Wenn die Frau mehr verdient … Das sollte doch heutzutage in einer fortschrittlichen und offenen Gesellschaft kein Problem mehr sein? Ist das auch wirklich so? Oder gibt es immer noch alte Klischees, die gerade wenn die Frau Karriere macht und Hauptverdienerin ist, wieder zum Vorschein kommen?

Folgende Situation: Ein Paar ist gemeinsam essen, wenn die Rechnung kommt, reicht der Kellner sie automatisch dem Mann. Nimmt die Frau sie dann, um sie zu bezahlen, entsteht immer eine unangenehme Pause. Oft ist diese Situation gerade für den Mann unangenehm. Hier greifen die alten Mechanismen, dass der Mann der Versorger ist und selbstverständlich die Rechnung begleicht und nicht umgekehrt. 

Die Beziehungskriterien ändern sich

Immer mehr Frauen streben heute nach Selbstständigkeit und Unabhängigkeit. Ihnen kommt es in der Beziehung auf Gefühle wie Liebe, Treue, Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit an und nicht mehr so sehr auf finanzielle Vollversorgung. Klar, findet es jede und jeder von uns toll, wenn wir mal schick ausgeführt werden oder ein aufmerksames Geschenk bekommen. Aber dieses Geben und Nehmen findet in vielen Beziehung nun öfter gleichberechtigt statt.
Und trotzdem kommt es nicht selten auch in diesen modernen Partnerschaften zu Spannungen, die zu ernsthaften Problemen bei vielen Paaren werden können.

Warum ist das so?

Geld war und ist schon immer ein sehr schwieriges Thema, das leider viel zu selten angesprochen wird. In unserer materiellen Welt bestimmt das Geld oft, wer sozusagen die Hosen anhat. Aus den alten Gewohnheiten wird oft angenommen, dass der Mann diese Rolle innehat. Er ist der Brotverdiener und der Beschützer der Familie. Diese Denkmuster stecken noch sehr tief in uns und auch wenn wir aktiv versuchen, sie zu durchbrechen, ist das trotzdem ein langwieriger Prozess.
Die Wahrheit ist, Geldsorgen sind für kein Geschlecht leicht. Wir wollen als selbständige Wesen nicht von anderen abhängig sein. Viele von uns haben bei Geldsorgen ein schlechtes Gewissen oder fühlen sich minderwertig. Bei vielen kommt es daher unbewusst zu einem negativen Gedankenkarussell und die Beziehungsprobleme sind dann oft schon vorprogrammiert.

Lebensentwürfe sind im Wandel

Es gibt viele Gründe, wieso die Gehälter unterschiedlicher sind und die Frau in der Beziehung vielleicht mehr verdient. In der heutigen Zeit ist es normal, dass Frauen in ihrer Arbeit aufblühen, sich mit ihr identifizieren und daher auch einen großen Wert darauf legen, Karriere zu machen. Genauso entscheiden sich auch immer öfter Väter bewusst dafür, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen und die eigene Karriere zu pausieren. Diese Entscheidungen treffen Familien gemeinsam mit Blick auf die vielen unterschiedlichen Aspekte, wie Gehalt, Karrieremöglichkeiten, Jobzufriedenheit und auch persönliche Wünsche und Vorstellungen.

Trotz aller partnerschaftlicher Einigkeit, spielt leider auch die Gesellschaft eine Rolle in der Beziehung. Hohe Erwartungen, festgefahrene Geschlechterrollen und witzig gemeinte Bemerkungen können moderne Beziehungen auf eine harte Probe stellen. So haben zum Beispiel Frauen oft das Gefühl, dass sie hart arbeiten müssen, sowohl im Job als auch für die Familie, während der Mann zu Hause “nur” für die Kinder zu sorgen hat.

Frau als Hauptverdienerin

Frauen als Hauptverdienerin fühlen sich oft doppelt und dreifach gefordert. Studien haben ergeben, dass vor allem Mütter sich im Beruf mehr anstrengen müssen, um die Karriereleiter weiter erklimmen zu dürfen. Gleichzeitig müssen sie beweisen, dass sie keine Rabenmütter sind. Tragen sie zudem die finanzielle Last, da sie die Hauptverdienerin oder sogar Alleinverdienerin in der Familie sind, sind Konflikte zu finanziellen Themen in der Familie an der Tagesordnung.

Hier einige Tipps

?Lasst euer Ego aus dem Spiel und redet miteinander. Die Tatsache, dass man sich liebt, heißt nicht automatisch, dass es auf Dauer für beide Partner einfach ist, wenn sie mehr verdient. Das gilt sowohl für die Frau, die sich in der Rolle der Versorgerin vielleicht nach einiger Zeit unwohl fühlt und gerne einen Mann hätte, der sie versorgt. Aber auch der Mann kann unter der Situation, dass er seine Familie nicht alleine versorgen kann, leiden. Folgen sind vermindertes Selbstwertgefühl, mangelnde Selbstbestätigung und vieles mehr. Auch Sprüche aus dem Umfeld nach dem Motto „Ach, Du machst den Haushalt und Deine Frau schafft die Kohle ran“ tragen oft erst zur Eskalation bei.

? Seht euch als Paar und schätzt gegenseitig den Teil, den jeder von euch zur Familie beiträgt. Wir wissen doch alle, dass die Arbeit der Hausfrau zwar unbezahlt, aber deshalb nicht weniger anstrengend und wertvoll ist. 

? Stellt eure Quality-Time und die Lebensqualität der Familie in den Vordergrund und nicht das Geld.

?Schaut auf das gemeinsam Erreichte und seid dankbar dafür. 

?Lasst euch Zeit, um euch an dieses Lebenskonzept zu gewöhnen und die damit vielleicht hin und wieder verbundenen Herausforderungen zu meistern. 

?Schafft für euch eine Situation in der sich beide gesehen und sicher fühlen. 

?Und last but not least, lasst euch nicht durch euer privates oder berufliches Umfeld beeinflussen und übernehmt Meinungen, die nicht eure eigenen sind. 

Wenn ihr beide gemeinsam an einem Strick zieht und euch immer wieder bewusst macht, dass ihr beide alles für eure Familie und deren Glück tut, dann läuft es auch. 

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