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Juni 20, 2020 9:00 am

Zu Tode betrübt

Kinder bei Schmerz und Trauer begleiten

Wenn ein geliebter Mensch stirbt, Beziehungen auseinandergehen oder eine große Lebensveränderung wie ein Umzug an einen anderen Ort ansteht, empfinden Kinder ebenso viel Schmerz und Trauer wie Erwachsene. Unsere Aufgabe als Eltern ist es, sie achtsam und liebevoll zu begleiten und ihnen beim Empfinden dieser Gefühle zu helfen.

Gefühle zulassen

Schmerz und Trauer aufgrund von verletzenden und belastenden Erfahrungen sind Stimmungen, die ebenso ihre Berechtigung haben wie Freude oder Hoffnung. Alle Gefühle dürfen gefühlt werden. Anstatt als Eltern Sätze zu sagen, die die Gefühle von Kindern negieren („Das ist doch nicht so schlimm“) oder verdrängen („weine nicht“) hilft es, Trauer und Schmerz bewusst zuzulassen („Es ist okay, jetzt traurig zu sein“) und zu begleiten („Ich bin für dich da“). 

Gefühle benennen

Wir sind nicht unsere Gefühle. Wenn ein Kind schreit: „Ich bin aber wütend! Ich bin traurig!“, können wir versuchen, einen Perspektivwechsel bei unserem Nachwuchs vorzunehmen. „Du fühlst dich also traurig? Du empfindest Wut?“ Wenn das Kind schon etwas älter ist, kann es helfen, das Gefühl wie eine Person in den eigenen Kopf einzuladen und ihm dort einen gemütlichen Platz, einen Sessel etwa, anzubieten. Das signalisiert beispielsweise der Trauer, dass sie hier willkommen ist und das sie sein darf. Sie wird nicht weggestoßen und die Belastung, sie nicht spüren zu dürfen, löst sich in Luft auf. Jetzt ist endlich Raum dafür, die Stimmung wahrzunehmen und gleichzeitig zu erkennen: „Ich bin nicht meine Wut. Ich bin nicht mein Schmerz. Ich bin nicht meine Trauer. Ich spüre sie, und sie sind ein Teil von mir, aber ich bin nicht mehr oder weniger ich als gestern. Meine Gefühle definieren mich nicht.“

Kleine Achtsamkeitsübungen

Sobald dein Kind verstanden hat, dass es richtig und gut ist, Wut, Trauer und Schmerz zu fühlen, kommt der Schritt, an dem wir Eltern ihm helfen, Strategien und Übungen zu finden, mit denen die Gefühle eingeordnet und aufgelöst werden können. So tragen Meditation und autogenes Training dazu bei, dass das Kind sich erden kann und spürt, dass nicht alles Trauer ist. Die Achtsamkeit uns selbst gegenüber, die im Strudel von Schmerz und Wut unterzugehen droht, lässt sich so wiederfinden.

Eine Liste an positiven Dingen machen

Obwohl wir die Trauer nicht negieren wollen, kann es trotzdem hilfreich sein, den Fokus auf all die Dinge zu legen, die schön sind und unser Leben lebenswert machen. Das hilft unserem Nachwuchs dabei, die Trauer als Gefühlszustand besser einzuordnen. Wenn das Kind soweit ist, können kleine und große Unternehmungen und vielleicht sogar ganz besondere Events es dabei unterstützen, wieder mehr Freude im Alltag zu empfinden. Hierbei geht es nicht darum, von der Trauer abzulenken, sondern aufzuzeigen, dass neben der Schwere auch noch viele andere Gefühle Platz haben dürfen.

Ein sicherer Hafen sein

Das sicherlich Wichtigste für ein Kind in einer Umbruchssituation ist das, was sich nicht verändert: Die eigenen Eltern, die Bezugspersonen. Wenn es für das Kind so aussieht, als würde ihm der Boden unter den Füßen wegbrechen, müssen wir präsent sein. Das bedeutet nicht, ständig Aktivitäten zu planen, um negative Stimmungen zu übertünchen, sondern vor allem als Gesprächspartner verfügbar zu sein und offen auch über unsere eigenen Gefühle zu reden. So können wir unseren Kindern in unserem Umgang mit Trauer ein Vorbild sein.

Olaf Bernstein

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Beitragsfoto: von Olaf Bernstein

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