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März 5, 2020 9:00 am

Warum Kinderbücher zu schwierigen Themen so wichtig sind

Anja Freudiger ist Mutter von drei fabelhaften Jungs und studierte Schulpsychologin. Sie arbeitete viele Jahre in Frühförderstellen und Kinder- und Jugendpsychiatrischen Praxen. Von ihr sind zahlreiche Kinderbücher erschienen. Im BALANCE Buch + Medien Verlag hat sie Kinderbücher zu schwierigen Themen wie ADHS, Angstbewältigung, Verlust und Trauer, Einschlafen im eigenen Bett bis hin zum Thema Magersucht veröffentlicht. 

Sie nehmen sich als Autorin oft schwierigen Themenkomplexen an.

Wie kam es dazu?

Wenn ich eine Geschichte schreibe, dann brauche ich dafür ein Thema oder eine Begebenheit, die mir auf irgendeine Art und Weise unter die Haut geht. Zum Beispiel habe ich das Buch „Ich wäre so gerne auch abends groß“ geschrieben, nachdem mir ein Kind in der Therapie erzählt hat, wie es seine Angst überwunden hat und dabei so wahnsinnig stolz war, dass es beim Erzählen ein unglaubliches Leuchten in den Augen hatte und es den Anschein hatte, dass es immer größer wurde vor Freude. Das ist etwas, was mich so berührt hat, dass ich es mit mir trage, wie einen „Edelsteinmoment“ und dann hatte ich das Gefühl, dass macht Sinn ein Buch darüber zu schreiben.

„Meine Superschwester“ ein Titel, der bei Haba erschienen ist, entstand aus Erlebnissen mit meinen beiden eigenen Kindern. Ich habe immer wieder mitansehen können, dass für einen kleinen Bruder sein großer Bruder so etwas ist, wie ein Superheld ohne Umhang, der alles kann, was man können muß auf der Welt.  Die Herzensmomente, die ich erlebe, wollen manchmal zu einer Geschichte werden und dann schreibe ich die auf, so kommt es vielleicht manchmal auch zu Geschichten, die ein bisschen traurig sind. 

Warum finden Sie es wichtig, dass diese Themen für Kinder fach- und kindgerecht aufgearbeitet werden?

Ich finde, dass Kinder mit schwierigen Erfahrungen nicht alleine gelassen werden dürfen und soviel liebevolle Begleitung brauchen, wie sie bekommen können. Wenn ich einen guten Hilfeansatz oder irgendeine andere Form von Unterstützung bieten kann, dann möchte ich die gern weitergeben. 
Wenn Eltern in Rezensionen schreiben, „wir haben das Buch gemeinsam gelesen und es hat uns so viel weiter gebracht“ oder „Unser Kind hat sich durch das Buch getröstet gefühlt“, dann ist das für mich etwas ganz, ganz Besonderes. 

Was raten Sie Eltern?

Was raten Sie als Schulpsychologin Eltern bei der Auswahl der verschiedenen Kinderbücher? 

Nicht nur als Schulpsychologin, sondern auch als Mutter rate ich den Eltern unbedingt die Bücher für ihre Kinder vorher durchzulesen. Man selbst kennt sein Kind am aller-, allerbesten und weiß, welche Formulierungen, welche Bilder, welche Themen überfordernd sein könnten. Man sollte vorher versuchen einzuschätzen, ob ein Buch das Kind Freude macht, weiterbringt oder es nur verunsichert. Dafür haben Eltern oft die allerfeinsten Antennen. Das gilt für jedes Buch vom Märchen bis zum psychologischen Kinderbuch.

Wann ist die richtige Zeit für diese Themen?

Sollten Eltern ihre Kinder an diese Themen nur heranführen, wenn sie selbst betroffen sind oder ist es in ihren Augen wichtig für die Kinder mit verschiedensten Themen in Berührung zu kommen quasi als Schulung fürs Leben?

Ich denke es ist nicht primär die Frage, ob das Kind selbst betroffen ist, sondern ob das Kind Hilfe dabei braucht etwas zu verarbeiten. Das muß nichts sein, was es selbst erlebt hat, es kann auch etwas sein, was es in der Schule mitbekommen hat, im Kindergarten, oder durch seine Geschwister. Ich würde ein Kind nicht ohne Not mit so schwierigen Themen konfrontieren, wie ich sie in den Büchern, die von mir im BALANCE Buch + Medien Verlag erschienen sind, beschreibe. Tritt aber eine solche Situation auf, ist es wichtig, für das Kind da zu sein. Wie man ein Kind in der Verarbeitung solcher Themen begleiten kann, ist oft eine Gradwanderung. Man muß offen mit dem Kind sprechen, ihm alle Informationen dazu geben, die es braucht, aber – sehr wichtig! – man muß auch mitbekommen, wenn das Kind nicht mehr weiter darüber reden will und seine Grenzen wahren. Ich würde deshalb einem Kind kein so schwieriges Thema vorsetzen, wenn keine Notwendigkeit dazu besteht. 

Wir danken Ihnen, dass Sie sich die Zeit für dieses sehr offene Interview für unsere Leser genommen haben und sind gespannt auf die nächsten Bücher, in denen Sie besondere Herzensmomente verarbeitet haben werden. 

Foto: Anja Freudiger und BALANCE Buch + Medien Verlag

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