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Dezember 17, 2018 9:00 am

Weihnachten mit Kind fernab der Heimat

Uns ist gerade aufgefallen, dass wir dieses Jahr keinen Adventskalender haben werden. Warum? Wir verbringen Weihnachten mit unserem Kind in den Tropen. Nun gut, nicht ganz in den Tropen, aber schon an einem Ort in Thailand, wo wir auch an Heiligabend wieder kurzärmlig in der Sonne sitzen werden – wie übrigens schon die letzten beiden Jahre.

Heiligerabend

So lange sind wir nämlich schon mit unserer kleinen Tochter in Asien unterwegs. Feierlichkeiten, die unseren Alltag bestimmen, gibt es hier reichlich: Das wilde Farbfest Holi in den Straßen Indiens beispielsweise, oder das mit bombastischem Pomp begangene Chinesisch Neujahr in Kuala Lumpurs Einkaufszentren. In Thailand versuchen wir, der landesweiten Wasserschlacht Songkran auszuweichen, uns die vielen Feiertage zu merken und stehen dann doch manchmal überrascht vor verschlossenen Türen. Irgendein Tag wird eigentlich immer begangen hier, und wenn es nur das laut-fröhliche Jubiläum des Tempels nebenan ist, mit schräger Musik und leckerem Essen.

Wie ein Schoko-Nikolaus zwischen Osterhasen

Aber Weihnachten? Fehlanzeige. Sicherlich, die Geschäfte in Thailand sind manchmal winterlich dekoriert. Plastiktannen stehen etwas irritiert in der Gegend herum und eine universell vertretene Kaffeehauskette bietet selbstredend den Latte der Saison an, falls Reisende doch einmal die Sehnsucht nach der Kälte überkommen sollte.

Überhaupt gibt es ja in Asien mit der einsetzenden Herbstkälte in Europa und den USA den  Wunsch, sich gemütlich einzukuscheln. (https://www.webtoons.com/en/slice-of-life/my-giant-nerd-boyfriend/233-cuddle-weather/viewer?title_no=958&episode_no=233) Meist scheitert das aber daran, dass die Klimaanlage nicht kalt genug eingestellt werden kann, um ein wirklich überzeugendes Wintergefühl aufkommen zu lassen. Frieren ist nichts, was wir mit der Weihnachtszeit verbinden, genauso, wie für die meisten Asiaten die christlichen Bezüge zu Jesu Geburt fehlen.

Dekoration zum Fest

Deshalb bleibt die Dekoration nach den Festtagen auch einfach in den Fenstern der Supermärkte kleben. Sie ist eben vor allem dieses: Dekoration. Das krasseste Beispiel dieser Art ist uns wohl in Taiwan begegnet, wo eine Reihe U-Bahn-Eingänge mit bunten Lichterketten geschmückt waren. Ein Eingang hatte offenbar ein günstiges Set Christbaumkugeln und Sterne aus einem chinesischen Weihnachtsschmuck-Restposten erhalten und sah nun aus wie ein verziertes Wohnhaus aus einem dieser klassischen Weihnachtsfilme. Dieser völlig kontextlose Anblick hat uns nachhaltig irritiert. Es war ein bisschen so, als hätte uns aus der Osterhasenauslage plötzlich ein Weihnachtsmann angegrinst.

Weihnachten ist da, wo Freunde zusammenkommen

Es sind also vor allem die merkwürdigen Verknüpfungen an ein Fest, das hier nie gefeiert wurde, die uns an Weihnachten erinnern, sonst nichts. Wo es nur Monsun- und Trockenzeit gibt, verblasst nach einiger Zeit das Gefühl für Jahreszeiten. Da wir uns die meisten Stunden des Tages im Freien aufhalten, fällt es uns schwer, die Gemütlichkeit eines Nachmittags mit heißer Schokolade auf dem Sofa zu zelebrieren (zumal wir kein Sofa haben, sondern nur Sitzkissen). Wenn wir uns beschenken und eine besinnliche Zeit zusammen haben wollen, müssen wir uns also etwas einfallen lassen.

Weihnachtsbaum

Für uns ist der heilige Abend nicht mit einem großen Christbaum verbunden oder Bergen von extravagantem Geschenkpapier. Wir treffen uns mit unseren Freunden, die hier leben und feiern ein ausgelassenes Fest der Dankbarkeit für das Leben und die Hoffnung, die in der Weihnachtsgeschichte stecken. Jeder kocht sein persönliches Lieblingsessen, wir musizieren gemeinsam und singen schöne Adventslieder aus aller Welt. „Stille Nacht, heilige Nacht“ erklingt zum Beispiel auf Deutsch. Sobald es dann etwas kälter geworden ist, spät am Abend, entzünden wir ein Lagerfeuer unter den blinkenden Sternen und sind glücklich, auch wenn wir nicht immer alle unsere Lieben um uns wissen.

Unsere Tochter kennt kein anderes Weihnachten

Wir haben den Vorteil, dass unsere Tochter kein anderes Weihnachten kennt (auch wenn sie Schnee sehr liebt) und ihr eine fröhliche Feier mit ihren Spielkameraden und Freunden weit wichtiger ist als jede Tradition. Tatsächlich können wir entscheiden, welches Brauchtum wir übernehmen. Seit meine Frau in den USA war, schwärmt sie beispielsweise davon, wie schön es ist, die Geschenke erst am Morgen des 25. Dezember zu öffnen und so gemütlich in die Feiertage zu starten. In Deutschland war das durch die große Familienbescherung am heiligen Abend bisher nicht möglich. Hier in Asien schon. So wird die Vorfreude ein wenig ausgedehnt.

Weihnachtsgeschenke

Bislang ist unsere Tochter vor allem begeistert davon, dass es an Weihnachten Geschenke gibt. Den Glauben hinter der Geburt von Jesus Christus versteht sie noch nicht wirklich, auch wenn wir an christliche Lieder an Heiligabend singen und mit unseren Freunden auch einen kleinen Gottesdienst feiern. Dafür weiß unsere Tochter, dass der Weihnachtsmann hier auf einem Roller Stofftiere an Kinder verschenkt (da er bei über 30 Grad im Schatten einen dicken Pelzmantel trägt und in dicken Motorradtaschen für jedes Kind etwas dabei hat, bin ich geneigt zu glauben, dass der echte Weihnachtsmann ist). Es kommt also eine ganz schön bunte Mischung zusammen, die unsere Tochter in den kommenden Jahren um ihre eigene Sicht ergänzen wird. So bauen wir uns, Stück für Stück, unser eigenes Weihnachten fernab der Heimat.

Olaf Bernstein

Instagram: https://www.instagram.com/backpack_baby/

Blog: http://backpackbaby.de

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