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Juni 12, 2020 9:00 am

Kolumne: Mrs. FamilyPunk schreibt

Väter: Lean in. Mütter: Lean out. 

Liebe Männer, was für Väter wollt ihr sein?

Das Buch, mit dem Sheryl Sandbergs schlagartig auch außerhalb von Facebook bekannt geworden ist, heißt “Lean in – Frauen und der Wille zum Erfolg.” Der Titel suggeriert, dass es dabei vor allem um die Frauen geht. Tut es natürlich in weiten Teilen, aber Sandberg hat einen Punkt sehr gut verstanden: dass wir Frauen in einigen Bereich den Männern das Feld viel mehr überlassen müssen, um selbst Zeit und Raum und Muße zur Selbstverwirklichung zu haben. Welches Feld? Die Familien- und Carearbeit. 

Nein, die Mama macht’s

Jede Familie ist anders. Ihr kennt sie vielleicht auch, die Familien, in denen die Mutter sagt, ihr Partner könne die Kinder nicht ins Bett bringen. Und die deshalb seit Jahren keinen einzigen Abend unterwegs war, weil die Abendroutine dann in Tränen, Geschrei und Gezeter enden würde. Cool moms don’t judge. Daher sage ich auch nicht: wie kann man nur? Ich sage nur: es muss nicht sein, wenn du es nicht so willst. Einigen Stress machen wir Mütter uns selbst, indem wir das umgekehrte Sandbergsche Prinzip nicht beherzigen: “Lean out zur rechten Zeit, damit etwas von Dir übrig bleibt.” 

Die Worte hör’ ich wohl…

Wie soll das gehen, wenn wir Mütter doch die erste innige Bindung mit unseren Kinder schon während der Schwangerschaft entwickeln, die sich dann in vielen Fällen beim Stillen fortsetzt? Das Stillen können Männer nun wirklich nicht besser, aber es ist ja nicht das einzige, was unsere Babys und Kinder brauchen: wickeln, anziehen, umziehen, in den Schlaf begleiten, trösten, spielen, Babyklamotten und andere Babyartikel kaufen, um nur einige Aufgaben zu nennen. Das alles kann auch das andere Elternteil. Wir Moms müssen uns nur sanft gegen “Mach Du das lieber, Du kannst das viel besser” wehren, wenn die ersten zaghaften Versuche nicht funktionieren und unseren Partner machen lassen. Und wir müssen unseren Reflex etwas zähmen, einzugreifen, wenn unsere Partner es dann anders (und in unserer Wahrnehmung vielleicht nicht so gut) machen. Empowerment ist das Stichwort! 

Zwillinge machen das Leben leichter?!

Wir haben als erste Kinder Zwillinge bekommen und für uns war von vorneherein klar, dass wir Familie gleichbeteiligt machen: vom ersten Tag an saßen wir gemeinsam auf der Frühchenstation und haben sie wie kleine, fragile, wundersame Kängurus nackt an der Brust und auf dem Bauch gehabt. Mein Mann hat Fläschchen gefüttert, gewickelt, gebadet, getragen, gespielt, getröstet. Manchmal hatte er das bessere Händchen, manchmal ich – in der Babyzeit und auch jetzt im Kleinkind- und Vorschulalter. 

Umgekehrte Beweislast

Schon lange vor Geburt unserer mittlerweile drei Kinder habe ich gesagt, dass mein Idealbild wäre, dass wir beide 80% arbeiten, uns jede*r einen Tag um uns selbst und die Kids kümmern würden und wir für die restlichen Tage Unterstützung bei der Kinderbetreuung hätten. Vielleicht war diese Manifestation in meinen frühen Dreißigern ein Vorbote meines heutigen Lebenskonzepts, auch wenn ich es natürlich nicht immer genau so umgesetzt habe. Es hat auf jeden Fall dazu geführt, dass wir uns vor Geburt der Zwillinge intensiv damit auseinandergesetzt haben, wie für uns Vereinbarkeit aussieht.   Wenn es sich jetzt so anhört, als wäre mein Mann immer und allen meinen Gleichbeteiligungsideen gegenüber aufgeschlossen gewesen: mitnichten. Wir haben viel diskutiert, verhandelt, austariert und tun das permanent. Und ja, es ist anstrengend, in den letzten Monaten mehr denn je. Und manchmal werden wir auch von außen komisch angesehen für unsere Entscheidungen als Eltern. 

Und jetzt?

Auch wenn ihr als Eltern mit einer anderen Aufteilung gestartet seid: es ist nie zu spät, einen Prozess der Gleichbeteiligung zu starten. Das wichtigste in meiner Erfahrung ist es, zu reflektieren, was beide Elternteile im Leben wollen. Denn Vereinbarkeit ist nicht nur eine Frage der Kinderbetreuung. Es geht um den Entwurf eines gemeinsamen und gleichberechtigten Lebenskonzepts unter Eltern.  Wichtig ist der Grundsatz: es gibt kein absolutes Richtig und kein Falsch in der Kindererziehung, solange sie gewaltfrei ist. Bei der Organisation des täglichen Chaos gilt dieser Grundsatz schon erst recht. Es gibt kein besser, nur ein anders. 

Freiheit, die ich brauche – oder: Einfach nicht hinschauen

Als die Zwillinge 6 Monate alt waren, war ich das erst Mal ein Wochenende weg – mit einer Freundin in Venedig, zur Biennale und die beiden Jungs waren zu Hause mit ihrem Papa. Erwartungsgemäß waren alle wohlauf und quietschfidel, als ich 72 Stunden später wieder zu Hause war. Und er musste weder mich, noch seine Mutter zur telefonischen Hilfestellung anrufen. Weil er einfach wusste, was zu tun ist. Ein Vorteil war auch: ich war auch nicht da, um ihm “auf die Finger zu schauen”. Er hat sein Ding gemacht. Manchmal ist nicht hinschauen die bessere Strategie als ständig coachend einzugreifen.  Es ist gut für Kinder, mit verschiedenen Erziehungsstilen konfrontiert zu werden. So ist es später auch im Erwachsenenleben. 

Daher: Moms, Lean out. Dads, Lean in. Am besten vom ersten Tag an. 

Über FamilyPunk

Wir von FamilyPunk verstehen uns als Parent Empowerment Company: wir wollen das Bild, das Eltern von sich selbst haben und dass die Gesellschaft von ihnen hat, positiv beeinflussen. Wir sprechen mit Eltern, wir hören ihnen zu und diese Gespräche sind die Basis für die Entwicklung unserer digitalen Produkte und Angebote.

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Autorin: Dr. Jutta Merschen, Co-Founder & CEO FamilyPunk

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Beitragsfoto: Photo by Juliane Liebermann on Unsplash

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