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Juni 29, 2020 9:00 am

Warum Diphterie hochansteckend und lebensgefährlich ist?

Liebe Mamas, liebe Papas,

die Diphterie mit ihrem Erreger, dem Bakterium Corynebacterium diphteriae, ist auch heute noch eine aktive Erkrankung und jeder Mensch kann erkranken. Zum Glück hat der „Würgeengel der Kinder“ seit der Entdeckung des Impfstoffes und des Penicillins seine Dramatik verloren, aber wir sollten diese Erkrankung kennen und achten. Die Diphterie ist eine hochansteckende, lebensgefährliche, bakterielle Infektion.

Erreger heute noch aktiv

Als Emil von Behring 1913 die “ Impfung“ gegen die Auswirkungen der Toxine des Erregers fand, konnten die Opferzahlen des schrecklichen Erstickungstodes der die Gifte des Corynebacterium diphteriae hervorruft reduziert werden.  Aber der Erreger ist auch heute noch aktiv. Die Erkrankungen brechen vor allem im Herbst und Winter aus. Zwar haben die Impfung, die besseren Behandlungsmöglichkeiten und die Verbesserung der hygienischen Verhältnisse dazu beigetragen, dass Diphtherie in den Industrienationen seltener geworden ist und nicht mehr zum Tode führen muss. Trotzdem gibt es immer wieder vereinzelt Erkrankungsausbrüche und Todesfälle auch in Deutschland. Von 2001-2019 wurden in Deutschland insgesamt 119 Diphtherie-Fälle an das Robert Koch-Institut in Berlin gemeldet.  2018 gab es 26 Fälle und in 2019 15 Fälle.

Der Erreger 

Die Diphtherie wird durch das giftstoffbildende Bakterium Corynebacterium diphtheriae ausgelöst und ist von Mensch zu Mensch durch Tröpfchen- oder Schmierinfektionen übertragbar. Beispielsweise durch engen Kontakt beim Niesen, Husten oder Küssen. Manchmal auch über kontaminierte Gegenstände.  Der Erreger setzt seinen Giftstoff, das Diphtherietoxin frei. Unbehandelt, werden die Giftstoffe mit dem Blut von der Entzündungsstelle zu anderen Organen transportiert. Wenn beispielsweise Herz, Leber und Niere betroffen sind, kann dies zu den lebensgefährlichen Komplikationen der Diphtherie führen.  Die Inkubationszeit beträgt in der Regel 2–5 Tage, selten bis zu 10 Tage.

Symptome der Diphterie

  • Die Erkrankung beginnt mit Erschöpfung und Schluckbeschwerden, Appetitlosigkeit
  • Bauch und Gliederschmerzen sind häufig
  • Schnell ansteigendes Fieber
  • An der Rachenschleimhaut entwickelt sich ein gelblicher, weißer Belag, der sich schnell über die ganze Rachenschleimhaut ausbreitet, auch die Mandeln sind betroffen
  • Beim Versuch den Belag zu entfernen treten Blutungen auf
  • Die Schmerzen beim Schlucken nehmen stark zu
  • Typisch ist der bellende Husten, zunehmende Heiserkeit und Stimmlosigkeit
  • Das Einatmen ist erschwert und mit Pfeifgeräuschen (Stridor) verbunden
  • Im fortgeschrittenen Stadium der Diphtherie weitet sich die Membranbildung rasch und intensiv auf Mandeln, Gaumen, Gaumenzäpfchen und Nasenschleimhaut aus 
  • Die Lymphknoten am Hals sind vergrößert und schmerzhaft

Komplikation bei Diphterie durch das Diphterietoxin

Es kann zu Ersticken durch Verlegung des Kehlkopfes kommen. Tritt die Infektion auf die Schleimhaut des Kehlkopfes über kommt es auch dort zur Entzündung. Die Schleimhaut reagiert mit einer Schwellung, was zur zunehmenden Verlegung der Atemwege führt.

Symptome:

  • Atemschwierigkeit beim Einatmen
  • Das Einatmen ist begleitet von einem pfeifenden Geräusch
  • Luftnot
  • Die Haut verfärbt sich bläulich durch den Sauerstoffmangel
  • Unruhe, Angst
  • Koma
  • Erstickungstod durch die Verlegung der Atemwege

Zusätzlich kann es zur Schädigung des Herzmuskels und zur Schädigung des Nervensystems mit Lähmungen kommen.

Therapie:

Stellt der Kinderarzt die Verdachtsdiagnose Diphterie, muss sofort in der Kinderklink behandelt werden.

  • Dort erfolgt die sofortige Gabe des Antitoxins. 

Das Antikörperserum bindet die Bakterientoxine und macht sie unschädlich.

  • Mit Penicillin werden die Erreger abgetötet. Diese Therapie dauert mindestens 10 Tage
  • Bei Verschluss der Atemwege muss eine endotracheale Intubation oder ein Luftröhrenschnitt erfolgen
  • Bettruhe für mindestens 5-6 Wochen, um die Gefahr der Herzmuskelschädigung zu reduzieren

Bei schneller und richtiger Behandlung sind Folgeschäden nicht zu erwarten.  

Prophylaxe:

Seit 1961 wird in Deutschland die „Impfung“ gegen die Diphterie bereits im Säuglingsalter empfohlen. Sie erfolgt nach dem vom Robert-Koch-Institut empfohlenen Impfplan und sollte auch im Erwachsenenalter alle 10 Jahre aufgefrischt werden. Die Impfung richtet sich dabei gegen das Diphterietoxin, nicht gegen den Diphtherie-Erreger selbst. Durch die antitoxische Immunität werden schwerwiegende Erkrankungen verhindert, nicht aber eine Infektion.

Wichtig zu wissen: Den Erreger gibt es und wir können uns alle infizieren, aber wenn wir geimpft sind, kann uns das Toxin des Erregers nicht schaden und die Infektion verläuft meist unbemerkt oder sehr schwach. Die meisten Infektionen gibt es laut WHO vor allem in Ländern wie Indien, Afrika, Asien, der Ukraine, Syrien und dem Südsudan.

Liebe Grüße

Eure Stefanie

Beitragsfoto: Von lavizzarashutterstock.com

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