Deutschland ist bunt: Wie sprechen wir mit unseren Kindern über Bodyshaming?

Wir Eltern sind dafür da, um unseren Kindern dabei zu helfen, die Welt zu verstehen. Manchmal fehlen uns aber selbst die Worte oder die Erfahrungen, um Dinge richtig einzuordnen. Diese Reihe im Barrio-Magazin soll dabei helfen. 

Was ist Bodyshaming überhaupt?

Unter Bodyshaming versteht man das Kritisieren der Körper anderer Menschen. Wenn wir das Gewicht, das Aussehen und die Körperform Anderer kommentieren, bodyshamen wir.  Dabei ist es egal, ob ein Kommentar als Witz oder nicht böse gemeint war. Wichtig ist, wie unsere Worte ankommen. Wenn ein Halbsatz über einen Körper einer anderen Person verletzt, kann das tiefe Narben hinterlassen. Deshalb sollten wir mit unseren Kindern über Bodyshaming sprechen.

Warum ist das wichtig?

Wenn wir wieder und wieder über andere Leute und ihre Körper sprechen, statt mit ihnen, zerstören wir ihr Selbstbild. Sie lernen, dass es nicht um ihre inneren Werte geht, sondern darum, wie ihr Körper von anderen Menschen gefunden wird.  Bodyshaming ist aber nicht nur ein Problem für die Menschen, die beleidigt werden. Indem wir immer wieder negativ über fremde Körper denken, schärfen wir den Blick für unsere eigenen Makel. Plötzlich ist es nicht mehr nur die fremde Person, die wir verletzen. Wahrscheinlich stehen wir sehr bald selbst vorm Spiegel und arbeiten uns an unseren „Fehlern“ ab.

Über Bodyshaming sprechen

Wir müssen also mit unseren Kindern über Bodyshaming sprechen. Leider ist das Abwerten fremder Körper gang und gäbe. Also sollten wir unseren Kindern mit an die Hand geben, wie sie sich verhalten können, wenn ihnen Bodyshaming begegnet und was sie stattdessen tun können.

Wie wir über uns selbst sprechen

Wie gesagt betrifft ein großer Teil von Bodyshaming uns selbst. Also beginnt das Gespräch über das Äußere im Inneren.  Wir überlegen: wie spreche ich über mich und meinen Körper? Halte ich mich für weniger wert, wenn ich ungeschminkt, unfit oder nicht gesund bin? Vermittle ich dieses Menschenbild auch meinem Kind?

Dabei geht es nicht unbedingt um das, was wir bewusst zu unseren Kindern sagen. Junge Menschen sind sehr gut darin, innere Haltungen, kleine Blicke und dahingesagte Halbsätze aufzuschnappen. Wenn diese Halbsätze regelmäßig fallen, werden unsere Kinder sie verinnerlichen und als „die Wahrheit“ annehmen. Wir haben hier also die Macht, das Selbstbild unserer Kinder ganz automatisch zu stärken. Und zwar, indem wir liebevoller mit uns selbst und unserem Körper sind.

Wie wir mit unseren Kindern sprechen

Was passiert, wenn wir eine Situation erleben, in der unser Kind beleidigt wird, oder schlimmer noch, selbst die Körper Anderer kritisiert? Hier heißt es, klare Worte finden. Über die Körper von anderen zu urteilen, ist nicht okay. Wie wir aussehen, sagt nichts darüber aus, was für ein Mensch wir sind. Und das gilt auch für alle anderen.

Statt über die Körper der anderen zu urteilen, macht es Sinn, über sich selbst zu sprechen. Wie geht es mir gerade? Was brauche ich? Wie fühle ich mich? So kann Kommunikation und Verbindung an die Stelle von Verurteilung treten. Denn vielleicht ist der Mensch, der in diesem Körper steckt, den wir gerade kritisieren, richtig nett und interessant? Das können wir (und unsere Kinder) erst lernen, wenn wir hinter die Fassade schauen. Das funktioniert, indem wir von uns selbst erzählen. Denn das sorgt meist dafür, dass unser Gegenüber von sich spricht. So können wir einander wirklich kennen lernen.

Übung: Das Komplimente-Bad

Eine kleine Übung, die helfen kann, Bodyshaming-Erfahrungen zu verarbeiten, ist das Komplimente-Bad. Kleinere Kinder brauchen hierbei die Unterstützung ihrer Eltern, ältere können die Übung ganz allein durchführen.

Wir setzen uns mit unseren Kindern in einer ruhigen Minute zusammen und sammeln alles, was sie an sich (oder wir an ihnen) lieben. Hierbei werden nicht nur äußere, sondern auch Persönlichkeitsmerkmale gesammelt. Wenn die Ideen nicht richtig fließen wollen, hilft es, Kategorie für Kategorie vorzugehen:

  • Was magst du an deinem Gesicht?
  • Was kannst du besonders gut in der Schule?
  • Was beim Toben?
  • In welchen Spielen bist du besonders gut?
  • Bist du besonders kreativ oder sehr mutig?

Sammelt alle Eigenschaften auf einem Blatt. Dort steht, was euer Kind eigentlich ausmacht. Dieser Zettel kann bei Bedarf herausgeholt werden und Trost spenden, oder sogar gut sichtbar an der Kinderzimmerwand hängen.

Josephine Bernstein

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Ebenfalls in „Deutschland ist bunt“ erschienen

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