Eltern, vor allem VÄTER, lest vor!

Knapp zehn Jahre lang war das abendliche Vorlesen mein alleiniger Zuständigkeitsbereich. Früher habe ich erst meinem Sohn, dann meiner Tochter vorgelesen, bis mein Sohn irgendwann zu mir sagte: „Papa, ich glaube, du brauchst mir jetzt nicht mehr vorzulesen.“ Bei meiner Tochter klang es einige Jahre später so: „Papa, ich komme jetzt ja in die sechste Klasse, und ich lese nun allein.“

Jahrelanges Vorleseritual

Vor allem der Satz meiner Tochter war… schlimm! Er beendete – ein drittes Kind habe ich nicht – ein jahrelanges Ritual, das für mich ebenso wichtig war wie für meine Kinder. Und die Selbstverständlichkeit, mit der sie sich von diesem Ritual abnabelten, empfand ich fast schon als brutal, was sie nicht wissen konnten.

Denn Vorlesen ist aus vielerlei Gründen etwas Wunderbares!

Erstens kann man im Vorlesen eine Art Meditation sehen: einfach mal abschalten, das Smartphone ausschalten und sich eine tägliche Auszeit gönnen. 

Vorlesespaß

Zweitens bringt das Vorlesen einfach Spaß! Es gibt Bücher, die lassen sich wie in einem Rausch vorlesen. Es ist sogar eine Herausforderung, sowohl dem Räuber Hotzenplotz als auch Voldemort oder den Brüdern Löwenherz eigene Stimmen zu geben. Und wenn jemand im Buch schreit, darf man auch ein wenig schreien. Wenn jemand kreischt, kreischt man. Wenn jemand schnaubt, schnaubt man. Sobald man vorliest, hat man die einzigartige Chance, all das ungestraft und mit bestem Gewissen zu tun. Je mehr man schnaubt, schreit, seufzt, brüllt, flucht, flüstert… desto begeisterter ist das Kind. Und schon ist aus der Meditation eine Party geworden. Eine Vorleseparty. 

Vorleseparty

Drittens ist man während einer solchen Party seinen Kindern so nah wie sonst eigentlich  nie im Alltag – deshalb sollte aus dem Vorlesen unbedingt ein Alltagsritual werden, wenn es das nicht schon lange ist. Väter wissen leider viel zu oft nicht, wie befriedigend und befreiend das Vorlesen wirklich ist: Laut verschiedener Statistiken finden es Väter zwar wichtig, dass ihren Kindern vorgelesen wird, aber sie überlassen das Vorlesen noch immer viel zu oft den Müttern. 

Auch Väter sollten vorlesen

Und das ist ein Problem! Denn Väter sollten als Vorleser nicht dauerhaft durch die Mütter ersetzt werden. Warum? Ganz einfach: Schon in der Kita lesen in 90% aller Fälle Erzieherinnen vor. Und wer liest ihnen in der Grundschule vor? Richtig, ihre Lehrerin. (Danke übrigens an alle diese engagierten Frauen – einigen Kindern würde sonst gar nicht vorgelesen werden.) Und zu Hause lesen dann ausschließlich die Mütter vor? Bitte nicht! Spätestens dann wird nicht nur das Vorlesen, sondern auch das Selbstlesen in den Augen vieler Jungs irgendwann nichts anderes als ein Mädchending sein. Und gerade den dauerzockenden Jungs täte ein täglicher Rückzug in eine Geschichte, die sich nicht auf einem Bildschirm abspielt, sondern im eigenen Kopf, unglaublich gut. (Und dass Lesen klüger macht, weiß eh jeder, weshalb ich darauf gar nicht weiter eingehe…)

Luna, ein Fliegenpilz im Erdbeerkleid

In meinem Kinderbuch Luna, ein Fliegenpilz im Erdbeerkleid gibt es eine Szene, in der Lunas Papa Luna vorliest. Wahrscheinlich habe ich diese Szene geschrieben, weil ich noch oft an die Vorlesezeit zurückdenke. Am Ende der Vorleseeinheit zanken sich Luna und ihr Papa, weil er nicht aufhören soll. Schließlich liest er weiter – Luna hat sich (mal wieder) durchgesetzt! So war es bei uns nicht nur manchmal, sondern immer!

Mehr von Arne Ulbricht findet Ihr hier

Hier geht es zu meiner Rezension von Luna – Ein Fliegenpilz im Erdbeerkleid

Bestellen kann man Luna hier

Beitragsfoto: talent! 2014© Lesung vor jungen Journalisten in Berlin

Beitragsfoto: Von LightField Studios shutterstock.com

Fotos im Beitrag: Kirsten Hilling, Babywelt Messe Frankfurt

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