grid | list

Mai 21, 2020 10:00 am

Happy Birthday, Pippi!

Astrid Lindgren schenkte ihrer Tochter Karin zum Geburtstag ein Manuskript mit dem Namen „Pippi Langstrumpf“. Was dann folgte ist eine unglaubliche Erfolgsgeschichte einer einzigartigen, abenteuerlustigen, liebenswerten und lustigen Kinderbuchfigur, die die Leser bis heute lieben. Der Verleger Friedrich Oetinger ahnte 1949 auch nicht, welchen Schatz er aus Stockholm mit nach Hause bringt und ins Deutsche übersetzen lässt. Ganz ihrem Wesen entsprechend, setzt Pipi, das Mädchen mit den roten Zöpfen neue Maßstäbe in der Kinderliteratur. 

Karin-als-Kind-mit-Schleifen-im-Haar-c-privat-The-Astrid-Lindgren-Company.

Pippi hinterfragt Verhaltensregeln

Pippi fordert auf liebenswerte Art und Weise dazu auf Verhaltensregeln, Erziehungsmaximen und Geschlechterstereotypen zu hinterfragen. Halb Seeräuber, halb Eine-Wirklich-Feine-Dame wird sie zum Vorbild für unzählige Kinder und alle wünschen sich ein zuhause wie die Villa Kunterbunt.  Wer hätte nicht gerne eine Freundin wie Pippi, mit der man jede Menge Spaß haben kann? Pippi Langstrumpf erschien im November 1945 und war sofort ein riesiger Erfolg, innerhalb von 2 Wochen, waren über zwanzigtausend Exemplare verkauft.

In 77 Sprachen übersetzt

Heute hat die Heldin mit den roten Zöpfen wohl Einzug in jedes Kinderzimmer gehalten und ist mittlerweile in 77 Sprachen übersetzt worden. Auf der ganzen Welt träumen Kinder davon ein Pferd auf der Veranda zu haben und so tolle Abenteuer wie Pippi zu erleben.  Unglaublich aber wahr, es ist tatsächlich schon 75 Jahre her, dass Pippi in die Villa Kunterbunt eingezogen ist. 

AL-mit-Büchern-c-Oetinger.

Brief von Astrid Lindgren

Mit diesem Brief schickte die Autorin das Manuskript am 27. April 1944 an den Albert Bonniers-Verlag in Stockholm, noch sehr unsicher, ob es je gedruckt werden würde. 

Ich gestatte mir, beiliegend ein Kinderbuchmanuskript zu übersen- den, dessen Rücksendung ich voller Zuversicht demnächst erwarte. Pippi Langstrumpf ist, wie Sie feststellen werden, falls Sie sich die Mühe machen, das Manuskript zu lesen, ein kleiner Übermensch in kindlicher Gestalt, angesiedelt in einem ganz normalen Umfeld. Dank ihrer übernatürlichen Körperkräfte und sonstiger Umstände ist sie völlig unabhängig von den Erwachsenen und lebt ihr Leben ganz so, wie es ihr beliebt. Bei ihren Auseinandersetzungen mit erwachsenen Personen behält sie stets das letzte Wort.  Bei Bertrand Russell (Erziehung zum Leben, S. 85) lese ich, in der Kindheit herrsche vor allem das Verlangen vor, erwachsen zu werden, oder vielmehr der Wille zur Macht. Das normale Kind hänge in der Fantasie Vorstellungen nach, die den Willen zur Macht beinhalten. Ich weiß nicht, ob Bertrand Russell recht hat. Der geradezu krank- haften Beliebtheit nach zu urteilen, die Pippi Langstrumpf im Laufe von zwei Jahren bei meinen eigenen Kindern und ihren gleichaltri- gen Freunden genossen hat, bin ich jedoch geneigt, es zu glauben. Nun bin ich natürlich nicht so vermessen, mir einzubilden, nur weil einige Kinder sich gern von Pippis Heldentaten haben erzählen lassen, dass deshalb daraus ein druck- und les- bares Buch entstehen muss, wenn ich es zu Papier bringe.  Um mich zu überzeugen, wie es sich damit verhält, lege ich
das Manuskript hiermit in Ihre sachkundigen Hände und kann nur hoffen, dass Sie nicht das Jugendamt alarmieren. Sicherheitshalber sollte ich vielleicht darauf hinweisen, dass meine eigenen unglaub- lich wohlerzogenen, engelsgleichen Kinder keinerlei Schaden durch Pippis Verhalten genommen haben. Sie haben sofort verstanden, dass Pippi ein Einzelfall ist, der normalen Kindern kein Vorbild sein kann. 

Hochachtungsvoll, Astrid Lindgren 

(Mit freundlicher Genehmigung des Oetinger Verlags aus Pipi Langstrumpf – Heldin, Ikone, Freundin)

Lindgren_Astrid_©Roine-Karlsson_Pressefoto

Pippi in Deutschland

Silke Weitendorf, die Tochter des Verlegers Friedrich Oetinger, war die allererste Leserin von Pippi Langstrumpf in Deutschland als das Buch 1949 erschien. Sie war damals so alt wie die Protagonistin und hätte gerne den Platz von Annika, als Freundin von Pippi eingenommen. 

Auf die Frage „Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Begegnung mit Pippi Langstrumpf?“  entgegnet sie: 

„Natürlich! Meine Mutter gab mir damals das Buchmanuskript in die Hand und sagte: „Lies mal! Und erzähl mir, wie es dir gefällt.“ Ich habe die Geschichten von Pippi verschlungen und konnte gar nicht genug bekommen von diesem Mädchen, das ganz allein lebte und stärker war als alle Erwachsenen. Ein Traum! Ich meine, sie war in meinem Alter, aber ich kannte bis dahin niemanden, der einen Polizisten hochheben konnte, geschweige denn ein Pferd. Und die Kinder in meiner Umgebung – mich eingeschlossen – hatten auch keinen Koffer mit Goldmünzen und waren Erwachsenen gegenüber damals auch eher brav als schlagfertig. Das hat mir alles sehr imponiert.“ (Mit freundlicher Genehmigung des Oetinger Verlags aus Pipi Langstrumpf – Heldin, Ikone, Freundin ). 

Und so hat Pippi nach und nach uns alle begeistert und wir lieben sie immer noch.

Villa_Kunterbunt_©The-Astrid-Lindgren-Company-Ingrid-Vang-Nyman

75 Jahre Pippi Langstrumpf. Happy Birthday, Pippi!!

Und herzlichen Dank an den Oetinger Verlag für all die wunderbaren Pippi Momente, die er uns beschert hat.

Beitragsfoto: Pippi27_c-Ingrid-Vang-Nyman-The-Astrid-Lindgren-Company

Nutzung aller Fotos mit freundlicher Genehmigung des Oetinger Verlages.

**********

Diesen und weitere interessante Artikel findest du in der Barrio App. Hast Du schon? Super! Hast du noch nicht? In der App findest du aufgrund der aktuellen Lage noch mehr digitale Angebote, virtuelle Playdates zum Austauschen, Online-Kursempfehlungen für die ganze Familie sowie Angebote, Gutscheine und andere Vergünstigungen. Jetzt App installieren: bit.ly/barrio-app

Kategorisiert in:

Stichwörter: , , ,