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Oktober 7, 2019 9:00 am

Warum wir uns nicht mit anderen vergleichen müssen

Eltern auf Social Media

Die ganze bunte Welt auf Instagram und Facebook, Snapchat, Twitter und YouTube ist wie ein Kaufhaus. Ab und zu gehen wir dorthin, lassen uns inspirieren und besorgen uns einige nützliche Dinge. Bei manchen sagen wir zu Hause hinterher: „Ach, warum habe ich mir das denn jetzt gekauft?“ Aber weder wollen wir dauerhaft im Kaufhaus leben noch wegen Fehlkäufen nie wieder hingehen.

Warum sorgen sich also so viele Menschen, insbesondere Eltern, darum, wie sie sich selbst online darstellen? Wieso empfinden wir die Lebenswelt der anderen nicht als Bereicherung, sondern oftmals als Bedrohung? Es gibt keinen Zwang dazu. Bei vielen Dingen aus unserem virtuellen Kaufhaus handelt es sich um schön angezogene Schaufensterpuppen, um Staffage. Sie sollte uns nicht bedrohlich erscheinen. 

Im Fake-Privatjet um die Welt

In LA steht ein Privatjet, in dem man für Instagram Fotos machen kann. Es handelt sich um eine eigens zu diesem Zweck aufgestellte Attrappe. Bei Bedarf könnten wir hier allen, die es interessiert, vorgaukeln, dass wir uns diesen Spaß leisten können – auch als Familie!

Ein recht ehrlicher Umgang mit diesem Thema wäre, darauf hinzuweisen. Nicht nur nach dem Motto: „Disclaimer: Bei diesem Foto am Felshang in Norwegen standen übrigens vierzig Menschen mit schlechtem Atem direkt neben mir und haben geschubst.“ Gerade wir Eltern sollten im Kopf behalten, dass wir vieles in unserem Alltag mit einem Foto in eine Erfindung verwandeln. Weil schöne Momente („Das erste Lächeln!“) einfrieren und nicht mehr authentisch sind. Weil Höhepunkte im Leben unserer Kinder („Die ersten Schritte!“) selten gleich mitgefilmt und also nachgestellt werden müssen. Häufiger geht es weniger um den echten Moment als um das damit verbundene Gefühl. Das lässt uns immer häufiger mit einem Gefühl der Sorge in unsere Handys schauen: „Ist das, was ich da sehe, echt?“ Und, häufig noch mit einem kleinen nagenden Gefühl des Zweifelns: „Ist das, was ich da poste, echt?“

Perfekte Eltern gibt es nicht – auch nicht online

Ich glaube, wir alle überschätzen die persönliche Bedeutung, die Social Media haben sollte. Wir schränken uns dadurch ein, aber an der falschen Stelle. Wir müssen keine Angst vor Instagram haben oder uns unter Druck gesetzt fühlen. All diese Profile, selbst die der notorischen #nofilter-Benutzer, sind letztlich sorgsam kuratiert. Sie sind ein schönes Schaufenster zu unserem Leben, das ganz arglos erst einmal nur Freude vermitteln soll. Selbst bei den perfektesten Eltern enthält das tägliche Leben Schattenseiten. Es ist völlig in Ordnung, diese nicht mit der Welt zu teilen. Wenn wir das im Hinterkopf behalten, müssen wir uns auch nicht mit anderen Eltern vergleichen. Social-Media-Accounts helfen uns nicht unmittelbar, bessere Mütter und Väter zu werden. Aber sie können uns inspirieren. Ein Blick ins Schaufenster kann uns neue Welten erschließen. Kaufen müssen wir dort nichts. 

Ändern sollten wir unser Online-Verhalten nur dann, wenn wir das Gefühl haben, dass wir nicht mehr genug am Leben teilhaben; dass uns unsere politische Partizipation oder unsere persönliche Entwicklung durch die Finger rutscht. Dann ist wirklich der Zeitpunkt gekommen, das Telefon auszumachen, das virtuelle Kaufhaus zu verlassen und sich und andere in der echten Welt zu inspirieren.

Olaf Bernstein

Blog: http://backpackbaby.de/

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