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Januar 20, 2019 9:00 am

Teil Zwei: Es kommt immer anders, vor allem als man denkt

Ich nicke und gehe hinein,

es wird immer gruseliger, sah es von außen so vielversprechend aus… Ach du Schreck, vor lauter Unkraut kann ich den Weg kaum finden (ich übertreibe hier nur ein wenig, ehrlich jetzt) die Wohnung im Erdgeschoss scheint nicht bewohnbar zu sein, eingeschlagene Fenster, vollgekotete Matratze am Fenster lehnend… Ich wollte umdrehen, konnte nicht glauben, was ich hier in einer der Seitenstraßen vom güldenen Kurfürstendamm besichtigen durfte. Plötzlich kommen mir einige Leute entgegen, hoppla, scheine doch nicht so alleine zu sein wie gedacht. Die Bude war beim Betreten voll. Ich spreche von einer zweieinhalb Zimmer großen Wohnung, circa 50 Menschen standen, schlenderten oder gingen kopfschüttelnd und mit gesengtem Haupt an mir vorbei.

STOP! in the name of love…

… so stand ich kurz in der winzigen Küche, die auf den Bildern so ausschaute, als würde hier noch ein Esstisch für sechs Personen reinpassen und… wo genau sollte der Kühlschrank stehen, im Bad? Ach ne, da war ja nicht mal Platz für eine Waschmaschine. Oh, schauen Sie mal, Schimmel hinter der Raufasertapete, ja genau da, hinter dem Heizkörper. Die Wohnung so dunkel und … Ich ging. Lange fünf Minuten hielt ich es da drin aus.

Hä, wo kommt Ihr denn her? Aus Schlumpfhausen, bitte sehr…

Es wurde eng auf dem Flur. Immer mehr Menschen, die von Nah und Fern herbeiströmten, ich konnte es nicht glauben, wofür wurden die Termine vergeben? Nüsschen irgendwer? Und überhaupt, ich brauch’n Bier!

Es goss wie aus Eimern, das erinnere ich noch. Ich ging den Weg von zwanzig Minuten zu Fuß, ich war so down, wegen einer Wohnung und der ganzen Situation, das muss man sich erstmal vorstellen. Ständig dachte ich: ‚Boah Alexia, krieg dich mal wieder ein, andere Menschen haben einfach gar kein Dach über dem Kopf…‘ Das war die letzte Wohnung, die ich mir Ende April ansah, ohne Vitamin B, da komme ich gleich noch zu.

Randnotiz

Ich meine mich zu erinnern, in einem Artikel gelesen zu haben, dass 2015 die Hauptstadt rund 60.000 Neuberliner zählte. Billiger Wohnraum zum Mieten ist kaum noch zu bekommen, vor allem, wenn es sich um 3 Zimmer Wohnungen handelt.

2017 wurden zwar bis zu 10.000 neue Wohnungen gebaut, allerdings sind diese meist viel zu teure Eigentumswohnungen, die dann auch noch zu viel zu hohen Mietpreisen auf dem Immobilien-Markt wiederzufinden sind. Micro-Apartments sprießen gerade an vielen Ecken, aber das ist nun wirklich nicht mein Thema.

Familien-Clan

Vier Wochen bevor ich mit meinem Sohn aus unserer Wohnung musste, sprach ich das ganze Dilemma natürlich immer nur so halb in der Familie an. Ich bin ja ein starkes Mädchen, jammere nicht und kann alles alleine schaffen.

Dieses Mal nicht, Schätzelein! So sprach das Universum zu mir.

Ich sprach mit allen. Alle mobilisierten kurz vor Schluss nochmal, was sie aus der Ferne mobilisieren konnten. Doch alles war tatsächlich vergebens und so verließen mein Sohn und ich am 30. Mai 2018 die Hauptstadt. Bis heute leben wir bei meinen Eltern.

„Das Universum hat eben andere Pläne mit uns, wie sich in den letzten Wochen herausstellen sollte.“

 

Liebe Lexi, wir danken Dir für diesen tollen Beitrag und sind natürlich sehr gespannt, welche Pläne das Universum mit Dir hat.

Auf Instagram findet Ihr Alexia unter: @alexiavonwismar
Ihren Blog unter diesem Link: www.alexiavonwismar.com

 

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