Kolumne: Mrs. FamilyPunk schreibt

Kita – ja, nein, jein?

Macht wieder auf!

Vor 4 Wochen schossen sie wie Pilze aus dem Boden, die Petitionen, die forderten: macht die Kitas und Schulen wieder auf! Jetzt ist es so weit: Kitas und Schulen öffnen langsam aber sicher ihre Pforten. 

Öffnung à la Förderalismus

Seit Mitte Mai fahren die Bundesländer die Kitabetreuungskapazität wieder hoch und das sehr unterschiedlich: Bundesländer wie Sachsen-Anhalt bieten ab 2. Juni wieder eingeschränkte Regelbetreuung gemäß des gesetzlichen Anspruches an. Andere, wie z.B. Schleswig-Holstein, begrenzen die Auslastung der Kitas aktuell auf 55%. Bayern, eines der am stärksten von Infektionen betroffenen Bundesländer, öffnet langsamer: neben der ausgeweiteten Notbetreuung dürfen seit 25.5. die Vorschulkinder und ihre Geschwisterkinder wieder in die Kitas gehen, ab 15.6. eventuell auch diejenigen Kinder, die 2021 in die Schule eintreten. 

Nachteil: Wohnort & Kitakonzept

Regionale Unterschiede in den Infektionszahlen und den politischen Vorgaben führen nun also zu einem Flickenteppich an Kinderbetreuung. Eltern, die in einem Bundesland arbeiten, aber in einem anderen wohnen, sind möglicherweise von anderen Regeln betroffen als Kolleg*innen, die vor Ort leben. Und auch innerhalb einiger Bundesländer dürfen Kitas weitgehend selbst entscheiden, wie sie die Regularien einhalten: tageweise oder wochenweise Wechsel der Betreuung oder Vormittags- und Nachmittagsschichten. Es bleibt zu hoffen, dass Arbeitgeber*innen mit dieser Ungleichbehandlung klug umgehen und sie z.B. in den Personalprozessen für Beförderung, Versetzung und Co. entsprechend berücksichtigen. 

Kita – und dann?

Für viele Eltern dürfte die zunehmende Öffnung ein Aufatmen auslösen, für das Wohl der Kinder und auch für das eigene Seelenheil. Ich selbst freue mich auch darauf, mich wieder Vollzeit dem Aufbau von FamilyPunk zu widmen. Und dennoch beschleicht mich das Gefühl, wir könnten uns die Kitaöffnung schönreden. 

Das Kind mit leichter Schniefnase in die Kita schicken? Früher kein großes Thema, solange das Kind ansonsten fit und fidel war. Das wird so nicht weitergehen: auch leicht erkältete Kinder werden wohl bis zum vollständigen Abklingen der Symptome zu Hause bleiben müssen. Und die Geschwisterkinder, kommen die dann auch in Schnupfnasen-Quarantäne? Was ist, wenn ein Kind an CoVid-19 erkrankt ist – macht dann die gesamte Einrichtung wieder 2 Wochen zu oder nur die betroffene Gruppe?

Mir graut es vor den Viren

Ich bin hin- und hergerissen, wo unsere Kinder jetzt am besten aufgehoben sind. Wir haben drei Jungs mit kleinem Altersabstand – für Spielkameraden ist also gesorgt. Trotzdem fehlen natürlich Freunde und auch ältere Kinder als Vorbilder. Sorgen macht mir weiterhin die Ansteckungsgefahr für die Kinder und auch für uns Eltern. Mit der Rückkehr in die Kinderbetreuung wird jegliches Gefühl von “Kontrolle” dahin sein. 

Selbst wenn auch wir ab Mitte Juni zumindest zwei unserer drei Jungs wieder in den Kindergarten bringen werden: der normale und durchgängige Regelbetrieb dürfte wohl noch eine Zeitlang die Ausnahme bleiben – und die fehlende Planbarkeit wird eine Herausforderung bleiben. Es ist weiterhin Jonglieren angesagt.

Und die Forschung so?

Ob Kinder mehr oder weniger ansteckend sind, ob sie also die nächste Infektionswelle eher beschleunigen oder kaum beeinflussen, ist unter Forscher*innen weiterhin umstritten. In einer Stellungnahme von fünf großen medizinischen Gesellschaften und Berufsverbänden** schreiben die Autoren: “Verschiedene Untersuchungen ergeben ein zunehmend schlüssiges Bild, dass Kinder in der aktuellen CoVid-19-Pandemie im Gegensatz zur Rolle bei der Influenza-Übertragung keine herausragende Rolle in der Ausbreitungsdynamik spielen.” Christian Drosten, Chef-Virologe der Berliner Charité, widerspricht in einem Statement diesen Aussagen. Da soll noch einer schlau werden. 

Ob die 2. Welle kommt oder nicht, ob unsere Kinder eher dazu beitragen werden, sie zu verbreiten oder nicht, ob wir sie in die Betreuung schicken sollen oder lieber irgendwie weiterhin heimbetreuen sollen: es ist ein Drahtseilakt. Die Frage ist nur: wer stellt für uns Eltern das Sicherheitsnetz?

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**Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene, Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin, Gesellschaft für Hygiene, Umweltmedizin und Präventivmedizin und Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte in Deutschland

Autorin: Dr. Jutta Merschen, Co-Founder & CEO FamilyPunk

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Beitragsfoto: Von Dmitri Mashutterstock.com

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