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Februar 11, 2019 9:00 am

Teil 2 des Interviews zur Osteopathie bei Kindern

Stefanie: Wie läuft eine Osteopathische Behandlung ab?

Esther:  Bei der Behandlung schaue ich erst einmal nur das Kind an. Ich lasse es sich frei bewegen. Dabei sehe ich den ganzen Körper: wie wird der Kopf bewegt, gibt es Vorzugshaltungen in eine Richtung? Sind Asymmetrien vorhanden? Wie bewegt sich der Kopf zur Wirbelsäule? Wie zum Kreuzbein? Wie sind die Bewegung der Extremitäten zueinander? Wie ist die Beinhaltung? Ist der Bauch ausladend? Wie liegt das Kind auf dem Bauch? Gibt es Asymmetrien bei den Pobacken oder der Pofalte? Wie hält es sein Köpfchen?

Nachdem ich in Ruhe alles gesehen habe beginne ich mit meinen Händen eine tiefgehende Untersuchung. Die Berührungen sind sanft und durch leichten Druck kann ich oft schon zu diesem Zeitpunkt Verspannungen lösen. Besonders wichtig bei Neugeborenen ist die Beurteilung der Schädelnähte, der Fontanellen und der Wirbel der Halswirbelsäule. Mit dem Finger ertaste ich den Gaumen im Mund und kann hier zum Beispiel feststellen wie der Zustand der Schädelbasis ist. Ganz oft gab es durch die Geburt oder die Lage im Uterus Kompressionen des Kopfes und dadurch steht die Schädelbasis auch nach der Geburt noch unter Druck.

Kinder mit einem hohen Saugbedürfnis zum Beispiel versuchen über das Saugen den Druck auf die Schädelbasis zu entlasten. Diese Situation kann mit einer osteopathischen Behandlung meist schon mit 1-2 Behandlungen gelöst werden und die Säuglinge können deutlich entspannter an der Brust saugen und schlafen.

Für die Eltern sind diese ruhigen Behandlungssitzungen oft verwirrend, da für sie von außen sichtbar gar nicht viel passiert. Die Berührungen sind sanft und kaum von außen wahrzunehmen. Nach der Behandlung sind die Kinder aber sehr entspannt und schlafen ein, obwohl sie bisher nicht leicht zur Ruhe kommen konnten.

Stefanie: Wie können Eltern erkennen, ob eine osteopathische Behandlung angezeigt ist?

Esther:  Eltern kommen zu mir, wenn sie sich keine Lösung mehr wissen, sei es bei häufigem Schreien in Verbindung mit Koliken oder Trinkschwäche. Immer häufiger werden die Kinder aber auch von Kinderärzten überwiesen. Auch erfahrene Krankengymnasten stellen während der Behandlung fest, dass eine zusätzliche Behandlung durch einen Kinderosteopathen hilfreich sein könnte. Seitdem viele Krankenkassen die Osteopathie mit in den Versicherungskatalog aufgenommen haben, ist es für Eltern auch finanziell leichter geworden ihre Kinder osteopathisch behandeln zu lassen.

Indikationen für eine osteopathische Behandlung:

  • Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen
  • Geburtstraumata (Zangen- oder Saugglockengeburt)
  • Entwicklungsverzögerungen
  • Schlafschwierigkeiten
  • Intensive Schreiphasen
  • Verdauungsbeschwerden (Koliken)
  • Saugschwierigkeiten
  • Bevorzugen einer Brustseite
  • Seitlich geneigter Kopf
  • Berührungsempfindlichkeit des Nackens
  • Schädelasymmetrie mit Abflachung des Hinterkopfs und asymmetrische Gesichtszüge
  • Auffällige Seitenungleichheit bei der Bewegung der Arme und Beine

In anderen Ländern wie z.B. Frankreich werden Neugeborene bereits im Rahmen des Neugeborenenscreenings bei einem Osteopathen vorgestellt, da man dort erkannte hat, das spätere Auffälligkeiten wie unter anderem ADHS, Hüftdysplasien, Probleme der Halswirbelsäule, Kiefer- und Zahnfehlstellungen oder Lernschwierigkeiten bei einer frühen osteopathischen Behandlung reduziert werden können.

Liebe Esther, vielen Dank für dieses spanende Gespräch. 

Kontaktdaten Esther Wörl:

Praxis für Krankengymnastik Burgstraße
Burgstraße 12, 80331 München
Telefon: 089 / 24 22 40
E-Mail: info@estherwoerl.de

Webseite: www.osteopathie-esther-woerl.de/

Auf Grund ihrer großen Erfahrung und ihrer Qualifikation ist sie auch bei gesetzlichen Krankenkassen als Therapeutin für Osteopathie registriert.

Liebe Eltern, ich schicke Euch liebe Grüße und freue mich, wenn Euch unser Interview gefällt und es für Euch hilfreich ist.

Liebe Grüße Eure Stefanie

Liebe Stefanie, wir danken Dir für sehr hilfreiche und interessante Interview und sagen im Namen unserer Leser „Herzlichen Dank“ an Esther dafür.

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