Wir freuen uns Katharina Pahl, die Autorin des Ratgebers “Sanft gebären – Mein Weg zur schmerzfreien Geburt”, für euch im Interview zu haben. Sie hat jede Menge spannende Tipps und Ratschläge im Gepäck.

Spätgebärende sind bei uns automatisch Risikoschwangerschaften. Wie haben Sie es geschafft, sich nicht verrückt machen zu lassen und eine sanfte Geburt zu haben, als Sie mit 44 Jahren zum ersten Mal schwanger wurden?

Meine Lebenserfahrung, mein Selbstbewusstsein, das Vertrauen auf meine Intuition und meine Kraft war definitiv von Vorteil, um die Rolle des CEOs für meine eigenen Belange und Bedürfnisse zu übernehmen und das für mich passende Team aus Ärzten, Hebamme, Osteopath, Yoga Kurs etc. zusammenzustellen. Auch um klar zu kommunizieren und meine Standpunkte zu verteidigen. Ich glaube mit, Mitte 20 hätte mich meine Umgebung leichter verunsichern können.
Ich hatte mir immer vorgenommen, soweit man sich so etwas vornehmen kann, mein Kind erst zu bekommen, wenn ich soweit in mir ruhe, dass ich für mein Kind ein Fels in der Brandung sein kann und nicht meine Ängste an mein Kind weitergebe.

Der eigenen Intuition vertrauen

Eine sanfte Geburt wird immer möglich, wenn wir auf die eigene Intuition hören und uns auf unseren Körper verlassen. Was raten Sie Ihren Leserinnen, wie sie dies erreichen können?

Unsere Intuition basiert auf Erfahrungen, Erlebten und Erlerntem und steht uns unser ganzes Leben lang zur Verfügung.
Viele haben verlernt, auf sie zu achten, das ist so ähnlich wie mit den Gefühlen.
Kleinen Kindern wird gesagt, wann ihnen kalt ist, sie müde oder hungrig sind. Nach dem Motto „das tut nicht weh“. Dementsprechend geht im Laufe des Lebens der Zugang zur Intuition, dass Vertrauen darauf, bei vielen verloren. Ich höre oft den Satz: „Ich traue meinem Bauchgefühl nicht“. Um mit sich, seinen Gefühlen, Bedürfnissen und seiner Intuition in Kontakt zu kommen, braucht es Achtsamkeit und ein wenig Training. Intuition oder Bauchgefühl, kann man wie einen Muskel trainieren. Je öfter man sein Bauchgefühl „befragt“, darauf vertraut und es bewusst nutzt, um stärker wird die Verbindung.

Katharina Pahl: “Achtet auf euer Bauchgefühl”

Das wertvolle an der Intuition ist, dass alles bisher erlebte und erlernte darin einfließt, das geschieht, schnell und unbewusst.
Um wieder eine Verbindung herzustellen, ein Gespür und Achtsamkeit für sein Bauchgefühl zu entwickeln, kann es hilfreich sein, sich zum Beispiel am Wochenende bewusst vorzunehmen, auf seine Intuition, seine Bedürfnisse zu achten und diese auch zu teilen. Sich bewusst zu fragen: Worauf habe ich heute Hunger? Was würde mir heute guttun? Oft ist unser Verstand sofort mit pragmatisch, praktischen Lösungen bei der Hand, aber was wir wollen, ist manchmal nicht, was wir brauchen.
Bei der Frage hast du Lust spazieren zu gehen, nicht einfach schnell zu antworten, sondern bewusst kurz in sich hineinzuhorchen.

Nutzt die Meditation

Meditation – bewusst auf den Atem und den Körper zu achten – schult genauso. Glaubt nicht alles, was ihr denken. Versucht bewusst kleine Schritte aus der Komfortzone zu machen, indem ihr eure kleinen Befürchtungen und Angst zwar wahrnehmt, aber euch trotzdem traut. Vielleicht nicht automatisch eine Aufgabe, von der Kollegin übernehmen, wenn die innere Stimme „schon um Hilfe“ schreit, sondern klar antworten, dass ihr selbst noch soviel zu tun habt. Sie gerne unterstützt, wenn ihr wieder Luft habt und bis wann die Aufgabe erfüllt sein muss.
Sich trauen, ausprobieren und Geduld sind der Weg, um Verstand und Bauchgefühl in Harmonie und für sich arbeiten zu lassen. Dann entwickelt man, dieses in sich ruhen, was einem in allen Lebenslagen hilft bei sich zu bleiben und Situationen zu meistern, statt von seinen Ängsten und Gedankenspiralen davon getragen zu werden.

Information overload oder: Niemals googeln heißt eines der Kapitel Ihres Buches. Wieso ist es so wichtig, dass man sich gerade in unserer Zeit des Informationsflusses via Internet nicht von Berichten und Infos aus dem Netz verrückt machen lässt?

Da kommen aus meiner Sicht mehrere Faktoren zusammen. Das wichtigste zuerst, jede von uns ist einzigartig, was ihre Lebens-, und Gesundheitsgeschichte angeht, jede von uns deutet Symptome anders und stuft die Ausprägungen (starke Schmerzen) anders ein. Die Diagnosen werden aber sehr allgemein gehalten. Gleichzeitig kann ein Symptom auf viele unterschiedliche Krankheiten hindeuten.

Andere Umstände

Nicht umsonst wird die Zeit der Schwangerschaft auch „andere Umstände“ genannt. Eine nicht alltägliche Situation, bei der den meisten von uns Vergleichswerte fehlen, gleichzeitig lässt uns die Hormonumstellung und all die damit einhergehenden Veränderungen oftmals dünnhäutiger werden. Viele Einträge stammen nicht von Medizinern. Auch wird wahrscheinlich keine Schwangere einen Artikel verfassen, der da lautet „hatte Kopfschmerzen und am Ende stellte es sich als Wasser- und Bewegungsmangel heraus.“ Die Suchergebnisse liefern dementsprechend oftmals nur Einträge die direkt auf gefährliche, schwere Krankheiten hinweisen. Man spricht heutzutage nicht mehr nur vom Nocebo-Effekt, bei dem Befürchtungen und negative Gedanken die Heilung von Krankheiten verlangsamen oder das Auftreten von Symptomen und Krankheiten begünstigen können. Es gibt mittlerweile den Begriff

Cyberchonder-Effekt

Beim Cyberchonder-Effekt reden sich Menschen, aufgrund scheinbar einfacher Krankheitssymptome und schlüssig klingender Erklärungen, Krankheiten ein.
Mittlerweile gibt es viele Studien, die zeigen, dass die Ratsuchenden sich oftmals verlieren und hinterher oftmals besorgter sind. Jedes Mal, wenn du als werdende Mutter besorgt oder ängstlich bist, wird auch der Fötus mit den entsprechenden Hormonen geflutet. Bevor man sich in ängstlichen Gedanken oder Befürchtungen verliert lieber kurz die Hebamme oder den Arzt zu Rate ziehen. Das Gedankenkarussell über ruhige Atmung stoppen.

Natürlich gibt es auch seriöse Quellen und die Recherche kann die Möglichkeit eröffnen, das Wissen über eine Diagnose tiefer zu verstehen oder nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten zu suchen. Am Ende muss es jede für sich abwägen, aber bei Krankheitssymptomen empfiehlt es sich immer deine Hebamme und/oder dein*e Ärzt*in zu fragen.

Den zweiten Teil des Interviews lest ihr am Freitag um 9 Uhr im Magazin.

Mehr erfahr ihr auf der Homepage von Katharina Pahl

Beitragsfoto: Katharina Pahl

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