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Juli 29, 2020 9:00 am

Twinsandmoretwins: Erziehung mal vier

Stille Stufe, Streit, Belohnung und Bestechung

“Erziehungsmethoden”…ist ja immer so ein Thema, bei dem man hin und wieder mal seine Meinung zu äußert und sich dann auch des Öfteren mal etwas Negatives dazu anhören muss.

Erziehung generell und Methoden wie man z.B. auf Streit und unartiges Verhalten reagiert, stammen oft von den eigenen Erfahrungen, die man als Kind gemacht hat und was man mit der Zeit vielleicht auch neu für sich als Eltern entdeckt, was sich richtig anfühlt und auch funktioniert oder halt nicht.

Nur weil ich bestimmte Methoden verwende, heißt das nicht, dass eure falsch sind. Klar schließen wir hier Gewalt aus, aber was ich damit sagen möchte ist, dass du keine Kilometer in meinen Schuhen gegangen bist und ich nicht in deinen, also bitte ich einfach darum grundsätzlich niemanden direkt zu verurteilen und lieber versuchen zu verstehen, warum sich für bestimmte Erziehungsmaßnahmen entschieden wurde.

Stille Stufe

Warum sag ich das vorweg?
Letztens habe ich mich positiv zur “stillen Stufe” in einer Mutti-Facebook-Gruppe geäußert und musste mir dann aber so Einiges anhören von anderen Müttern, die mich direkt mal dafür verurteilt haben. Ich verstehe immer noch nicht ganz warum überhaupt.

Wie funktioniert die Stille Stufe bei uns?

Stellt euch mal vor, wir sitzen alle gemeinsam am Frühstückstisch und TJ fängt an Quatsch zu machen.
Er schiebt ständig den Teller seines Bruders Seve zur Seite und nennt seine dreijährige Schwester Lulu ein Baby.
Ganz eindeutig um bei den beiden eine Reaktion herbei zu führen.
Seve und Lulu ärgern sich, Seve regt sich über TJ auf und Lulu weint, weil sie kein Baby sein möchte.
Ich bitte TJ im ruhigen Ton seine Geschwister nicht zu ärgern. Er lacht mich an und macht direkt einfach mal weiter.

Dann kommt meine Ankündigung: „TJ, wenn du das noch einmal machst, kommst du auf die stille Stufe, weil wir hier in Ruhe zusammen frühstücken möchten und es stört, wenn du die anderen ärgerst.” Für mich ist das im Übrigen keine Drohung, sondern eine klare Ansage bei der TJ ganz genau versteht, was ich von ihm möchte. Es lässt keinen Raum für ein Missverständnis. TJ grinst mich an und schiebt ein weiteres Mal Seves Teller an die Seite.

Konsequenz seines Verhaltens

Ich bleibe ruhig, stehe direkt auf, nehme TJ unter Protest mit zum Flur, setze ihn auf die unterste Treppenstufe und stelle ihm vier Minuten Stoppuhr auf meinem Handy ein. Eine Minute für jedes Jahr seines Alters.
“Du hast nicht auf Mama gehört und nun bleib bitte hier bis der Wecker klingelt und komm dann zurück zum Frühstück.” TJ meckert noch kurz, aber bleibt dann sitzen und ich gehe zu meinen anderen drei Kindern, die nun für ihr gutes Verhalten meine volle Aufmerksamkeit bekommen.

Nach vier Minuten kommt TJ wieder, ich frage, ob es ihm nun besser geht und ob er jetzt artig mit am Tisch sitzt. Diese vier Minuten helfen nicht nur TJ, der ganz eindeutig eine kleine Auszeit brauchte.
Es hilft auch mir. Ich muss mich nicht ärgern und vermeide, mich gestresst zu fühlen und wahrscheinlich noch TJ für sein Verhalten meine Aufmerksamkeit zu schenken.
Die Kinder die sich benommen haben, können in Ruhe weiter frühstücken und wenn TJ zurück kommt, ist es als hätten wir einen Reset-Button gedrückt und die Chance bekommen die Situation jetzt alle gemeinsam positiv zu verbringen. Bei uns funktioniert diese Methode total gut. Nicht nur für die Kinder sondern auch für mich.

Keinerlei Diskussion

So Leute, aber ich tu jetzt mal nicht so als hätte ich dafür immer die Ruhe, denn es gibt genügend Situationen hier bei uns mit diesem quirligen Haufen, dann heißt es für mich schnell was aus dem Ärmel zu schütteln, wo ich ganz genau weiß, das zieht sofort und ich begebe mich in keinerlei Diskussionen. Jetzt stellt euch mal vor, zwei Kinder im Alter von drei Jahren und zwei Kinder im Alter von vier Jahren (ach herrje…wann sind die eigentlich so alt geworden?!?). Alle vier Kinder auf ihren Fahrrädern, ab durch das kleine Wäldchen zu den Feldern und das schöne Wetter genießen. Wir machen ein Picknick, spielen fangen und suchen im Himmel Wolken, die wie Tiere aussehen.
Und dann ganz ohne Ankündigung kippt die Stimmung und es macht sich plötzlich das allgemeine Gemotze vom allerfeinsten breit. Mal vier!

Meckernde Kinder, was nun?

Ich habe jetzt schon Kopfschmerzen und mir graut es davor, dass uns jetzt noch der ganze Weg nach Hause bevor steht. Mit den Fahrrädern und vier meckernden Kindern. “Wer es schafft ab jetzt und bis wir Zuhause sind nicht zu meckern, bekommt von mir ein Eis.”
Und zack sind alle ruhig. Ist das die Art Erziehung an die ich glaube?
Vielleicht nicht, aber wisst ihr was?
Manchmal wähle ich den einfachen Weg für mich und vermeide damit mich gestresst zu fühlen. Manchmal habe ich einfach nicht die Kraft oder den Willen konsequent die wundervollen Erziehungsmethoden anzuwenden von denen ich sonst so begeistert bin.


Und wisst ihr noch etwas?

Wenn ich eins gelernt hab, dann ist es, dass es tatsächlich nicht nur immer um die Kinder geht und dass ihnen auf sinnvolle Art und Weise etwas beigebracht werden muss.
Manchmal geht es auch einfach nur um mich und mein Wohlbefinden.
Eine gestresste Mami mag nämlich niemand. Wie bleibst du immer so ruhig und gelassen mit deinen Kindern werde ich oft gefragt.

Da habt ihr es. Ich bleibe so ruhig, weil ich verstanden habe, dass ich nicht immer die “perfekte Mami” sein muss, um die beste Mama für meine Kinder zu sein.
Wenn ich meine Kinder anschreie, fühle ich mich sofort beschissen und als hätte ich versagt. Wenn ich meine Kinder mit einem Eis besteche, ja wisst ihr was, dann ist das eben so und wenn die Kinder eins lieben, dann ist das die Mutti, die gut drauf ist und zusammen mit ihnen ein Eis schleckt.

Liebe Rebecca,  mal wieder ein super wichtiger und genauso ehrlicher Beitrag von Dir. Du bist so herrlich authentisch, damit begeisterst Du für Deine Arbeit und bist anderen Müttern eine große Hilfe. Hab herzlichen Dank. 

Durch den Tag begleiten kann man Rebecca und Family auf @twinsandmoretwins 

Rebecca hat bei BARRIO ihre eigene monatliche Kolumne. Weiter geht es im nächsten Monat mit einem neuen spannenden Thema. 

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