Das aufregendste Vorlesevergnügen aller Zeiten!

Nun hat dieser Arne Ulbricht, also ich, geschrieben, dass Väter vorlesen sollen… ja sogar müssen! (Vor allem ihren Söhnen, weil den Jungs sonst oft die männlichen Lesevorbilder fehlen.) Aber was denn bloß? Es gibt natürlich tausend tolle Bücher zum Vorlesen (die auch für Mütter geeignet sind). Bevor ich zum aufregendsten aller Vorleseabenteuer komme, hier ein paar Vorlesetipps für verschiedene Altersstufen:

Pixiebücher

Pixibücher gibt es schon für Kinder ab eins. Die Rittersport aller Kinderbuchreihen. Passen in jede Hosentasche, und es gibt immer wieder vollkommen durchgeknallte kleine Heldinnen und Helden. Mein Lieblingstitel hieß übrigens: Prinzessin Horst

Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat – das ist echte Vorleseweltliteratur! Habe ich meinen Kindern zum ersten Mal im Alter von anderthalb vorgelesen und dann noch gefühlte achthundertmal. In dem Buch geht es, salopp gesagt, von Seite eins an um… Kacke. Herrlich. Wenn es das Buch als Fünfhundertseiten-Roman für Erwachsene gäbe, würde ich ihn sofort kaufen.

Astrid Lindgren geht immer. Mein Sohn hat mit dreieinhalb geweint, als ich ihm Guck mal, Madita, es schneit vorgelesen habe, und ich hätte fast mitgeweint, weil ich mir immer vorgestellt habe, dass dieses kleine Mädchen, das sich im Schneegestöber im Wald verirrt, mein eigenes Kind ist. Dann kommen die Michel-Geschichten, später Ronja, Die Brüder Löwenherz und selbst Kalle Blomquist ist trotz seiner altertümlichen Ermittlungsmethoden noch unfassbar spannend und deshalb unbedingt vorlesenswert. 

talent! Tage Berlin, Junge Medienmacher, Deutsche Telekom Stiftung, Gespraechsrunden mit Fachleuten und geladenen prominenten Gaesten,

Otfried Preussler: Hotzenplotz ist und bleibt unsterblich und wird selbst dann noch vorgelesen werden, wenn es keine Bücher mehr gibt. Allein die Namen sind der Knaller: Auf Petrosilius Zwackelzahn muss man erstmal kommen. Und Väter… lest diesen Hotzenplotz ganz, ganz, ganz knurrig. Das bringt Spaß! Und eure Kinder werden toben vor Begeisterung. Super geeignet für Kinder ab sechs, und mit zehn liest man ihnen dann das düstere Krabat vor.

HARRY POTTER

Ich könnte auch noch viel über Michael Ende, Cornelia Funke, Paul Maar und sogar Karl May und ihre Werke schreiben, aber das tue ich an dieser Stelle nicht. Stattdessen komme ich nun zum oben erwähnten ultimativsten Vorlesevergnügen, das es gibt: Ich komme zu HARRY POTTER! Harry Potter-Vorlesen ist wie eine Reise. Und diese Reise ist eine atemberaubende Weltreise. Es ist tatsächlich so, dass Harry Potter vorzulesen kein abendliches Ritual ist, das nach ein paar Wochen sein vorläufiges Ende findet; es ist ein abendliches Projekt. Denn die sieben Bände haben in der Hardcoverausgabe über 4300 Seiten. Rufus Beck hat 8216 Minuten gebraucht, um den gesamten Harry Potter einzulesen. Das entspricht ziemlich genau 137 Stunden.

Vorfreude auf Vorlesesession

Der klassische Fernsehserieneffekt funktioniert bei Harry Potter nicht nur, bei Harry Potter beginnt die Vorfreude auf die abendliche Vorlesesession bereits am Morgen. Auch Bücher machen also süchtig. (Und während des Frühstücks reden Vater und Sohn dann nicht über irgendeinen verschossenen Elfmeter von Hinz oder Kunz, sondern über Harrys Streit mit Ron.) Das Kind wird auf Ewigkeit jegliche Angst vor dicken Büchern verlieren. Denn eigentlich ist ja selbst Der Orden des Phönix mit seinen über 1000 Seiten viel zu kurz.

Lesen ist Abenteuer im Kopf

Wenn man es schafft, das Kind eine Zeitlang von den Filmen fernzuhalten, dann trifft auf Harry Potter in extremem Maße der überstrapazierte Slogan „Lesen ist Abenteuer im Kopf“ zu: Zu gern hätte ich in den Kopf meiner Kinder (ich habe beiden den kompletten Harry Potter vorgelesen), in dem sich eine Zeitlang Elfen, Hippogreife und Werwölfe tummelten, reingeguckt.

Und dann, im sechsten Band, steht dem Vater und dem Sohn ein ganz besonderes, emotionales Erlebnis bevor – ACHTUNG SPOILER: Denn der Sohn wird in Tränen ausbrechen, wenn Dumbledore stirbt. Er wird es tun! Und als Vater möchte man am liebsten selbst heulen, aber das geht ja irgendwie nicht. Also bleibt einem nichts anderes übrig, als den Sohn fest an sich zu drücken und ihm zu erzählen, wie man selbst beim (Fernseh-)Tod von Winnetou dreißig Jahre zuvor in Tränen ausgebrochen ist.

Und auch der härteste Neunjährige wird Harry Potter (man kann in der ersten oder zweiten Klasse anfangen vorzulesen) ab dem vierten Band angemessen gruselig und später sogar grausam finden, und das ist für viele Jungs mit Sicherheit ein Grund, Harry Potter cool zu finden. Und auch wenn es manch ein Vorlesetheoretiker am liebsten leugnen würde – der Coolnessfaktor ist wichtig, um vor allem bei Jungs eine Begeisterung für Bücher zu entfachen.

Aus all diesen Gründen sollten Väter, die nicht freiwillig vorlesen, gesetzlich dazu verpflichtet werden, ihren Söhnen Harry Potter vorzulesen. (Und sie sollten auch ihren Töchtern vorlesen – allerdings haben es Mädchen oft nicht so nötig wie Jungs…)

Mehr von Arne Ulbricht findet Ihr hier

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Beitragsfoto: talent! 2014© Lesung vor jungen Journalisten in Berlin

Beitragsfoto: Von George Rudy shutterstock.com

Fotos im Beitrag: Kirsten Hilling, Babywelt Messe Frankfurt

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