Die Autorin Corinna Weber hat das Schlimmste erlebt, was eine Mutter erleben kann. Keiner von uns kann sich vorstellen, was sie durchmacht. Mit Muddis Welt hat sie für sich einen Weg gefunden mit ihrer Trauer umzugehen.

Ich werde oft mit solchen Sätzen angesprochen: „ich bewundere deine Kraft“, „wie machst du das bloß?“, „ich könnte das ja nicht“, „du bist so stark, wirklich bewundernswert“ oder auch gerne „also ICH würde ja durchdrehen!“ Und wisst ihr was? Alle diese Sätze beinhalten das, was ich meiner Umwelt suggeriere. Das, was ich an wahren Gefühlen in der Öffentlichkeit zulasse. Nämlich so gut wie keine. Warum aber bekomme ich solche Sätze gesagt? 

Das Schlimmste, was einer Mutter passieren kann

Ich habe das Schlimmste erlebt was einer Mutter passieren kann: Ich habe mein Kind verloren!  

Elf Tage vor ihrem zweiten Geburtstag wurde sie von einem Auto überfahren. Die ersten Stunden danach war ich wie in einer Art Seifenblase, alles erschien gedämpft, unwirklich, wie in einem Alptraum aus dem ich verzweifelt versuchte, wach zu werden (wobei es mir heute ganz oft noch genauso geht). Einen Tag später holte mich die Erkenntnis dann mit voller Wucht ein. Ich war nicht mehr Herr meiner Sinne, schrie und weinte nur noch und bewerkstelligte die darauffolgenden Tage nur mit Hilfe meiner Familie, Freunde und einer ziemlich hohen Dosis Beruhigungsmittel.

Ich wünschte ich würde wieder Luft zum Atmen bekommen

Ich weiß noch das ich mir damals wünschte, die Zeit möge ganz schnell vorbeigehen. Ich erhoffte mir damit, dass dieser grausame Schmerz endlich etwas nachlassen würde. Das ich wieder etwas mehr Luft zum Atmen bekommen würde und voller Liebe und mit einem Lächeln auf den Lippen an sie denken könnte, ohne dass ich kurz vorm Durchdrehen bin. Mittlerweile sind 13 Monate vergangen. Und wer hätte es gedacht? Der Schmerz ist noch da, manchmal schlimmer als zuvor. Ja, die Qualität des Schmerzes hat sich verändert. Er fühlt sich nicht mehr ganz so „vernichtend“ an wie die ersten Tage. Jetzt ist es die unstillbare Sehnsucht und die „was wäre wenn“-Gedanken, die überwiegen und drohen, einen von innen her aufzufressen. 

Ich kann nur schwer Erinnerungen zulassen

Aber greifbare Erinnerungen an meine kleine Ronja, liebevoll „Krawalli“ genannt, sind nach wie vor etwas, was ich nur ganz schwer zulassen kann. Ich kann mir kaum Bilder, geschweige denn Videos von ihr ansehen ohne wie ein kleines Kind zu weinen. Dort ist sie noch ganz nah bei mir, so lebendig, voller Lachen und Liebe. Und ganz schnell holt mich dann die unfassbare Wirklichkeit wieder ein: sie kommt nie mehr zu zurück! Also, warum bin ich dann „stark“, „bewundernswert“ oder sogar „mutig“?

Mit meiner Trauer umgehen

Ich habe für mich einen Weg gefunden mit meiner Trauer umzugehen. Ganz wunderbar kann ich über sie und vor allem MIT ihr reden. Sie ist ein großer Teil meines Alltags, ist überall dabei, manchmal fast greifbar nah. Ich stelle mit gerne vor, sie befindet sich hinter einem ganz dünnen Vorhang wo ich sie zwar nicht sehen oder hören kann, sie aber trotzdem immer bei mir ist.

Ich habe angefangen zu schreiben, Bücher über uns und unsere Geschichte. Und da gehört sie natürlich dazu. Und ich schreibe Geschichten in denen ich ihr ermögliche auf eine Art und Weise weiterzuleben, die ich mir für sie hätte vorstellen können oder gewünscht hätte. Das alles mache ich auch, um sie ein Stück weit unvergessen zu machen, auch für andere. Damit verarbeite ich zwar nichts, aber ich habe etwas zu tun. Dann komme ich nicht ins Grübeln und verfalle nicht in nicht enden wollenden Gedankenspiralen. In denen befindet man sich als trauerndes Elternteil nämlich ziemlich schnell.

Man darf nicht aufgeben

Ich musste lernen, dass es immer irgendwie weitergeht, egal was passiert. Wichtig ist es, immer ein neues Ziel vor Augen zu haben und niemals aufzugeben. Man darf schwach sein, man MUSS trauern, man darf verzweifeln und sich vollkommen hilflos und machtlos fühlen. Aber AUFGEBEN ist keine Option! Das hätten unsere wundervollen kleinen Engel nicht gewollt. Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg des Trauerns, wichtig ist nur, dass man in aller Dunkelheit hin und wieder den ein oder anderen Lichtstrahl sieht. Auch wenn man das Gefühl bekommt, das für Eltern, die ein Kind verloren haben, die Sonne nie wieder richtig hell zu scheinen vermag. Meine Ronja lebt in meinen Erinnerungen für immer weiter und bleibt somit ein ganz lebendiger Teil von mir.

Liebe Corinna, wir danken dir für diesen offenen und ehrlichen Beitrag. Deine Leser lieben dich für deine authentische Art, die trotz allem Mut macht und Lebensfreude ausstrahlt. Wir freuen uns darauf mehr von dir zu lesen. Herzensgrüße

Mehr über die Autorin lest ihr auf ihrer Homepage

Und schaut euch auf jeden Fall Corinnas Adventskalender auf FB oder Instagram an.

Mehr zu Corinna Weber lest ihr im Magazin

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