grid | list

September 27, 2018 8:50 am

Vier Wochen – viele Welten (Israel V und Ende)

Es gibt ein israelisches Sprichwort: In Jerusalem wird gebetet, in Haifa gearbeitet und in Tel Aviv gelebt.

Das haben wir in den letzten vier Wochen nun ausführlich überprüft und so scheint es auch zu sein. Die Tel-Aviv-Variante gefällt uns dabei dann immer noch am Besten. Nun sind es nur noch drei Tage und dann gehts wieder heim. Dreimal noch zum Strand, dreimal noch das Kind entsanden, dreimal noch die Sonne genießen. Unfassbar wie schnell diese vier Wochen umgingen. Und nun: Erwarten uns 13 Grad und Schmuddelwetter zu Hause. Ich kann mir noch gar nicht vorstellen, wie ich diesen Temperaturunterschied verkraften soll, physisch aber vor allem psychisch. Wir haben es geschafft, aus diesem Sommer das Meiste rauszuholen – mehr ging nicht. Trotzdem macht das den Abschied von Tel Aviv nicht leichter. Wir haben, obwohl wir nun zum dritten Mal hier sind, immer wieder noch mehr kennen gelernt von dieser Stadt, aber vor allem von diesem Land und seinen wunderbaren Menschen. Ganz gleich wo wir mit unserem acht Monate alten Baby ankamen – wir wurden freudig und mit offenen Armen begrüßt. Wo in Restaurants zu Hause oftmals die Stirn gerunzelt wird, wenn man mit Kinderwagen erscheint, wird hier das Baby selbst von den Besitzern geknuddelt und geherzt. Sogar Besteck in Babygröße wird besorgt und es werden Tipps gegeben, was das Baby denn alles von der Karte mitessen könne. Auch die anderen Gäste freuen sich über den Zwerg, nehmen ihn auf den Arm und machen Spaß mit ihm, damit wir in Ruhe essen können. Avi findet das alles super und genießt so viel Aufmerksamkeit. Und wir als Eltern können dadurch einen entspannten Abend genießen, ohne eben Angst zu haben, schief angeschaut zu werden. Babys und Kleinkinder gehören hier ganz selbstverständlich dazu und werden nicht, wie so oft in Deutschland, als Störfaktor betrachtet. Wahrscheinlich mag ich auch deshalb diese Stadt. Hier scheint alles so einfach. Trotz Nahost-Konflikt und enormer Preise: Die Menschen genießen das Leben und scheinen alles etwas leichter zu nehmen.

In dieser Woche waren wir auf Jesus‘ Spuren, am See Genezareth und in Nazareth. Größer könnte der Unterschied zu Tel Aviv kaum sein. Während hier alle nur die nötigsten Kleidungsstücke tragen, sind in Nazareth viele Frauen im Hidschab unterwegs. Nazareth ist die arabische Hochburg hier in Israel. Werbeplakate sind auf arabisch, hebräische Schrift sieht man kaum. Nur wenige Kilometer von der modernen pulsierenden Metropole scheint man in einer anderen Welt anzukommen, die so gar nichts mit dem modernen und weltoffenen Tel Aviv zu tun hat. Die Szenerie wirkt wie aus einem anderen Land. Von der Leichtigkeit, die einen in Tel Aviv durch den Tag trägt, ist hier nichts mehr zu spüren. Hier wirkt es alles eher befremdlich und angestrengt auf mich. Das mag auch an den Massen von Besuchergruppen aus aller Welt liegen, die hier hinter den Touristenführern her rennen und wild durcheinander quatschen. Nach einem Blick auf die Verkündigungsbasilika, gehts für uns auch schon wieder weiter. Uns in die Schlange von Touristen einzureihen, kam überhaupt nicht in Frage. Als nach eineinhalb Stunden Autofahrt die Skyline von Tel Aviv wieder auftaucht, fühle ich mich fast erleichtert wieder hier zu sein.

Die vier Wochen Elternzeit haben uns gut getan. Avi ist nun stolzer Besitzer von zwei Zähnen und isst einigermaßen begeistert meinen selbstgekochten Babybrei. Dirk und ich haben uns mit unseren neuen Rollen auseinandergesetzt und sind als Familieneinheit miteinander gewachsen. Ich kann nur jedem empfehlen, eine solche gemeinsame Auszeit zu nehmen, sie bringt einen weiter, als Einzelperson, aber vor allem als Familie.

Am Sonntag gehts dann also wieder heim. Wir freuen uns auf die Familie und unsere Freunde. Und der Abschied von Tel Aviv fällt nicht ganz so schwer, weiß ich doch: Wir kommen wieder. Lehitra’ot Tel Aviv <3

 

Danke, liebe Ella, https://www.instagram.com/ellabach/ für Deine tollen Berichte aus Israel. Genießt die letzten Tage und kommt gut wieder nach Hause.

Ihr macht auch einen spannenden Tripp und wollt darüber schreiben? Gerne, doch! Meldet euch bei uns.

*********

Diesen und weitere interessante Artikel findest du in der Barrio App. Hast Du schon? Super! Ansonsten: Hole dir dort Inspiration für Freizeitaktivitäten, verabrede dich in der App mit Eltern in deiner Nähe zu Playdates. Und finde dort außerdem Gutscheine und andere Vergünstigungen. Jetzt App installieren: bit.ly/barrio-app

 

Kategorisiert in: ,

Stichwörter: , , , ,