Hier kommt ein toller Artikel, der für alle Papas sehr hilfreich ist.

„Nicht die Mama!“ – Wenn das Kind den Papa ablehnt

Meine Tochter schreit. Sie will nicht mit mir mitkommen. Sie will bei ihrer Mama bleiben. Wenn ich versuche, ihr Jacke anzuziehen, boxt sie in meinen Magen und rennt weinend weg. Das ist nicht das erste Mal heute, es ist gefühlt zweihundertste Mal. Es geht auch nicht um eine Weltreise, es geht darum, dass meine Frau einmal alleine duschen kann. Am liebsten würde ich auch schreien. Vater sein kann so unendlich frustrierend sein.

Ich bin mir nicht sicher, wie vielen Vätern das so geht. Ich habe nur meine eigene, persönliche Sicht auf die Dinge. Es war dabei, wie es war: Ich war von Anfang an die zweite Wahl für mein Kind. Nicht manchmal, immer. Über mehr als drei Jahre lang.

Falsche Glaubenssätze über die Liebe

Wir wachsen mit der Vorstellung auf, dass ein Kind zu haben bedeutet, bedingungslos zu lieben und geliebt zu werden. In Wahrheit ist aber auch die Liebe eines Kindes etwas, das wachsen muss. Sie entsteht zwischen zwei Menschen wie eine zarte Blume, und sie ist gerade am Anfang nicht bedingungslos. Wenn Kinder in unsere Welt kommen, sind sie von uns abhängig. Eine solche Abhängigkeit kann man schlecht als Liebe bezeichnen, eher als gegenseitige Verpflichtung. Wir hatten als Eltern das Gefühl, dass unsere Neugeborene erst einige Wochen nach der Geburt wirklich Vertrauen zu uns fasste, zu uns fremden Wesen, die sie ja von außen noch nie gesehen hatte.

Mittlerweile ist meine Tochter ein Ball aus Energie, voller Sprache, voller Freude am Leben und mit einer sehr klaren Meinung, wie die Dinge um sie herum geschehen sollten. Falls die Dinge anders laufen, als sie sich das vorstellt, brechen gleich mehrere Welten auf einmal für mein gefühlsstarkes Kind zusammen. Außerdem verbindet sie ein unglaublich enges Band mit meiner Frau. Wäre ich nicht gleichberechtigt als Vater zu Hause gewesen – ich hätte geglaubt, dass es nur an mir liegen kann.

Die bohrende Frage: Was habe ich nur falsch gemacht?

Im Gegensatz zu vielen Vätern, die nicht von zu Hause aus arbeiten und die beruflich viel abwesend sein müssen, hatte ich eigentlich eine gute Startposition. Wir schliefen im Familienbett, ich trug meine Tochter von Anfang an auf dem Arm durch die schlaflosen Kleinkindnächte, stundenlang. Wir schaukelten so viel gemeinsam auf dem Spielplatz, bis mir schlecht war. Ich kannte ihre Macken und Gefühle genauso gut wie meine Frau. Kurz gesagt, ich war eine ideale Bezugsperson. Und dennoch: Am Ende jeder dieser Tage, bei jeder kleinen Verletzung oder auch einfach aus dem Blauen heraus wollte meine Tochter wieder zu ihrer Mama. Zeitweise gab es Weinkrämpfe, wenn meine Frau einfach nur hinter der Zimmertür stand.

Geblieben sind mir aus dieser Zeit zum Glück vor allem die schönen, verbindenden Momente, aber ich weiß ganz rational, wie hart diese ersten Jahre für uns waren. Sobald meine Tochter sich äußern konnte, war ich als Papa abgestellt. Ungefähr so wie Earl Sinclair, der Papa aus „Die Dinos“, der von seinem Kind regelmäßig mit dem Spruch „Nicht die Mama!“ eine Pfanne übergebraten bekommt. Bevor ich ein Kind hatte, hätte ich gesagt, das ist weit hergeholt. Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass diese Serie von frustrierten Vätern geschrieben worden sein muss.

Ich wusste nicht, wie verletzt ich war

Ein Wendepunkt in der Beziehung zu meiner Tochter war eine Situation kurz nach ihrem zweiten Geburtstag. Wir spielten zusammen mit einem anderen Jungen. Mit ihm lachte ich, sammelte seine Spielzeuge ein und dachte mir für ihn Geschichten aus. Mein Kind, das neben ihm saß, beachtete ich kaum. Wenn meine Tochter mich etwas fragte, antwortete ich mürrisch und einsilbig. Das Schlimmste war: Es fiel mir nicht einmal selbst auf.

Meine Frau beobachtete uns, nahm mich zur Seite und sagte: „Du spielst gar nicht richtig mit ihr – es sieht so aus, als könntest du sie überhaupt nicht leiden.“ Überrascht hielt ich inne. Ich hatte gar nicht gemerkt, wie die andauernden Zurückweisungen meiner Tochter Spuren bei mir hinterlassen hatten. Auch die Beziehung zu meiner Frau war zu der Zeit auf einem Tiefpunkt: Immer der einzige sichere Hafen für ein High-Needs-Kind zu sein, ist eine unglaubliche Verantwortung und extrem ermüdend. Wir waren grundsätzlich nur noch alle zusammen unterwegs, weil es anders gar nicht mehr ging.

Ein Neuanfang für Papa und Tochter

Ich setzte mich also hin und überlegte mit meiner Frau, was ich tun konnte, um wieder näher an mein Kind heranzukommen – und ich begann, alleine mit meiner Tochter lange Ausflüge zu machen. Auch wenn meine Tochter schrie und sich wehrte und nach ihrer Mama fragte, nahm ich sie liebevoll in die Trage und unternahm mit ihr etwas besonders Schönes. Diese verbindenden Momente zeigten meiner Tochter erstens, dass ich ihr auch Sicherheit geben konnte und halfen ihr zweitens, leichter von einer Situation in die nächste zu wechseln. Mein Selbstvertrauen wuchs und meine Frau bekam Zeit für sich. Dennoch brauchte ich sehr viel Durchhaltevermögen, da sich meine Tochter nach jedem Papatag wieder innerlich auf Null polte und am nächsten Tag wieder bei ihrer Mama bleiben wollte.

Bis heute schläft meine Tochter abends gemeinsam mit meiner Frau ein. Dafür springt sie mittlerweile morgens aufgeregt im Bett auf und ab, weil sie mit mir aufstehen will. Sie hat Lust, diese kleinen Ausflüge mit mir zu teilen, die so lange ein zäher Kampf waren. Seit wir ab und an einen Babysitter haben, kommt sie manchmal unvermittelt zu mir und kuschelt sich an mich. Wir wissen jetzt beide, dass unsere Beziehung eine besondere ist und keinesfalls selbstverständlich. Neulich hat sie sich im Schrank versteckt und mir durch die geschlossene Tür zugerufen: „Papa, ich liebe Dich!“ Viel besser kann man es als Vater nicht haben.

Olaf Bernstein

 

Lieber Olaf wir danken Dir für diesen offenen und ehrlichen Bericht, der vielen Papas Mut machen wird.

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