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November 4, 2019 9:00 am

Wie Eltern mit Ängsten umgehen lernen können

Angst ist ein sinnvolles Gefühl. Es verhindert, dass unsere Kinder überfahren werden oder sich böse verbrennen. Als Eltern müssen wir erst lernen, an welchen Stellen unseres Alltags diese Vorsicht sinnvoll ist und wo wir uns von ihr nicht einschränken lassen dürfen.

Obwohl ich das weiß, liege ich nachts oft schlaflos da und sorge mich um meine Tochter. Es ist dieser subtile Grusel, der alle Eltern halb wach hält, bis sie gegen vier Uhr morgens den Schlüssel in der Haustür klicken hören. Das kurze Ziepen im Rückenmark, mit dem wir um die Ecke ins Wohnzimmer rennen, weil wir ganz entschieden das Gefühl haben, dass etwas nicht stimmt.

Angst bedeutet überall etwas anderes

Dabei ist Angst ein Gefühl, dass nicht jedem Winkel der Welt dasselbe beschreibt. Unser Lieblingsspielplatz in Berlin wurde einmal einer losen Treppenstufe wegen den ganzen Sommer über gesperrt. In Vientiane, der laotischen Hauptstadt hingegen, musste unsere Tochter mehrere fehlende Stufen überwinden, um überhaupt aufs Klettergerüst zu kommen. Das dortige Netz war an so vielen Stellen kaputt, dass es eher aussah wie aus einem Indiana-Jones-Film. Gesperrt war auf diesem Spielplatz nichts. Die Kinder dachten sich elegante Lösungen aus, wie sie auf dem relativ kaputten Gelände kreativ spielen konnten. Die Eltern saßen entspannt im Sand daneben.

Wir orientieren uns an unserer Umwelt. Wenn mehr und mehr Eltern angstvoll auf die Welt schauen, haben auch immer mehr Kinder weniger Raum für Entfaltung. Wenn wir hingegen unsere Ängste hinterfragen und uns selbst mehr vertrauen, nehmen wir unseren Ängsten die Macht über uns.

Wie wir Ängsten begegnen können

Die Frage ist, wie wir aufhören können, uns als Eltern übermäßig zu ängstigen. Oder, seien wir realistisch, uns zumindest ein bisschen weniger Gedanken zu machen. Ein möglicher Schlüssel dazu sind Achtsamkeitsübungen, beispielsweise in Form von regelmäßigen Meditationen. Wer seine Achtsamkeit trainiert, versucht nicht, das Leid, dass ihm widerfährt, zu meiden oder es weniger schmerzvoll werden zu lassen. Stattdessen üben wir uns darin, genug Kraft zu haben, um unser Leid zu schultern. Wir unternehmen gewissermaßen einen Fitness-Kurs in geistiger Stärke. Wer regelmäßig meditiert, wird nicht nur ruhiger, sondern auch fröhlicher. Die sinnlos zirkelnden Sorgen nehmen ab und kommen langsam zur Ruhe. Achtsamkeits-meditationen können deshalb uns helfen, die eigene Stimmung zu heben.

Versenke dich in die Welt

Wer keine Zeit fürs Meditieren hat, kann einen einfachen Trick ausprobieren, wenn er das nächste Mal das Gefühl hat, die besorgten Gedanken würden überhand nehmen und in die Welt eintauchen, die ihn umgibt. Aus welchem Material ist der Stuhl gemacht, auf dem deine Hände liegen? Worüber reden die Leute, die du bis eben nicht einmal wahrgenommen hast?

Wenn der direkte Kontakt mit der Welt nicht ausreicht, um die wild herumschwirrenden Gedanken zu bremsen, gibt es noch eine weitere Möglichkeit. Benenne deine Sorgen und Ängste auf eine möglichst witzige Weise: „Ach, es ist mal wieder Zeit für die ‚Das ist zu gefährlich-Platte‘.“ Je präziser wir unsere Sorgen benennen können, die uns als Eltern bremsen und zurückhalten, desto eher können wir sie loslassen und glücklicher sein. Vielleicht sind wir dann sogar in der Lage, ganz aufs Meditieren zu verzichten, weil wir die Welt entspannter wahrnehmen.

Wir erzählen uns Geschichten

Wir erzählen nicht nur unseren Kindern zum Einschlafen Geschichten. Wir erfinden auch für uns selbst Geschichten über unser Leben. Wir sind damit so erfolgreich, dass wir manchmal die reale Welt aus den Augen verlieren und glauben, unser Alltag und unsere Ängste seien genau so, wie wir sie uns erzählen. Doch das stimmt nicht.

Wenn wir wütend oder betrunken sind, haben wir gelernt, unseren eigenen Gedanken nicht vorbehaltlos zu trauen. Im Alltag achten wir leider nicht darauf. Dabei können wir vereinfacht sagten: Wir denken uns die ganze Zeit Dinge aus. Nicht jede Idee hat eine tiefgreifende Bedeutung. Wir sind nicht unsere Gedanken, und unsere Ängste formen nicht unsere Welt. Erst wenn uns gelingt, das zu verstehen, können wir wirklich sichere Inseln für unsere Kinder sein.

Olaf Bernstein

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Beitragsfoto von Olaf Bernstein  

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