Liebe Mamas, liebe Papas, 

das Elternsein ist doch manchmal eine ganz schöne Herausforderung, oder?Ich erinnere mich, an meine wunderbare Zeit mit meinen Töchtern als sie noch ganz klein waren. Wir waren besonders gern auf dem Spielplatz um die Ecke, denn dort konnte ich ganz unkompliziert andere Mamas und Kinder in ähnlichem Alter meiner Kinder treffen. Nach einer Weile hatten wir eine Gruppe, die sich regelmäßig wieder traf. Wir und unsere Kinder kannten uns alle gut.

Beim Sprechen lernen nicht andere als Vergleich heranziehen

Eine wirklich schöne Zeit, aber ich erwischte mich auch häufig dabei, dass ich das Können meiner Töchter mit den anderen Kindern verglich. Eine kleine Angst schwang doch gelegentlich mit, ob denn meine Töchter sich auch gut und altersentsprechend entwickelten. Und auch Ehrgeiz…vielleicht könnten meine Kinder sogar ein bisschen schneller sein als andere Kinder? Da gab es das eine Kind, was sich schon besonders früh selbständig auf den Bauch drehen konnte, früher krabbelte und natürlich bereits mit 8 Monaten Mama sagen konnte.

Jedes Kind hat sein eigenes Tempo

Meine Kinder waren eher gemütlich und genossen es im Wagen zu liegen und die Blätter der Bäume anzusehen. Nichts war mit krabbeln und schon gar nicht mit frühem Sprechen! Sogar die ersten Zähnchen kamen nach dem Ende des ersten Lebensjahres. Heute schmunzle ich über meinen damaligen Anspruch und Argwohn, denn heute weiß ich, dass jedes Kind sein ganz eigenes Tempo hat und sich das eine schneller und das andere Kind langsamer entwickelt. Das gilt sowohl für die motorische Entwicklung, als auch für die Entwicklung der Sprache und des Sprechens. 

Nur bei Entwicklungsverzögerungen reagieren

Dennoch gilt es für uns Eltern aufmerksam zu bleiben und eine gute Wahrnehmung zu entwickeln, wann sich Entwicklungsverzögerungen einschleichen und wann wir fördernd einschreiten sollten. Wie ich euch bereits in meinen Artikeln zur Sprach- und Sprechentwicklung im ersten Lebensjahr beschrieben habe, braucht es verschiedene Voraussetzungen für den Spracherwerb.

  • Ein gutes Hörvermögen
  • Die Entwicklung der Motorik im Mund- und Zungenbereich
  • Die Entwicklung des Sprachzentrums im Gehirn um ein Sprachverständnis entwickeln zu können.

Sprechen lernen benötigt Einklang der verschiedenen Ebenen

Diese drei Ebenen müssen im Einklang zusammenwirken, damit Euer Kind schließlich Sprechen lernt, Sprache verstehen kann und Gehörtes erinnern kann. Gelegentlich kann es hier zu ungleichen Entwicklungen der einzelnen Faktoren kommen, die die Sprach- und Sprechentwicklung verzögern können. Kinder erlernen Sprache durch Imitation, durch Zuhören und Ausprobieren wie ein Wort klingt, wenn es dieses selber artikuliert. 

Ohne hören kein Sprechen lernen

Habt ihr im Alltag oder im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung beim Kinderarzt den Eindruck, dass euer Kind nicht gut hören kann, so ist es wichtig, dass ihr eure Wahrnehmung mit euerm Kinderarzt besprecht. Er wird das Gehör eures Kindes mit entsprechenden Untersuchungen abklären können. Da es im frühen Kindesalter immer wieder zu Mittelohrentzündungen kommen kann, kommt es gelegentlich vor, dass euer Kind tatsächlich vorübergehend nicht so gut hören kann. Das liegt häufig daran, dass das Trommelfell nach einer Mittelohrentzündung weniger schwingt und der Schall der Töne nicht ausreichend an das Gehirn weitergeleitet wird. Sollte das der Fall sein, wird euer Kinderarzt euch entsprechende Lösungsvorschläge machen.

Abklärung bei ernsten Hörstörungen

In seltenen Fällen können auch ernstere Hörstörungen vorliegen, deren Ursache dann dringend abzuklären sind. Angeborene Hörstörungen werden bei uns in Deutschland heutzutage sehr früh erkannt, da bereits kurz nach der Geburt ein erstes Hörscreening durchgeführt wird.

Mögliche Hinweise auf Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung können sein:

AlterSprach-/Sprechverhalten
6–12 MonateDas Kind plappert kaum oder gar nicht vor sich hin, wenn es allein in seinem Bettchen liegt. Es spricht keine Silbenfolgen wie „dadada“ und Doppelsilben wie „gaga“. Es „unterhält“ sich kaum oder gar nicht mit Lauten.
12-18 MonateDas Kind zeigt wenig oder kein Interesse für Kinderverse und hat zum Beispiel keine Freude an den alterstypischen Hand-Finger-Spielen. Es zeigt so gut wie nie mit dem Zeigefinger auf etwas, um dadurch zur Unterhaltung aufzufordern.  
18–24 MonateDas Kind beherrscht keine Ein- oder Zweiwortsprache. Es spricht nur wenige oder gar keine Wörter richtig aus und betont die Silben nicht richtig.  
2–3 JahreDas Kind zeigt wenig Interesse, Erklärungen, Vorgelesenem oder vorgespielten oder gesungenen Kinderliedern zuzuhören. Wortschatz und grammatikalische Fähigkeiten nehmen nur zögerlich zu. Es spricht nur langsam und mit fehlerhafter Aussprache.  

Ursachen für eine Sprachentwicklungsstörung können sein:

  • körperliche Erkrankungen
  • genetische Faktoren
  • frühkindliche Hirnschädigungen
  • psychosoziale Isolation
  • psychische Erkrankung der Mutter, die die Zuwendung zum Baby reduzieren z.B. Wochenbettdepression

Wichtig zu wissen:

Im Alter von 24 Monaten sprechen etwa 20% aller Kinder noch keine 50 Wörter und keine Sätze. Sie gelten als „späte Wortlerner“. Die Hälfte dieser Kinder holen diesen Rückstand bis ins Alter von 3-4 Jahren auf. Man nennt sie dann „late Bloomer“ (spätes Aufblühen). Tritt dieses Aufblühen nicht ein, sollte eine Sprachentwicklungsstörung abgeklärt werden. Mit Hilfe Eures Kinderarztes und einer logopädischen Therapie wird es euerm Kind möglich sein die Verzögerung schnell aufzuholen.

Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen

Bitte geht zu den angebotenen Vorsorgeuntersuchungen zu eurem Kinderarzt. Teil der Vorsorgeuntersuchungen U6-U9 sind Tests, die Sprach- und Sprechentwicklung beurteilen. Ebenso wird das Hörvermögen eures Kindes ebenfalls immer untersucht. 

Liebe Grüße eure Stefanie

Ein interessanter Link für Euch:

Vorsorgeuntersuchungen Kleinkind U7-U9

Mehr zum Thema findet ihr in unserem Magazin

Beitragsfoto: Von Lia Koltyrinashutterstock.com

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