Kennt ihr das, die Tante oder Oma kommt vorbei und euer Nachwuchs will nichts von dem Besuch wissen. Viele Male zuvor, war das nie ein Problem, aber jetzt will das Kind sich partout nicht auf den Arm nehmen lassen. Fängt sofort an zu weinen und klammert sich panisch an euch fest.  Nein, kein Grund sich Sorgen zu machen, diese Phase des Fremdelns ist völlig normal und kommt bei jedem Kind früher oder später.  Damit muss auch die Oma leben, denn die Ablehnung ist keineswegs persönlich gemeint. 

Was steckt dahinter?

Fremdeln ist nichts Außergewöhnliches oder gar etwas worüber man sich Sorgen machen müsste, sondern eine ganz normale und wichtige Entwicklungsphase für euer Kind, die es zu seiner Persönlichkeitsentwicklung benötigt. Zumeist tritt diese Zeit des Abwendens von Fremden etwa zwischen sechs und zwölf Monate auf. Die Ausprägung ist unterschiedlich, bei manchen Kindern reicht schon ein Blick von der falschen Person und es bricht in Tränen aus und klammert sich auf dem Arm fest. Bei anderen Kindern stellt man fest, dass sie sich weder von anderen anfassen lassen wollen, noch auf den Arm und kuscheln ist selbst mit Oma und der Lieblingstante absolut unmöglich. 

Wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung

Es kann sogar vorkommen, dass die Kleinen in dieser Phase nicht mal mit dem Papa kuscheln wollen. Es ist ganz wichtig, dass das Fremdeln von den Betroffenen nicht als Zurückweisung erfahren wird, oder sie sogar Angst haben, dass das Kind sie nicht mehr lieb hat, sondern als das was es ist, eine Phase im Leben des Kindes, in der es lernt seine sozialen Fähigkeiten einzusetzen.  Das Kind lernt seine Mitmenschen zu unterscheiden, zu bewerten und unterschiedlich auf sie zu zu gehen. 

Fokus liegt auf den Bezugspersonen

Seine Hauptbindung gilt in dieser Zeit seinen primären Bezugspersonen, also Mama und Papa. Die Beziehung zu ihnen unterscheidet sich nun deutlich zu den Beziehungen zu anderen Personen. Auch das Kind stellt eine Veränderung fest, die es aber höchstwahrscheinlich nicht deuten kann, deshalb sucht es vorübergehend mehr Sicherheit und Geborgenheit bei seinen Vertrauten, was eine völlig normale Reaktion darstellt.  Personen, die nicht im gleichen Haushalt leben, werden jetzt als Fremde wahrgenommen, obwohl sie zuvor gerne gesehen waren.  Das kann daran liegen, dass in dieser Zeit eine veränderte Gesichtswahrnehmung stattfindet, sprich das Kleine Gesichter besser erkennen kann und mit den jeweiligen Charaktermerkmalen der Personen verknüpft. 

Wie kommt es dazu?

Fremdeln tritt immer in ungefähr demselben Alter auf, auch wenn es sich bei jedem Kind anders äußert. Eine 2. Phase des intensiven Fremdelns tritt häufig bei Kindern im Alter zwischen zwei und drei Jahren auf. In der Regel tritt es danach nicht mehr auf.  Jedes Kind ist verschieden, es gibt so viele Temperamente, wie es Kinder gibt. Die Ausprägung beginnt bereits als Baby, es gibt neugierige Babys und welche die weniger aufgeschlossen und offen sind. Haben die Kinder eine gute Beziehung zu Mama und Papa neigen sie eher dazu zu fremdeln, da sie sich dort geborgen und sicher fühlen.  Generell kann man sagen, dass in einer ungewohnten Umgebung die Wahrscheinlichkeit ebenfalls höher ist, kommen dann noch fremde Leute mit ins Spiel, sind Kinder schnell überfordert.  Was Kinder und lustiger weise auch Haustiere überhaupt nicht mögen, sind Menschen, die sich ihnen regelrecht aufdrängen und sie damit bedrängen, da ziehen sie sich sofort zurück. Selbst Personen, die wie Oma und Opa bekannt sind, aber vielleicht länger Zeit nicht zu Besuch waren und dann zu übereifrig auf die Kinder zugehen, lösen fremdeln aus. 

Wie können wir damit umgehen?

Wenn dein Kind fremdelt, solltest du einige Dinge beachten, damit sich die Situation nicht unnötig verschlimmert. 

?Dem Kind Zeit und Raum geben.

?Ein „Nein“ des Kindes zu einer anderen Person akzeptieren und es niemals zum Kontakt zwingen. Kinder müssen lernen Grenzen aufzuzeigen. 

?Locker mit der Situation umgehen und dem Kind Sicherheit geben.

?Beobachten und nicht groß aktiv werden, sondern dem Kind die Führung in der Situation überlassen.

?Die andere Person bitten, es nicht persönlich zu nehmen und das Kind nicht zu überfordern. 

?Positiv in der Situation bleiben, merkt das Kind, dass Mama und Papa entspannt sind, wird es sich auch entspannen und vielleicht sogar neugieriger werden. 

?Denkt daran, dass diese Phase der Persönlichkeitsentwicklung dient.

Das Fremdeln gehört zum Heranwachsen dazu und fördert die eigene Persönlichkeit. Macht euch klar, diese Phase geht vorbei. Die Länge lässt sich nicht verallgemeinern, sie hängt davon ab, wie lange das Kind braucht, um seine Ausdrucksmöglichkeiten gefunden zu haben und sich dadurch sicherer im Umgang mit Fremden fühlt. Auch ein „Ich will aber nicht“ und „Geh weg“ sollten als normal angenommen werden, denn sie sind ein Weg, wie sich das Kind anderen über verständlich machen kann.

Beitragsfoto: Von Africa Studio shutterstock.com

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