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September 16, 2020 9:00 am

Häusliche Gewalt leider immer noch ein Thema

Serie: Deutschland ist bunt – Teil 4

Wie sprechen wir mit unseren Kindern über häusliche Gewalt?

Wir Eltern sind dafür da, um unseren Kindern dabei zu helfen, die Welt zu verstehen. Manchmal fehlen uns aber selbst die Worte oder die Erfahrungen, um Dinge richtig einzuordnen. Diese Reihe im Barrio-Magazin soll dabei helfen. 

Schläge, Tritte, Würgemale – ein ziemlich heftiges Thema. Wie und vor allem warum wir mit unseren Kindern über häusliche Gewalt und ihre Auswirkungen sprechen können, erklären wir euch heute.

Warum darüber sprechen?

So traurig und düster es klingt: Häusliche Gewalt ist der Alltag vieler Kinder und Erwachsene in Deutschland. Spätestens auf dem Spielplatz, im Kindergarten, in Filmen oder in der Straßenbahn werden unseren Kindern Situationen begegnen, die ganz anders sind als ihr behütetes Zuhause. Diese Andersartigkeit ist wahrscheinlich sehr schwer zu verstehen. Also brauchen unsere Kinder einen verlässlichen Erwachsenen, der bei der Einordnung hilft und deutlich signalisiert: „Da passiert etwas, das nicht ok ist. Und ich erkläre dir, wieso.“

Häusliche Gewalt ist leider viel weiter verbreitet als die meisten von uns ahnen. So erlebt beispielsweise rund jede vierte Frau mindestens einmal in ihrem Leben häusliche Gewalt. Unseren Kindern wird also Gewalt begegnen. Ob direkt als Betroffene oder als Zeuge. So oder so ist es wichtig, unseren Nachwuchs vorzubereiten und dabei zu helfen, dieses komplexe Thema zu verstehen.

Was ist das eigentlich?

Zu häuslicher Gewalt zählt nicht nur körperliche Gewalt. Generell geht es um ein Machtgefälle, das genutzt wird, um Kontrolle auszuüben. Körperliche, sexuelle oder psychische Gewalt können unter dem Begriff „häusliche Gewalt“ gefasst werden. Hierbei geht es vielmehr um das Erleben des Opfers als die Intention des Täters. Wenn etwas vom Opfer als angstmachend, kontrollierend und gewaltvoll wahrgenommen wird, ist es das auch. Ein weiteres Merkmal von häuslicher Gewalt ist, dass sie meist wiederkehrend ist. Es handelt sich um eine relativ feste Beziehungsdynamik.

Wie darüber sprechen?

Wie sprechen wir nun über etwas, wofür uns selbst die Worte im Halse stecken bleiben? Sprechen wir über Werte Gewalt an anderen Menschen ist nicht ok. So weit, so gut.

Aber… wieso eigentlich? Um mit unseren Kindern über Gewalt, Angst und Moral zu sprechen, müssen wir unsere eigenen Werte sehr klar benennen können. Erst, wenn wir selbst eine feste Haltung zum Thema Gewalt haben, können wir sicher und gelassen darüber sprechen. Was genau bedeutet Gewalt für uns? Ist es das Beschimpfen des eigenen Kindes in der Öffentlichkeit? Eine rassistische Äußerung gegenüber Passanten? Ein heftiger Schlag auf den Hinterkopf? Bevor wir mit unseren Kindern über Gewalt sprechen, müssen wir uns über unsere eigenen Grenzen und Haltungen Gedanken machen. Wie und wo fängt Gewalt an? Verhalte ich mich eigentlich immer meinen Werten entsprechend? Was finde ich persönlich nicht ok an Gewalt und… gibt es da Sonderfälle, Abstufungen, Graustufen? Warum denke ich das? Ist das begründet?

Mutig sein – Haltung bewahren

Vielleicht überraschen wir uns bei dieser Introspektive selbst. Viele Menschen bemerken, dass sie eigentlich viel mehr Handlungen gewaltvoll finden, als sie zunächst dachten. Manche lernen, dass sie selbst manchmal gewaltvoll gehandelt haben, ohne je darüber nachzudenken. Frieden beginnt in uns selbst. Also gilt es, tief durchzuatmen und unser Leben zu beleuchten: Lebe ich wirklich nach meinen Werten?

Es ist (k)ein Tabu

Sobald wir unsere innere Haltung ausgelotet haben, wird plötzlich alles ganz leicht. Wir haben Worte für das, was wir richtig finden und das, was wir nicht vertreten wollen. Wenn eine wirklich feste innere Haltung gefunden ist, können wir nämlich einfach von uns erzählen. Wie wir die Welt sehen und erleben und wie und warum wir welche Schlüsse für uns ziehen.

Stärke kommt von innen

Nun können wir unseren Kindern dabei helfen, ihren eigenen moralischen Kompass auszurichten. Wir können über konkrete Strategien sprechen. Sobald unsere Kinder ein klares, gesundes Gefühl dafür haben, was sie in der Welt gut und richtig finden, werden sie danach handeln. Sie werdet automatisch grenzwertige Situationen benennen und nach Lösungen suchen.

Wir können unsere Kinder stark machen – für sich und für andere.

Josephine Bernstein

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Mehr aus der Reihe Deutschland ist bunt findet ihr im Magazin

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