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Juni 10, 2020 9:00 am

Hilfe, bin ich Burnout gefährdet?

Putzen, Kochen, Einkaufen, Wäsche, das tägliche Allerlei, obendrauf noch die Kinder und das Mamataxi und klar die Arbeit wartet auch noch auf die meisten Frauen. Frau und Partnerin sind wir natürlich auch.  Wenn jemand in der Familie oder im Freundes- und Bekanntenkreis etwas braucht, sind wir auch die Letzte die „Nein“ sagt. Das alles führt früher oder später zu Stress und körperlicher Erschöpfung, nicht selten auch noch begleitet von massiven Schlafstörungen. 

Frauen verausgaben sich leichter

Frauen neigen dazu sich massiv zu verausgaben und über ihre Kräfte hinaus zu geben, das führt zum Ausbrennen, ein ernsthafter Zusammenbruch kann die Folge sein und wird bei immer mehr Frauen diagnostiziert.  Wir wollen uns näher mit den Gründen für diese Überlastungen beschäftigen und einige Lösungsvorschläge liefern, damit der Burnout ausbleibt. 

Müssen wir gesellschaftliche Normen erfüllen?

Viele Frauen sind in der Gesellschaft, die ihnen scheinbar vorgibt, wie und was sie sein müssen, um der Norm zu entsprechen, also eine gute Mutter, immer hübsch, schlank, hilfsbereit, fleißig, glücklich und instagram-tauglich, total gestresst. Der Blick schweift nicht selten auf andere Frauen, die scheinbar mühelos all diesen Erwartungen entsprechen.  Je mehr man sich dann mit anderen vergleicht, umso größer wird der eigene innere Druck und auch das eigene Gewissen macht sich bemerkbar und treibt weiter an.  Burnout wurde 1975 von Herbert Freudenberger erstmals beschrieben, er ordnete ihm drei Bereiche unter, die emotionale Erschöpfung, Depersonalisation und vermindertes Selbstwertgefühl im Bezug auf die eigene Leistungsfähigkeit. 

Emotionale Erschöpfung

Mittlerweile geht man davon aus, dass die emotionale Erschöpfung besonders bei Frauen deutliche Spuren hinterlässt und ursächlich für den weiblichen Burnout ist.  Dadurch, dass Frauen oft in der Geberrolle sind, sich um alles und jeden sorgen und auch ein Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern besteht, denn meistens ist die Versorgung der Kinder und deren Erziehung, genauso Frauensache, wie der Haushalt und alles was damit zusammenhängt, werden sie emotional extrem gefordert. 

Gebersyndrom

Bei Frauen kommt zu diesem Gebersyndrom noch dazu, dass sie quasi eine moralische Verpflichtung sehen, alles geben zu müssen, sich für andere aufzuopfern und immer gut sein zu müssen, ohne auch nur einmal an sich selbst und ihre Bedürfnisse zu denken. Denn Frauen wollen gute Mütter, fantastische Partnerinnen, wertvolle Arbeitnehmerinnen bzw. Unternehmerinnen, gute Freundinnen und liebenswerte Töchter sein, dafür sind sie bereit alles zu geben.  So bleibt keine Energie und Zeit mehr für die Betroffenen selbst, Erholung kommt dauerhaft zu kurz und der gefährliche Weg in den Burnout ist vorprogrammiert. Ein Balance zwischen Geben und Nehmen ist genauso wichtig wie die Work-Life-Balance, die in aller Munde ist. 

Männer ticken anders

Männer haben dieses Problem nicht, denn sie werden nicht verurteilt, bestraft oder sind beschämt, wenn sie den Anforderungen der Gesellschaft nicht genügen. Sie haben es gelernt, ihre Grenzen zu setzen, wenn ihnen etwas zu viel ist und sich ihre Auszeiten auf die ein oder andere Art zu nehmen.  Wie oft hören Frauen abends von ihrem Mann „Ich hatte einen harten Tag im Büro, das ist mir jetzt zu viel“, das die Frau den ganzen Tag eine Mehrfachbelastung mit Kindern, Job und Haushalt hatte, wird gar nicht in Betracht gezogen. 

Gefahr durch Schlankheit und Schönheitsideale

Im Zusammenhang mit dem weiblichen Burnout weisen Forscher immer wieder eindringlich auf das Schlankheitsideal, was die Medien und die Gesellschaft vorgeben, als ursächlich schädlich hin. Weltweit werden jährlich Milliarden Euro ausgegeben, um den Schönheitsidealen Schlankheit, Jugendlichkeit, Knackigkeit vermeintlich näher zu kommen. Ein Wahnsinn, der Frauen belastet und ihren Stress massiv erhöht. Statt mit sich und dem eigenen Körper zufrieden zu sein, so wie er ist, wird durch diese vorgegebnen Ideale das Selbstwertgefühl massiv gemindert und die Frauen belasten sich emotional selbst bis an die Grenzen. 

Stressfaktoren variieren

Die Stressfaktoren, die auf Frauen einwirken sind nicht immer die gleichen und sie verändern sich ständig, mal sind es eher die Probleme mit den Kinder, mal finanzielle Sorgen, wie gerade durch die Corona Krise und ihre Folgen, bedingt, mal partnerschaftliche Differenzen, mal traumatische Erlebnisse und mal Erwartungshaltungen an sich selbst. Was alle gemeinsam haben, ist dass sie ständig auf die Körper der Betroffenen einwirken und wie er darauf reagiert. 

Folge sind stressbedingte Krankheiten

Wir müssen dabei die Ursachen für den Stress von seiner Wirkung auf unseren Körper trennen. Körper reagieren durch Hormonausschüttung und physische, wie psychische Veränderungen auf die Stressfaktoren. Dadurch ändert sich aber der Stresszustand nicht, sondern er bleibt erhalten und summiert sich Stück für Stück, bis es zu einem vollständigen Zusammenbruch auf allen Ebenen kommt. Die Folge sind stressbedingte Krankheiten und Burnout, entweder gemeinsam auftretend oder auch zeitlich versetzt. Mittlerweile ist Burnout bei Frauen sehr weit verbreitet, leider bleiben die Anzeichen dafür oft lange unerkannt. 

Mehr zum Thema Burnout und wie Ihr Euch davor schützen könnt, lest Ihr am Dienstag, den 16. Juni in unserem Magazin

Beitragsfoto: Von tartanpartyshutterstock.com

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