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August 1, 2020 9:00 am

Ist Polio heute noch eine Gefahr?

Liebe Mamas, liebe Papas,

die Impfung gegen die Kinderlähmung ist auch heute noch eine wichtige, empfohlene Impfung. Zwar gilt die europäische Region seit 2002 als Poliomyelitis-Virus frei, aber der Virus ist in anderen Ländern nach wie vor eine Bedrohung. Besonders in einigen Ländern Afrikas, Asiens, Pakistan und Afghanistan mit niedrigen Hygienestandards und hoher Bevölkerungsdichte. Auch Kriegsgebiete und Flüchtlingslager bieten einen Nährboden für die Verbreitung des Polio-Virus. Durch unsere globale Vernetzung und Reisemöglichkeiten kann es also täglich vorkommen, dass das Virus importiert wird. Die letzten Fälle hatten wir in Deutschland 1992 durch einen Import aus Ägypten und Indien.

Ein kleiner Exkurs in die Medizingeschichte:

In meiner Ausbildung Ende der 1980-iger Jahren war die eiserne Lunge in der Behandlung der Polioerkrankung noch sehr nah in der Erinnerung der lehrenden Ärzte. Die eiserne Lunge, war die Beatmungsmaschiene, die den Polioerkrankten das Leben retten konnte, wenn das Virus zur Atemlähmung geführt hatte. 

Von Everett Collectionshutterstock.com

Bei der Beatmung mit der eisernen Lunge lag der ganze Körper des Patienten bis auf den Kopf komplett im Inneren eines Hohlzylinders. Das Gerät schloss am Hals luftdicht ab und „beatmete“ den Patienten mittels physikalischer Kräfte aus Über- und Unterdruck. Heute haben wir zum Glück moderne Beatmungsgeräte und Patienten müssen nicht mehr in einem Hohlzylinder eingesperrt sein.

Das Poliomyelitis-Virus

Das Poliomyelitis-Virus gehört zu der Gruppe der Entero- Viren und vermehrt sich im Magen-Darmtrakt. Es wird hauptsächlich über Schmierinfektion oder den fäkal-oralen Weg übertragen. Verschmutztes Trinkwasser, schlechte Handhygiene, verschmutzte Gegenstände und Nahrungsmittel sind Infektionsherde. Gelangt das Virus in den Magen-Darm-Trakt eines Menschen, vermehrt es sich dort sehr schnell und umfangreich. Nach ca. 72 h wird es in großer Menge über den Stuhl ausgeschieden.

Virus gelangt in das zentrale Nervensystem

Vom Darm gelangen die Viren über das Blut in das zentrale Nervensystem. Ziel des Virus sind die Zellen der grauen Substanz des Rückenmarks und des Gehirns. Die Zellen der grauen Substanz des Nervensystems sind für die motorischen Funktionen zuständig. Diese Nervenzellen steuern die Innervation von Muskeln für die Bewegung der Gliedmaßen und der Atemmuskulatur. In der Folge der Infektion kommt es zu Entzündungen und Ausfällen der betroffenen Muskelgruppen. Lähmungserscheinungen und der Schwund der Muskeln können die Folge sein.

Die Erkrankung führt zum Tode, wenn die Atemmuskulatur ausfällt. Bei 95% der Patienten verläuft die Erkrankung aber zum Glück ganz ohne Symptome, wenngleich sie Überträger der Infektion sind. Bei 1-2 % der Patienten kommt es nach ca. 3-7 Tagen zu folgenden Symptomen, die einer Hirnhautentzündung oder einer starken Grippe ähneln:

🔹Hohes Fieber

🔹Halsschmerzen, Gliederschmerzen

🔹Übelkeit und Appetitlosigkeit

🔹Kopfschmerzen

🔹Lichtempfindlichkeit

🔹Nackensteifigkeit

Die paralytische Kinderlähmung ist die schwerwiegendste Verlaufsform der Poliomyelitis: 0,1-1 % der Patienten sind betroffen. Hier treten zusätzlich schnelle oder schrittweise schlaffe Lähmungen der Extremitäten auf. Im Verlauf kommt es zur zentralen Lähmung der Atemmuskulatur. Ohne Beatmung führt die Infektion mit dieser Komplikation zum Tode.

Prophylaxe:

Die einzige wirksame Vorsorge ist die Impfung. Einen wirksamen Impfschutz gibt es seit 1950. Damals wurde die flächendeckende Schluckimpfung eingeführt. Diese Impfung war noch eine Impfung mit dem abgeschwächten, lebenden Krankheitserreger.  Leider gab es damals noch die Gefahr, dass sich das Umfeld des Geimpften, das keine Antikörper gegen den Erreger hatte über den Stuhl des geimpften infizieren konnte. Besonders Eltern von frisch geimpften Säuglingen und Kleinkindern konnten sich beim Wickeln leicht infizieren. Um diese Impfkomplikation zu vermeiden, werden in Deutschland seit 1998 nur noch inaktivierte Poliovakzine verabreicht. Die Impfung erfolgt nach dem empfohlenen Impfkalender der STIKO des Robert-Koch-Institutes.

Bei Reisen in gefährdete Länder sollte ihr euren Impfschutz dringend überprüfen lassen!

Liebe Grüße Eure Stefanie 

Beitragsfoto: Von Billion Photosshutterstock.com

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