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September 12, 2019 9:00 am

Frühe Fehlgeburt: Eine Mama erzählt Teil 2

Jenny erzählt uns heute, wie es nach dem schlimmen Verlust für sie und ihre Familie weitergegangen ist.

Hattest du danach jemanden, mit dem Du darüber sprechen konntest?

Ich habe natürlich viel mit meinem Mann gesprochen, aber auch mit Freundinnen und Familienmitgliedern. Ich hatte das Glück, dass ich viel Verständnis und liebe Worte entgegengebracht bekommen habe. Gerade diejenigen, die selbst Erfahrungen mit einer Fehlgeburt machen mussten, hatten zur richtigen Zeit die passenden Worte parat und haben mir durch so manch schwierige Stunde geholfen. Ich bin sehr dankbar dafür. Auch dafür, dass von meinem Umfeld nicht erwartet wurde, dass ich nicht darüber spreche oder es eben in den eigenen vier Wänden mit meinem Mann ausmache. Alle sprachen ihr Mitgefühl aus und hörten mir zu. Das allein war für mich eine große Bereicherung, denn darüber zu sprechen hilft meines Erachtens nach sehr. Es äußerte sich auch niemand in meinem Umfeld in eine Richtung, dass die Fehlgeburt ja früh und somit „weniger schlimm“ gewesen sei. Ich finde es wichtig und nötig in einem respektvollen Umgang miteinander, nicht über die Trauer und Gefühle anderer zu urteilen. Niemand hat das Recht, mir meine Trauer abzusprechen, weil die Fehlgeburt vor der 12. Woche war. Über den Rahmen und das Ausmaß der eigenen Gefühle kann und darf nur die betroffene Person selbst entscheiden, das ist meine Ansicht. Umso dankbarer bin ich, dass ich mit einem Umfeld gesegnet bin, das die entsprechenden Kompetenzen im freundlichen und respektvollen Umgang miteinander beherrscht. Feinfühligkeit und Zurückhaltung sind m.M. nach entscheidende Schlüsseleigenschaften, wenn es um die Thematik Fehlgeburt geht.

Wie geht es dir heute mit der Fehlgeburt?

Da die Fehlgeburt erst 3 Wochen her ist (Anmerkung der Redaktion: Das Interview war 3 Wochen nach der Fehlgeburt) , kann ich noch keine Langzeitprognose abgeben. Wir waren in der Zwischenzeit im Urlaub und hatten eine entspannte Auszeit, was dazu beigetragen hat, dass ich mich im Moment wirklich gut fühle. Ich spüre diese Dankbarkeit und Verbundenheit zu meiner Familie, die ich vor der Fehlgeburt in meinen Augen nicht oft genug bewusst wahrgenommen habe. Ich habe dennoch an manchen Tagen, besonders abends im Bett, eine große Sehnsucht nach unserem Baby. Dann bin ich schrecklich traurig und denke darüber nach, wie es wäre, wenn es jetzt noch bei uns wäre und wir abends Lieder über dem Babybauch summen würden, so wie wir es bei den beiden Mäusen schon gemacht haben. Meist schaue ich dann die beiden Kleinen neben mir an, streichle ihnen über die Wange und schenke ihnen einen allerletzten Gute-Nacht-Kuss für diesen Tag und das große Bedrücktheitsgefühl wird abgelöst von Dankbarkeit und Liebe.

Hattest Du danach noch eine weitere Schwangerschaft?

Nein, da die Fehlgeburt erst 3 Wochen zurückliegt, war ich seitdem nicht wieder schwanger.

Wie bist du mit den evtl. Ängsten umgegangen, die die Fehlgeburt mit sich gebracht hat?

Ich beruhige mich mit dem Wissen, dass frühe Fehlgeburten sehr häufig sind und ich Leidensgenossinnen habe. Das Gefühl, nicht allein zu sein, beruhigt mich schon sehr und ich weiß ja Gott sei Dank, dass mein Körper mir schon zwei gesunde Kinder und zwei unkomplizierte Schwangerschaften geschenkt hat. Ich habe deshalb trotz der traurigen Erfahrung ein großes Vertrauen in meinen Körper. Tipps für andere Betroffene, die eventuell mit Ängsten zu tun haben: sprecht darüber, wenn es euch hilft, Ängste abzubauen. Mit Vertrauten oder anderen Personen. Wenn diese Maßnahme nicht ausreicht, holt euch Hilfe. Es gibt die Möglichkeit, eine Therapie zu machen, um die Erfahrung zu verarbeiten und es gibt Strategien, die man erlernen kann, um Ängste zu reduzieren. Manchen Betroffenen helfen auch eine kleine Auszeit aus dem Alltag, Achtsamkeitsübungen oder Selbststärkungsprogramme. Alles, was sich gut anfühlt, ist erlaubt. Manche Frauen besuchen Selbsthilfegruppen. Andere konzentrieren sich auf etwas, was sie schon lange in Angriff nehmen wollten, aber immer vor sich hergeschoben haben. Es gibt wohl nicht DEN Tipp, der für jede Frau passend ist und hilft. Für mich war es am hilfreichsten, darüber zu sprechen und mich auf das zu fokussieren, was ich eigentlich tolles habe: meine wundervolle Familie. Ich wünsche allen betroffenen Frauen und ihren Partnern Liebe, Kraft und Mut um die schwierige Zeit gemeinsam zu bewältigen.

Liebe Jenny, wir danken Dir für Deinen offenen und ehrlichen Bericht, der sehr vielen Mamas in der gleichen Situation helfen wird.

Mehr auf Jenny’s Instagram Account

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