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Juli 2, 2020 9:00 am

Viel Glück beim Mama Sein

Ja klar verstehe ich, dass aus der ersten Schwangerschaft ein größeres Event gemacht wird als aus den darauffolgenden. Das Gefühlschaos von Freude, Angst und Aufregung einer erstmals werdenden Mama…dafür hat man ja beim zweiten Mal gar keine Zeit, wenn man sich neben dem schwanger sein um ein weiteres Kind kümmern muss. Schwanger mit meinen Jungs habe ich mich wie in Watte gepackt gefühlt. Wir haben an einem Hypno-Geburtskurs teilgenommen, ich habe das richtige Atmen geübt und mich regelmäßig bewusst auf die Babies konzentriert mit klassischer Musik, Augenmaske und allem drum und dran.

Mama-Loch vermeiden

Bereits schwanger nahm ich regelmäßig an Zwillingseltern-Treffen teil, wo es tolle Infos gab, um sich auf den großen Tag vorzubereiten und alle einem sagten, man würde ganz wundervoll strahlen. Ernsthaft? Ich war ein riesen Klopps und anstelle von ‘wie aufregend wundervoll alles sei’, hätte ich doch gerne mal gehört, dass so ziemlich alle Mütter in der Gruppe zu Beginn mit ihren Babies völlig überfordert waren und welche Tipps sie einem geben könnten um nicht komplett im Mama-Loch unterzugehen.

Wenn Mama sich in den Schlaf weint

Warum hat keiner jemals ein ehrliches Wort dazu verloren, wie anstrengend alles sein würde und dass sich mit Sicherheit fast jede Mama mal aus Erschöpfung und Verzweiflung in den Schlaf weint…wenn sie denn überhaupt welchen bekommt. Ja, klar, will man Schwangere nicht erschrecken oder verunsichern, aber über so ein bisschen Realität darf man doch wohl schon reden oder? Dieses wundervolle Ereignis, was bis zu neun Monate lang zum riesen Hehl gemacht wird, ist dann innerhalb von ein paar Stunden vorbei. Bei mir waren es 14 Stunden mit den Jungs und 9 Stunden mit den Mädchen.

Schnell war der teure Vorbereitungskurs dahin

Meine tolle Vorbereitung mit dem teuren Hypnokurs ging bereits nach kürzester Zeit dahin, weil mein Steve sich mit dem Arm über seinem Kopf in mir so verankert hatte, dass ich ihn nicht mal eben hätte ganz locker und lässig einfach raus atmen können. 9 Monate Vorbereitung und eine Unterstützung von Fachleuten, Freunden und Familie für ein Ereignis was für mich beim ersten Mal eher sehr traumatisch und beim zweiten Mal glücklicherweise etwas gechillter war. Aber das war es dann auch zum Thema der eigentlichen Geburt.

Und dann steht man plötzlich mit dem Baby alleine da

Hier hast du jetzt ein Baby! In meinem Falle halt zwei und dann wünschen sie dir “Viel Glück” bei der Entlassung im Krankenhaus. Tja und die, die dann kein Glück haben, für die kann die neue Situation eine riesige Überforderung sein.  Im Nachhinein hätte ich gerne die Babyparty gegen ein paar Stunden Babysitten für die Kinder und extra Schlaf für mich selbst getauscht.  Und das Geld für den Vorbereitungskurs hätte ich gespart für eine Hebamme, die für eine Woche nach der Geburt mit bei uns einzieht und zusieht, dass ich mein Leben auf die Reihe kriege. 

Eigene Wohlbefinden der Mama sollte nich auf Glück basieren

Ich hatte “Glück”, dass die erste Geburt die anstrengende war bei der ich mehrere Wochen körperlich und auch mental nicht ich selbst war. Als die Mädels dann 11 Monate später auf die Welt kamen, hatte ich meine Energie bereits nach wenigen Tagen zurück, sonst wäre das mit 4 Kindern unter einem Jahr katastrophal gewesen. Sollte das eigene Wohlbefinden einer frisch gebackenen Mutter wirklich erst mal auf Glück basieren? Sicherlich ist es sehr abhängig davon in welchem Land man sich befindet, was die postnatale Unterstützung betrifft und auch davon was für eine Hebamme man hat.

Wenn die Unterstützung nur unzureichend ist

Ich habe die Jungs in Dubai und die Mädchen in England zur Welt gebracht. Da hatte ich beide Male gar keine Hebamme. In Dubai ging es ein paar Mal zu Untersuchungen und in England kam jemand drei Mal zum Wiegen der Babies zu uns nach Hause. Und ja diese Damen haben mich zwar gefragt,  ob alles in Ordnung sei, mal ‘da unten’ nach dem Rechten gesehen, aber das Gefühl, dass ich gegebenenfalls hätte ‘nein, es ist nicht alles in Ordnung’ sagen können, das gaben sie mir leider nicht. Was einen tatsächlich erwartet beim Mama werden, das wird einem erst so richtig bewusst, wenn man eine ist. Das ist mir ja klar.

Postnatale Unterstützung sollte mehr Wichtigkeit haben

Aber ich persönlich finde schon, dass die pränatale Unterstützung im Verhältnis sehr viel mehr Aufmerksamkeit bekommt als die postnatale und ich frage mich wie vielen Menschen z.B. eine Depression oder sowas wie Schlafmangel und alles was dann damit zusammenhängt, erspart bleiben könnte, wenn es mehr Hilfe gäbe. Oder gibt es die Hilfe und es ist tatsächlich so, dass wir Eltern uns meistens einfach nicht eingestehen wollen, dass wir Hilfe brauchen?

Traut Euch um Hilfe zu bitten

Hat das vielleicht auch damit was zu tun, dass zu wenig Menschen darüber reden, wenn vieles nicht so grandios läuft wie es bei anderen scheint. Ich erzähle anderen Müttern inzwischen gerne und oft von Dingen, die mir Probleme bereiten oder alles was sehr schwierig für mich war, als die Kinder noch kleiner waren. Und bei den Gesprächen öffnet sich scheinbar für die andere Mama plötzlich eine Tür um dann auch zu sagen, dass so einiges eben nicht reibungslos abläuft mit der Kindererziehung, dem Schlaf und den eigenen Nerven.

Mein Fazit für euch?

Wenn das Mama-Sein euch mal überfordert und ihr euch damit alleine fühlt, seid euch bitte darüber bewusst, dass es den meisten Müttern entweder genauso geht oder sie das auch mal durchgemacht haben. Es sei denn, sie waren diejenigen die halt “Glück hatten”.

Lasst uns nicht über Negatives schweigen

Wenn ihr Hilfe braucht, sucht sie euch und nehmt es nicht so einfach hin, dass ihr einsam seid und euch am Ende fühlt. Wer jetzt nicht weiß wo die Hilfe herkommen soll, der kann sich sehr gerne direkt bei mir melden und ich werde euch dabei unterstützen genau die Hilfe zu bekommen, die ihr vielleicht gerade braucht. Manchmal tut es auch einfach mal gut mit jemandem zu reden, der nicht so tut als wäre immer alles so völlig wundervoll im Mamaleben.

Wie auch immer, lasst euch sagen: Ihr müsst da nicht alleine durch.

Liebe Rebecca,  ein ebenso wichtiger, wie authentischer Beitrag. Ich bewundere Dich, wie Du immer wieder anderen Mütter eine große Hilfe bist und noch Dein Familienunternehmen managst. Hab herzlichen Dank. 

Durch den Tag begleiten kann man Rebecca und Family auf @twinsandmoretwins 

Rebecca hat bei BARRIO ihre eigene monatliche Kolumne. Weiter geht es im nächsten Monat mit einem neuen spannenden Thema. 

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