühle, und es gibt jedes Jahr wieder Diskussionen. Viele Kindergärten haben sich inzwischen den Schulen angeschlossen und sind am Buß- und Bettag ebenfalls geschlossen. Mama und Papa müssen sich also etwas überlegen: Entweder sie können Oma und Opa oder einen Babysitter engagieren. Viele müssen sich aber auch frei nehmen oder machen Homeoffice.
  • Kurz und gut: Im Grunde hat der Buß- und Bettag seinen Status als bundesweiter gesetzlicher Feiertag verloren. Trotzdem ist er als kirchlicher Festtag für Protestanten bedeutsam. Aber worum geht’s denn nun eigentlich? Wie der Name schon sagt, soll an diesem Tag die Buße im Mittelpunkt stehen. Christen sollen darüber nachdenken, welches Unrecht sie anderen Menschen zugefügt haben und wie sie sich in Zukunft besser verhalten können. Sie sollen also Reue für ihre Sünden zeigen, sich besinnen und über Fehler nachdenken.
    Diese Buße ist historisch gewachsen, denn: Ursprünglich hatte ein Land oder Staat in besonderen Notfällen, nach Ausbruch eines Krieges oder einer drohenden Katastrophe ein Bußtag verfügt. Die Menschen sollten vor Gott um Vergebung und um Abnahme der Schuld bitten.

Stefanie Gentner verbringt den Buß- und Bettag ganz bewusst mit ihren Kindern. Nach einer ausgiebigen Kissenschlacht gibt’s Frühstück und dann machen sie sich auf ins nächste Schwimmbad. Blöd nur: Der Papa muss leider arbeiten!
Auf ihrem Blog „Verrückt nach München“ berichten Stefanie Gentner und Veronika Beer über ihre Lieblingsstadt, entdecken Glücksorte und schreiben auch über Umweltthemen. Für #fragBARRIO liefern sie euch regelmäßig das BAM!-Wissen zu Feiertagen & Co.

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