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Februar 27, 2020 9:00 am

Von der Mutti, die vorm Kindergarten heult

Vielleicht hat die Tatsache, dass ich nie wirklich von meinen Kindern getrennt war etwas damit zu tun gehabt, dass mir schon beim Gedanken an die Kindergartenzeit etwas schlecht wurde. Mit drei Jahren ist es hier in England so üblich, dass die Kinder spätestens ihre ersten Erfahrungen im Kindergarten machen. Schon die Auswahl der Einrichtung habe ich immer weiter voraus geschoben, als sich so peu à peu der dritte Geburtstag meiner Jungs näherte. So nach dem Motto: ”Wenn ich keinen Kiga gefunden habe, können die beiden auch nicht anfangen.” Und ich habe dann tatsächlich noch drei Monate verlängert und meine Zeit mit allen vier Kindern zuhause und unterwegs so richtig ausgenutzt und genossen.

Der 1. Kindergartentag war unausweichlich da

Irgendwann war er dann aber doch da: der erste Kindergartentag.  Am Abend zuvor musste ich meine Gedanken schon verdrängen mit Fernsehen und Schokolade bis spät in die Nacht. Was soll ich sagen? Die zwei Eingewöhnungstage, die bereits in der Woche zuvor stattgefunden hatten, waren plötzlich irrelevant und mein geplanter “kurz und schmerzlos” einfach beide Jungs dalassen, war dann zwar kurz, aber alles andere als schmerzlos. 

Mir blieb so richtig die Luft weg! Ja, meine Reaktion war übertrieben im Nachhinein. Da war ich also….die Mutter, die vorm Kindergarten stand und sich nicht zusammenreißen konnte. Tatsächlich kam dann kurz die Kindergartenleitung raus um mich zu drücken, was es alles nur noch schlimmer machte. Also watschelte ich mit hängendem Haupt und was von meinem kleinen Taschentuch noch über war los in Richtung….ja wohin überhaupt? Mit den Mädels im Kinderwagen, die sich zum Glück gegenseitig bespaßten, war es plötzlich so leise. 

Nur zwei Kinder? Das war mal so richtig seltsam und somit machten wir uns auf den Weg ganz ohne Plan auf der Highstreet entlang, hin und zurück, immer wieder und nie weiter vom Kindergarten entfernt als maximal 5 Minuten gerannt.

Die 3 Stunden kamen mir wie eine halbe Ewigkeit vor.

Die Jungs waren übrigens noch am Leben als ich sie abholte, einer war sehr emotional, weinte ein bisschen und schien sogar etwas sauer auf mich. Das machte mir auch eine Weile zu schaffen. Mein kleiner TJ war sauer auf mich, weil ich ihn einfach dort ließ und auch er war mit seinen Emotionen zu Beginn überfordert genauso wie ich auch. Die ersten paar Male starrte ich alle 30 Sekunden etwa auf mein Handy und wartete regelrecht auf einen Anruf. Der kam natürlich nie und mir war irgendwo ganz hinten im Kopf auch bewusst, dass dies ein gutes Zeichen ist.

Die Jungs waren ja nur zwei Mal die Woche für jeweils 3 Stunden dort.Ich fing mit der Zeit auch an diese wahnsinnige Stille mit nur zwei Kindern zu genießen und die Jungs hatten ihren Spaß.

Dann waren die Mädels dran

9 Monate später waren die Mädels schon dran und das lief mal völlig anders ab. Hatte nichts damit zu tun, dass es die Mädels waren, aber ich sehnte mich inzwischen so sehr nach ein paar Stunden ganz für mich allein. Die zwei hatten ja auch ihre großen Brüder da und ich machte mir deshalb auch überhaupt keinen Kopf. Und nur, dass das klar ist…Zeit für mich ganz allein war und ist immer noch hauptsächlich von Putzen, Aufräumen, Wäsche waschen und auch einem Job als Schlaftrainer gefüllt. 

Me-time

Hin und wieder lasse ich mal einen Teil stehen und liegen, gehe schwimmen oder Kaffee trinken. Dann zwar immer noch mit diesem ollen Mutti-Gewissen: ”Wie kann ich bloß so egoistisch sein, nur was für mich zu tun, wenn ich mich doch gerade selbst um meine Kinder kümmern könnte?” Aber immerhin gilt das trotzdem als so richtig qualitative Me-Time und das tut wahnsinnig gut. Heute sind mir die zwei Kigatage sogar die liebsten. Die Kinder freuen sich drauf und wir fünf sind an den Nachmittagen alle total ausgeglichen und haben den besten Spaß zusammen. Ich schaue hin und wieder zurück und erinnere mich noch ganz genau, wie ich mich am ersten Kindergartentag der Jungs gefühlt habe.

Hat irgendwie etwas Schönes, dass ich die Emotionen durchgemacht habe, denn ich könnte auch heute noch die Mutti sein die vorm Kindergarten heult….aber jetzt eher am letzten Tag vor den Ferien, wenn ihr versteht was ich meine 😉

Liebe Rebecca, wir danken Dir für diesen authentischen Bericht und hast eine erfrischend ehrliche Art die Mama Themen auf den Punkt zu bringen. 

Durch den Tag begleiten kann man Rebecca und Family auf @twinsandmoretwins 

Rebecca hat bei BARRIO ihre eigene monatliche Kolumne. Weiter geht es im März für Euch mit einem neuen Mama Thema. 

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