Was Heimat für eine Reisefamilie bedeutet?

Die Frage nach der Heimat erreicht uns immer wieder. Häufig tarnt und versteckt sie sich in anderen Fragen. Sie mogelt sich quasi unter: „Sehnt ihr euch nicht nach einem permanenten Zuhause?“, „Vermisst eure Tochter nicht Deutsch sprechende Freunde?“ oder „Fehlt euch nicht eigentlich eure Familie?“ sind die Klassiker. Was die Fragesteller meinen: Ihr lebt als Familie im Ausland. Wie viel Heimat kann es da für euer Kind geben? Habt ihr nicht Angst, euch selbst und euer Kind zu entwurzeln? 

Heimat ist ein Gefühl

Was die meisten Fragesteller dabei übersehen: Unsere Weltreise und die damit verbundene, schrittweise Verlagerung unseres Lebensmittelpunktes ins Ausland waren beides bewusste Entscheidungen. Das heißt, wir haben vorher versucht, so viele Sorgen und Ängste, die an uns herangetragen werden würden, für uns selbst zu entkräften. Zu unser eigenen Beruhigung. Dabei ist uns etwas klargeworden: Für uns ist Heimat ein Gefühl, eine besondere Momentaufnahme unseres Lebens, die wir immer mit uns tragen. Heimat ist die Erinnerung an die unbeschwerten Momente unserer Kindheit. Diese Momente können wir als Eltern überall erschaffen. Wie ich neulich (LINK: Barrio-Artikel: „Banale Momente“) geschrieben habe, sind es am Ende gerade die banalen Situationen im Leben unserer Kinder, die sich als prägend und bleibend erweisen. 

Dass sich viele Eltern unter Heimatverbundenheit vor allem die nahe Familie und das eigene Zuhause vorstellen, ist verständlich, weil hier viele einzigartige Erinnerungen für uns alle liegen. Hier im Ausland sind es vor allem vier Dinge, die uns dabei helfen, unsere innere Heimat nicht aus dem Blick zu verlieren:

1. Rituale geben Sicherheit

In einem Leben, das scheinbar so fundamental anders funktioniert als das von vielen anderen Familien, geben uns Rituale die Struktur, die wir von außen nicht vorgegeben bekommen. Unsere Tochter profitiert davon, dass die Tage mit einem Bad und einem Hörbuch abgeschlossen werden, genauso wie ihr unsere Morgenroutine Sicherheit gibt. Als Eltern ist uns die gemeinsame Tasse Tee und das damit verbundene Gespräch Gold wert. Dieser intime Moment am Beginn des Tages setzt für uns den Ton unseres Lebens und ist etwas, dass wir in der Form in Deutschland nicht hatten. 

2. Geborgenheit stärkt uns

Wir schlafen nach wie vor alle im Familienbett, obwohl wir mittlerweile ein zweites Schlafzimmer haben. Diese Nähe und Geborgenheit verbindet uns und lädt unsere Batterien wieder auf.

3. Freunde 

Unterwegs haben wir nicht nur erstaunlich viele deutschsprachige Familien getroffen, von denen viele mittlerweile enge Freunde sind, sondern auch eine große Anzahl besonderer Menschen, denen wir anderenfalls nicht begegnet wären. Damit gibt es im Ausland immer ein Stück Gemeinschaft und deutscher Kultur, der wir viel aufgeregter begegnen als im Inland – Spielkameraden für Lola inklusive.

4. Essen ist Heimat

Lola liebt Kartoffeln genauso wie wir, und das wird sich vermutlich auch nicht ändern, falls wir alle eines Tages auf einer einsamen Insel im Pazifik stranden sollten. Ich habe hin und wieder Heißhunger auf Gewürzgurken und Sauerkraut. Wir haben sogar Puddingpulver und Spekulatiusgewürz ins Ausland exportiert. Wenn wir sind, was wir essen, tragen wir unsere Heimat vermutlich immer bei uns. 

Wir entscheiden als Eltern so viel für unser Kind, dass es uns wichtig ist, den Kontakt zu ihren Wurzeln zu nähren. Letztlich geht es bei der inneren Heimat um unsere Verbindung als Eltern mit unserem Kind. Egal wo. Wertvolle Momente können sowohl vor dem Taj Mahal als auch in Omas Schrebergarten entstehen. Solange unser Kind sicher gebunden ist, hat es seine Heimat immer dabei.

Olaf Bernstein

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Beitragsfoto: von Olaf Bernstein

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