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Juli 8, 2020 9:00 am

Masern: Was erwartet mich?

Liebe Mamas, liebe Papas,

seit 1.März 2020 gilt die Impfpflicht gegen Masern! Eltern sind jetzt verpflichtet, vor der Aufnahme ihres Kindes in einer Kita oder in der Schule nachzuweisen, dass es geimpft ist. Es drohen bis zu 2500 Euro Bußgeld, falls Eltern diesem Impfnachweis nicht nachkommen.  Solch eine gesetzlich Verpflichtung hatten wir seit der Pockenimpfung, die 1975 endete nicht mehr!

Gefährdung durch Maserninfektion

Ich persönlich finde, dass Impfungen eine Empfehlung bleiben sollten und die Entscheidung dazu sollte frei sein. Aber das verlangt, dass wir eine Erkrankung und ihre Komplikationen verstehen, um die Entscheidung zur Impfung für sich und das eigene Kind sinnvoll zu treffen. Bei einer solchen Entscheidung geht es auch um alle anderen Menschen im näheren Umkreis, die durch eine Maserninfektion gefährdet sein könnten.

Was sind Masern?

Heute möchte ich euch die Masernerkrankung schildern: Masern sind nach wie vor eine Erkrankung, die auch jetzt Todesopfer fordert und schwere Komplikationen nach sich ziehen kann, auch Jahre nach der aktiven Erkrankung. Die Masern, genau wie die aktuelle Corona Pandemie, werden durch einen Virus hervorgerufen. Das heißt, dass wir im Falle der Erkrankung nur noch die Symptome behandeln können und hoffen müssen, dass das Immunsystem desPatienten stark genug ist, um mit dem Virus umzugehen und sich zu wehren.

Warum Masern so gefährlich sind?

Das besonders gefährlich an der Maserninfektion ist, dass das Virus vor allem die Zellen des Immunsystems betrifft! Das sorgt dafür, dass das Immunsystem während und lange Zeit nach der Maserninfektion stark geschwächt ist und andere Erreger die Möglichkeit haben zusätzlich ihre krankmachenden Eigenschaften auszuüben.

Was ist eine Tröpfcheninfektion?

Das Virus wird über Tröpfchen in der Atemluft übertragen. Keimhaltiges Sekret wird beim Sprechen, Husten oder Niesen eines Infizierten von einem gesunden Menschen eingeatmet und gelangt über dessen obere Atemwege bzw. die Augenbindehaut in den Blutkreislauf. Darüber hinaus ist der direkte Kontakt mit infektiösem Sekret aus Rachen oder Nase ansteckend (auch Trinken aus einem Glas, Benutzung desselben Bestecks usw.).  In der Luft kann der Masernerreger bis zu zwei Stunden überleben. 

Eine Ansteckung mit Masernviren führt bei nahezu 100% der Kontaktpersonen zu einer Infektion, in über 95% der Fälle zum Krankheitsausbruch mit Symptomen. Eine durchgemachte Infektion hinterlässt lebenslange Immunität.

Die Masernerkrankung durchläuft zwei Stadien

Das Vorstadium(Prodromalstadium)

8 bis 10 Tage nach der Infektion beginnt das Vorstadium mit unspezifischen grippeähnlichen Symptomen:

  • mäßiges Fieber
  • Schnupfen
  • Halsschmerzen und trockener Husten, der sehr schmerzhaft sein kann
  • Abgeschlagenheit
  • Müdigkeit
  • Kopf- und Bauchschmerzen 
  • Lichtempfindlichkeit verbunden mit einer Bindehautentzündung, die sich vor allem durch tränende Augen bemerkbar macht
  • Das Gesicht des Patienten ist aufgedunsen
  • Ab dem zweiten oder dritten Tag treten an der Wangenschleimhaut weiße Beläge auf, die charakteristischen Koplik-Flecken  

Hauptstadium (Exanthemstadium)

  • Die Symptome des Vorstadiums werden stärker 
  • die Lymphknoten im Halsbereich sind geschwollen
  • Gleichzeitig mit dem erneuten Fieberanstieg sieht man den typischen Masernhautausschlag: 

Der Ausschlag

Er erscheint zuerst hinter den Ohren. Von dort breitet er sich über das Gesicht und den ganzen Körper aus. Nur Handflächen und Fußsohlen bleiben verschont. 

  • Parallel gehen die anderen Beschwerden zurück 
  • Das hohe Fieber sinkt erst nach fünf bis sieben Tagen
  • Der Patient ist schwer krank

Erst wenn der Ausschlag völlig verschwunden ist, gilt der Patient nicht mehr als infektiös. Die Phase der Erholung dauert etwa sechs Wochen, sofern keine Komplikationen auftreten. 

Bei 10-20% der Betroffenen treten die gefürchteten Komplikationen auf und sind lebensgefährlich!

Lebensbedrohliche Komplikationen 

  • Mittelohrenzündung
  • Lungenentzündungen
  • Gehirnentzündung 
  • Kehlkopfentzündung durch eine starke Schwellung kommt es zu Heiserkeit und Atemnot
  • Blinddarmentzündung
  • Leberentzündung
  • Herzmuskelentzündung
  • Nierenentzündung
  • Reaktionen des Blutsystems mit schweren inneren Blutungen

Jahre nach einer durchgemachten Masernerkrankung kann es zu einer Entzündung des Gehirns, der sklerosierende Panenzephalitis-SSPE kommen. Sie verläuft häufig tödlich oder mit Invalidität.

Die Masernerkrankung ist eine einschneidende Infektion. Sicher haben wir nach der überstandenen Erkrankung einen lebenslangen Schutz durch die Antikörper, die das Immunsystem gegen das Masernvirus bildet. Weltweit gab es seitdem frühen Mittelalter auf der ganzen Welt große Masern- Epidemien mit vielen Todesopfern. Erst 1958 konnte ein Impfstoff entwickelt werden, der 1963 nach ausreichender Testung allgemein zur Verfügung gestellt werden. Bitte achtet bei eurem Kinderwunsch auf euch und euer Baby und überprüft vor der Schwangerschaft euren Antikörpertiter im Blut. 

Infektion in der Schwangerschaft

Masern beim Ungeborenen verursachen keine Fehlbildungen aus.  Wenn du als Kind die Masern nicht durchgemacht hast oder gegen Masern geimpft bist, ist euer Baby möglicherweise trotzdem in großer Gefahr.  Die Masernviren können durch die Plazenta hindurchgelangen und euer Baby anstecken. Außerdem verursachen Masern bei jeder vierten Schwangeren vorzeitige Wehen, die sich nicht aufhalten lassen – und somit zu einer Fehlgeburt oder Frühgeburt führen.  Solange euer Baby noch durch die Nabelschnur mit dir verbunden ist, wird es mit deinen Immunproteinen versorgt, die die Krankheitskeime abwehren, wenn du geimpft bist oder die Masern durchgemacht hast. 

Ansteckung im Babyalter

Nach der Geburt jedoch fällt dieser Immunschutz nach wenigen Wochen weg, weil die Immunproteine nach und nach abgebaut werden. Neugeborene mit einer frischen Maserninfektion können deshalb dem Krankheitserreger nichts entgegensetzen. Wenn euer Baby– durch ungeimpfte Geschwister oder auch ungeimpfte Erwachsene – mit Masern angesteckt wird, kann der Krankheitsverlauf sehr schwer sein, dauerhafte Schäden hinterlassen und auch tödlich sein. Besonders gefährdet sind Babys vor ihrer ersten regulären Impfung gegen Masern.

Impfung mit dem 11. bis 14. Monat

Üblicherweise wird die erste Masern-Impfung in Deutschland nach Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut in Berlin zwischen dem vollendeten 11. bis zum 14. Lebensmonat als MMR Impfung durchgeführt. Ich finde es eine große Errungenschaft, dass wir uns heute gegen viele dieser schweren Viruserkrankungen, die zu den „Kinderkrankheiten“ zählen schützen können. Nach meiner Erfahrung sind Impfungen sinnvoll und hilfreich. Aber ich finde auch, dass wir uns informieren sollten, welcher Impfstoff genutzt wird. Es gibt viele Hersteller und manche Impfstoffe werden besser vertragen, manche schlechter. Das liegt häufig an den Zusatzinhaltsstoffen, die die Haltbarkeit ermöglichen. Informiert Euch gut, wenn ihr über das Impfen eures Kindes nachdenkt! Bitte bleibt gesund und denkt auch über euren eigenen Impfschutz nach, denn auch Erwachsene können an Masern erkranken und die Infektion weitergeben ohne selber Symptome zu haben!

Eure Stefanie

Beitragfoto: Von Kaspars Grinvalds shutterstock.com

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