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Januar 7, 2020 9:00 am

Kolumne: Lunas Papa

Rollentausch – Es gibt nichts Schöneres als Vatersein!

Im neuen Jahr starten wir gleich mit einer Papa Kolumne für Euch, bislang sind es immer die Mamas gewesen, die uns mit ihren Kolumnen bereichert haben, ab sofort soll auch ein Papa aus Leidenschaft bei uns zu Wort kommen.

Wir begrüßen den Papa aus Leidenschaft, Schriftsteller und Lehrer, Arne Ulbricht und übergeben ihm sofort das Wort.

Elternzeit anno 2007

Kurz nach der Einführung der Elternzeit im Jahr 2007 nahm ich nicht die zwei „Vätermonate“, sondern blieb am Ende 15 Monate komplett zu Hause, während meine Frau acht Wochen nach Geburt unseres zweiten Kindes beruflich wieder voll einstieg. Warum bin eigentlich ausgerechnet ich zu einem der ersten Elternzeitpioniere geworden und bis heute Kinderbeauftragter geblieben?

Ganz einfach: Meine Frau hatte schon immer beruflich konkrete Vorstellungen, während ich davon träumte, Starschriftsteller zu werden. Die Sache mit dem Starschriftsteller-Werden klappte allerdings nicht so gut. Also blieb mir gar nichts anderes übrig, als mich viel um unser erstes und sehr viel um unser zweites Kind zu kümmern und meiner Frau den Rücken freizuhalten.

Mutterfreundin

Die Elternzeit – wir lebten damals in Berlin – fand ich, als die ersten Wochen vorbei waren und ich mich an alles gewöhnt hatte, richtig cool! Ich meldete mich gleich im PEKIP-Kurs an (da krabbeln die Kinder bei tropischen Temperaturen auf Matratzen herum und pinkeln manchmal alles voll), wo ich erstens akzeptiert wurde, und ich zweitens eine Mutter kennenlernte, die meine erste Mutterfreundin wurde.

Viele Jahre lang kommunizierte ich quasi ausschließlich mit Müttern. Meine Frau sprach in diesem Zusammenhang durchaus anerkennend von meinem „Mütternetzwerk“. In meinem Tastenhandy waren tatsächlich ein Dutzend Nummern von Müttern eingespeichert, und wenn mal eine Mutter aufs Festnetz anrief und meine Frau den Anruf entgegennahm, sagte sie:

„Warte, ich gebe dir mal meinen Mann.“

Klingt wie eine Idylle? War es natürlich nicht immer.

Ich gehe mit den Kindern zum Arzt

Vor allem über Alltägliches konnten wir herrlich zanken. Aber dass ich mit den Kindern immer zum Arzt ging, störte sie nie, so wie es mich nie störte, wenn sie im Restaurant die Rechnungen bezahlte. Der ganze Rollentausch war zu unserem Leben geworden. Das war unser Konsens. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. (Zumal ich noch immer kein Starschriftsteller bin.)

Hardcorevaterphase

Mich störten in meiner Hardcorevaterphase zwischen 2007 und 2017 andere Dinge. Vor allem störte es mich, nie mit Männern reden zu können, die ebenfalls ihre Frauen arbeiten ließen und sich mit größter Selbstverständlichkeit um die Kinder kümmerten und sich im Notfall am Muttertag als einziger Vater in die Kita setzten, um sich von der Tochter bedienen zu lassen. (Meine Frau war mal wieder auf Dienstreise.) 

Und mich störte, wenn ich gefragt wurde: „Vermisst deine Frau denn die Kinder nicht?“ O Mann! Ist so eine Frage eigentlich jemals einem Vater, der arbeitet, gestellt worden? Oder setzt man voraus, dass ein Vater sein Kind eh nicht vermisst?

Mich störte …..

Und mich störte, dass meine Frau bei einer Bewerbung gefragt wurde: „Wie schaffen Sie das denn mit den Kindern?“ Mein Bruder, der sechs Kinder hat und Professor ist, musste sich eine solche Frage niemals stellen lassen. Warum eigentlich nicht? Ach ja, logisch: Man setzt voraus, dass die Mütter sich ja eh um die Kinder kümmern und nie auf die Idee kämen, trotz Kindern eine berufliche Karriere (was auch immer das im Einzelfall ist) anzustreben.

Und mich störte, als meine Tochter auf meinem Arm schrie und sich eine Frau jenseits der sechzig zu uns umdrehte und meine Tochter (zu dem Zeitpunkt ein Jahr alt) fragte: „Na, fehlt dir deine Mutter?“ Als fehlten all den brüllenden Kindern auf den Armen der Mütter der Vater.

Rollentausch ist super spannend

Rollentausch ist super spannend. Und vor dem Hintergrund, dass viel mehr Mädchen Abitur ablegen als Jungs und viel mehr Frauen als Männer Medizin und Jura studieren und damit wahrscheinlich oft mindestens genauso viel oder mehr verdienen könnten als die Väter ihrer zukünftigen Kinder, sollten mehr Paare einen Rollentausch wagen.

Nicht nur, weil es sich finanziell lohnt. Sondern weil ein Rollentausch einen unschlagbaren Vorteil hat: Die Mutter, in dessen Bauch das Baby rumgeschwommen ist, bleibt IMMER eine superenge Bezugsperson. (Vor allem, wenn sie stillt und sich das Baby zu diesem Zweck in der Mittagspause vorbeibringen lässt.) Diese Nähe kann ihr der Vater gar nicht streitig machen. Wenn ein Vater sich von Beginn an ums Kind kümmert, wird aber auch er sehr schnell zu einer superengen Bezugsperson. Dann können Mutter und Vater das Baby ins Bett bringen und beruhigen usw., und das ist einfach etwas Wunderbares.

So sieht es heute aus

Inzwischen sind meine Kinder 12 und 16. Seufz. Meine Tochter hole ich noch vom Cello ab, weil sie dieses Riesending nicht durch die Stadt tragen möchte, und ich gehe mit ihr zum Kieferorthopäden. Und mit meinem Sohn? Mit dem gehe ich manchmal ins Theater. Und bald gehe ich mit ihm zu einem Konzert der britischen Band New Model Army. (Höre ich seit 1990!) Da werde ich mit ihm auch ein Bier trinken… und gleichzeitig daran denken, wie schön es war, als ich mit ihm Lego gebaut habe und mit meiner Tochter zweimal pro Woche im Zoo gewesen bin.

Mehr von Arne Ulbricht findet Ihr hier

Hier geht es zu meiner Rezension von Luna – Ein Fliegenpilz im Erdbeerkleid

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Beitragsfoto: talent! 2014© Lesung vor jungen Journalisten in Berlin

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