Den heutigen internationalen Tag der seelischen Gesundheit nehmen wir zum Anlass Euch einige Informationen zum Thema in unserer neuen Serie über Depressionen zu geben. Den Start macht heute Stefanie mit der Wochenbettdepression. In den nächsten Wochen findet Ihr mehr zu Depressionen, der Möglichkeit sie zu erkennen, Depressionen bei Kindern und natürlich Erfahrungsberichte von Betroffenen in unserem Magazin.

Postpartale Depression = Wochenbettdepression

– Was ist das? –

Liebe Mamas, liebe Papas,

die Postpartale Depression (post = nach/ partus = geburt) beschreibt den Zustand eines ernstzunehmenden psychischen Krankheitsbildes nach der Geburt. Die Folgen für die Mutter, die Bindungsfähigkeit zum Neugeborenen und die Entwicklung des Säuglings sind dramatisch.

Folgen für Mutter und Kind

Beim Säugling können Bindungsstörungen, Verhaltensauffälligkeiten, sowie Störungen der emotionalen und kognitiven Entwicklung die Folge sein, die Auswirkungen auf sein ganzes Leben haben können. Ich habe in meiner Zeit als Kinderkrankenschwester für die Stadt München eine Situation erlebt, in der die Mutter in ihrer Angst und ihrem Gefühl keine „gute Mutter“ zu sein, einfach gegangen war. 

Extremsituation

Die Geburt ist schwierig gewesen und die Mutter fühlte sich furchtbar allein, unverstanden und überfordert. Sie sah einen Berg an Unlösbarkeiten vor sich und in ihrer Wahrnehmung sah sie sich nicht mehr in der Lage den Berg zu bewältigen. Dunkle Wolke hatten ihr ihren Lebensmut genommen. Ihr Baby war 4 Wochen vorher mit einem Kaiserschnitt auf die Welt gekommen und der Vater hatte nach 2 Wochen Urlaub zurück an seinen Arbeitsplatz gemusst. Zum Glück hatte sie noch einen Notruf bei ihrer Hebamme abgesetzt und hatte dann ihr Haus und den schreienden Säugling einfach verlassen. Sie wurde zum Glück von der Polizei gefunden, bevor sie sich etwas antun konnte.

Wunsch nach Nähe

Die Hebamme hatte das Jugendamt informiert und in den nächsten 9 Monaten hatte ich die Möglichkeit die kleine Familie zu betreuen. Das kleine Töchterchen hatte in seiner Verzweiflung und Wunsch nach Nähe eine massive Fütterungsstörung entwickelt. Sie musste in der Kinderklinik behandelt werden, da sie nach 4 Lebenswochen nur knapp über ihrem Geburtsgewicht angelangt war.

Nach der Diagnose „Wochenbettdepression“ wurde die Mama sowohl psychotherapeutisch als auch medikamentöse behandelt. Wir etablierten mit Hilfe des Papas, der Großeltern, Freunden und der Familie ein Entlastungssystem für die Mutter. Ganz langsam fasste die Mutter wieder Zutrauen zu sich selber und konnte sich als Mutter und ihr Baby annehmen. Es war ein langer Weg, aber nach 9 Monaten war die kleine Familie in der Lage das Leben gemeinsam zu meistern.

Mögliche Ursachen einer Wochenbettdepression

Die Ursachen für sind individuell verschieden, da zahlreiche körperliche, hormonelle, biochemische, psychische, soziale und gesellschaftliche Faktoren ineinanderfließen. 

Meist führt das Zusammenwirken mehrerer Ursachenfaktoren zu einer psychischen Überlastungsreaktion. Anzahl und Intensität der einzelnen Belastungsfaktoren bestimmen das Ausmaß der Erkrankung. Die Entstehung der Erkrankung ist ein individueller Vorgang, denn jede Frau erlebt ihre Schwangerschaft, die Geburt, ihr Umfeld und ihre Situation nach der Geburt entsprechend ihrer Wahrnehmung. Eine Vielzahl von Faktoren aus den Bereichen der Körperfunktionen, Faktoren des Erlebens um die Geburt herum, psychische und soziale Faktoren können in ihrer Gesamtheit zu einer Wochenbettdepression führen.

Körperliche Faktoren

  • Gravierende hormonelle Veränderungen nach der Entbindung
  • Schilddrüsendysfunktion
  • biochemische Veränderungen durch die schlaflosen Nächte
  • psychische Vorerkrankung
  • genetische Veranlagung

Peripartale Faktoren (peripartal= Vorgänge, um den Geburtszeitraum herum)

  • langes Warten auf eine Schwangerschaft
  • vorhergehende Fehlgeburt
  • ungeplante oder unerwünschte Schwangerschaft
  • Schwangerschafts-Komplikationen
  • Verunsicherung im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge
  • Schwangerschafts-Depression
  • traumatisches, sehr schmerzhaftes und/oder langwieriges Entbindungserlebnis
  • Notkaiserschnitt; unruhige oder unsensible Entbindungsumgebung
  • Frühgeburt; krankes oder totes Kind
  • Schwierigkeiten beim Stillen
  • abruptes und/oder ungewolltes Abstillen
  • Einnahme bestimmter Abstill-Präparate

Psychische Faktoren

  • Abschied von der Schwangerschaft
  • Abschied von der eigenen Kindheit
  • persönliche Einschränkungen
  • Identitätskrise
  • Verlust der Selbstständigkeit
  • Perfektionismus
  • traumatische Erlebnisse im zeitlichen Umfeld der Schwangerschaft und Entbindung
  • belastende Umstände wie Ortswechsel, finanzielle und/oder soziale Probleme
  • Beziehungsprobleme
  • traumatische Erlebnisse in der Kindheit
  • durch die Geburt reaktivierte unverarbeitete Erfahrungen aus der eigenen Lebensgeschichte

Soziale Faktoren

  • Idealisiertes Mutterbild durch Werbung und Umfeld
  • in der Pflege anspruchsvolle Neugeborene
  • Neufindung in die Rolle als Mutter
  • mangelnde Unterstützung durch den Partner und das soziale Umfeld
  • veränderte Beziehung zum Partner
  • veränderte Beziehung zu den bereits vorhandenen Kindern
  • veränderte Beziehung zu den Eltern und Schwiegereltern
  • Wegfall der Großfamilien und ihrer Unterstützung

Achtet gut auf Euch

Liebe Mama! Ich möchte dich bitten gut auf dich zu achten, gerade in der sensiblen Zeit nach der Entbindung. Solltest du an dir merken, dass vermehrt dunkle Wolken über dir schweben, jeder Tag schwer zu bewältigen ist, du dein Baby nicht auf den Arm nehmen magst und du nicht mehr lachen kannst, dann vertrau dich jemandem an. 

Lass Deinen Partner, deine Hebamme oder vertraute Freund wissen, wie es dir geht und beschreibe deine Wahrnehmung! Versuche Kontakt aufzunehmen, auch wenn es dir noch so unmöglich erscheint.  

Papas paßt auf Eure Frauen auf

Liebe Papas, passt auf eure Frauen gut auf und solltest du wahrnehmen, dass sie nicht so ist wie vor der Geburt, sich nicht mit dir freuen kann oder du sie in Distanz zu eurem Baby wahrnimmst, dann sprich sie darauf an und sucht gemeinsam Hilfe!  In meinem nächsten Artikel schreibe ich mehr dazu was Ihr tun könnt solltest es bei euch zu einer solchen Situation kommen und wo Ihr Hilfen findest. Auch schreibe ich euch, welche Zeichen euer Baby sendet, wenn es nicht in Kontakt mit seiner Mami kommen kann, was durch eine Wochenbettdepression verhindert sein kann. 

Sehenswerte Filme die die Wochenbettdepression eindrücklich beschreiben:

Herbstkind“ von Ariela Bogenberger

Das Fremde in mir” von Emily Atef 

Liebe Grüße

Eure Stefanie

Beitragsfoto: von Tolikoff Photography shutterstock.com

Wenn Ihr Eure Erfahrungen zum Thema Depression mit uns teilen möchtet, schreibt an unsere Redaktion

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