Ich kann kochen. Das ich das mal sagen und auch noch so meinen würde – hätte ich im Leben nicht gedacht. Israel machts möglich, Israel sei Dank. Na gut, es handelt sich lediglich um Babybrei, aber wir wollen da jetzt nicht kleinlich sein. Nachdem ich voller Entsetzen festgestellt hatte, dass es in ganz Israel keinen Babybrei gibt, bin ich nun stolze Besitzerin einer so genannten Flotten Lotte. Obwohl bei dem Ausdruck in mir alles nach #metoo schreit und ich augenblicklich über Sexismus in der Küche twittern will, versteckt sich hinter dem Begriff in Wahrheit ein metallenes Handpürierrteil. Bestehend aus verschiedenen Siebeinsätzen und einer Kurbel, um das ganze Gemüse durchzudrehen. Die Franzosen machen wohl so Tomatensuppe, hat mir die Verkäuferin im Sarona Market erklärt und damit wäre ja Babybrei nun kein Problem mehr, non? Oui, isses jetzt natürlich nicht mehr – bin ja Profiköchin. Das war auch bitter nötig, denn die vergangenen drei Tage war hier quasi Ausnahmezustand, also nix mit mal eben schnell was einkaufen. Israel hat gefeiert. Neujahr oder Rosch ha-Schana. Da geht dann hier nicht mehr viel. In der Synagoge wird durch ein Widderhorn geblasen und das ist dann der Jahreswechsel ins Jahr 5779. Danach wird dann im Kreise der Lieben gegessen und am nächsten Tag gehts wieder von vorne los.

 

So wurde uns das hier, wohl sehr vereinfacht, erklärt. Und zwar von Menschen die unseren Sohn knutschen wollen. Das ist inzwischen zu einer Art Running Gag zwischen dem Liebsten und mir geworden. Ganz gleich wo wir sind, Strand, Café, Shopping Center, in der Schlange am Saftstand, beim Wickeln … irgendwer kommt immer, mit einer ganz sicher hohen Stimme und quietscht irgendwas. Wir lächeln dann immer fragend und müssen uns dann outen, dass wir nichts verstehen. Kein Problem, das Baby wird dann auf Englisch angequiekt. Nur gut, dass es so entspannt ist.

Das Schöne an Rosch ha-Schana ist, dass Tel Aviv einmal zur Ruhe zu kommen scheint. Fast eine halbe Millionen Menschen leben in der Stadt, hier ist eigentlich immer was los. Aber eben nicht so in den vergangenen drei Tagen. Es war friedlich; es war still. Die meisten Läden hatten geschlossen und eigentlich waren nur Touristen auf den Straßen und so haben wir die Stadt auch nochmal von einer ganz anderen Seite kennengelernt. Wir sind ganz gemütlich durch unser Viertel und die Nachbarviertel spaziert und haben alles in uns aufgesogen. Abends dann, saßen wir mit den anderen Touristen, Deutsche und Amerikaner, in einer Bar – die wohl als einzige offen hatte – und haben uns nett unterhalten. Alles ganz entspannt. Bald ist es aber wieder vorbei mit der Ruhe und die nächste Herausforderung muss gemeistert werden: Wo finde ich einen Waschsalon der es schafft, Babybrei aus all meinen Klamotten zu waschen? In diesem Sinne: Shana Tova.

 

Danke liebe Ella. Hier gibts mehr: https://www.instagram.com/ellabach/

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